Der Kriminalroman "Ein Teufelskreis" von Horst Jüssen hebt sich wohltuend von den üblichen Krimi-Klischees ab, in deren Mittelpunkt zumeist ein genialer Kommissar steht, dem es letztlich - wie erwartet - dank seiner ungewöhnlichen und zumeist praxisfernen Ermittlungsmethoden gelingt, den Mörder zur Strecke zu bringen.
Ganz anders die Vorgehensweise des Autors Horst Jüssen, der in seinem Roman völlig normal empfindende und handelnde Ermittler - mit allen ihren menschlichen Schwächen - agieren läßt und dem es gerade deshalb gelingt, ein der tatsächlichen Polizeiarbeit entsprechendes Szenario zu zeichnen. Daß dabei die Spannung trotzdem - oder gerade deswegen - bis zur letzten Seite erhalten bleibt, ist kennzeichnend für die Qualität dieses besonderen Romans.
Daß über die Identität des Mörders zu keinem Zeitpunkt Zweifel bestehen, tut der Spannung keineswegs Abbruch. Im Gegenteil: Die Schilderungen über die Pokerspielerszene, die Einblicke hinter die Kulissen der Film- und Immobilienbranche und die Darstellung der polizeilichen Ermittlungsarbeit lesen sich spannend, wirken durchaus authentisch und sind geschickt mit der Story verwoben. Das daraus resultierende Handlungsgeflecht, in welches auch die russische Mafia einbezogen ist, erscheint keineswegs utopisch und dürfte der Realität entsprechen.
Alles in allem ein lesenswerter Roman, der ein psychodramatisches Geschehen beschreibt, bei dessen Lektüre man sich immer wieder die Frage stellt, ob dies nun ein Roman oder die Schilderung eines tatsächlichen Geschehens ist.
Walter Müller, Sasbachswalden, den 26.07.03