Erstaunlich ist es schon, wie Stefan Wittmann es schafft eine Reise, die ihn ein ganzes Jahr lang durch eines der aufregendsten, abwechslungsreichsten und landschaftlich sowie kulturell beeindruckendsten Länder dieser Erde führte - und die für so viele die Erfüllung eines Lebenstraumes bedeuten würde - als eine andauernde Tortur darzustellen!
Konsequent von der Ersten bis zur Letzen Seite kommt der Autor aus dem nörgeln und jammern gar nicht mehr heraus. So ist von zu schweren Rucksäcken über knurrende Mägen bis hin zu 35 Km langen Tages-Gewaltmärschen nichts ausgelassen, das eine Möglichkeit zur Kritik bietet.
Von Strapazen und allzu widrigen Umständen ist zu lesen, die jedoch stets nur auf mangelnder Vorbereitung, Selbstüberschätzung und Naivität beruhen.
Nur ab und an wird auch von Highlights berichtet, die tatsächlich so positiver Natur gewesen sein müssen, dass der Autor tatsächlich keine Möglichkeit fand sie sich in seinem allgegenwärtigen Selbstmitleid schlecht zu reden...
Selbst diese gut gemeinten Umschreibungen aber kommen durch den unterentwickelten Schreibstil leider nicht zur Geltung.
Mein Fazit für dieses Buch: Mehr als enttäuschend!
Anstatt in Fernweh zu schwelgen, konnte ich mich während des lesens nur ständig über die negative Grundeinstellung, die in dem Buch vermittelt wird ärgern.
Statt sachlicher Tipps, erfährt man dafür alles über die Ess- und Trinkgewohnheiten des Autors. Wann, wie oft und wo genau Currywurst vermisst und wie viel Burger und Bier tagtäglich vernichtet wurden. Nicht das kleinste Pausenbrot verbleibt ohne die ihm gebührende, genaueste Umschreibung. - Leider zählt das für mich aber nicht zu den Informationen, für welche ich mich mit einem solchen Reisebericht beschäftige...
Zu guter Letzt bringt er es auch noch fertig sich angesichts seiner eigenen tagtäglichen Schinderei im Kampf ums nackte Überleben (genauestens beschrieben auf ca 100 von 130 Seiten) über die wesentlich lockerere Einstellung manch anderer Neuseelandreisender zu beklagen. (!!!)
Menschen, die ihr Auslandsjahr als Chance nutzen wollen neue Kräfte und Kreativität zu sammeln, anstatt als ausgedehnte Passion Christi durchs Land zu ziehen und es so fertig bringen ihre Zeit in Neuseeland zu genießen...
So gehören Menschen die es wagen Deo und Hautcreme in ihren Rucksack zu packen, laut der Meinung des Autoren "gar nicht hierher"!
Meiner Meinung nach hätte dieser Leidens-erfahrende und Strapazen-erprobte Frodo-Potter sein Sabbatical besser in einer Kaserne verbracht als in Neuseeland. Zumindest hätte er dabei kein Buch schreiben müssen um der Leserschaft sein Leid zu klagen.
S. Haugg