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41 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Emotion ohne Kitsch, 27. Januar 2005
Seit mehr als fünfzig Jahren verheiratet haben Alice und Jules ihr eigenes Ritual entwickelt. In bestimmten Eckpunkten läuft ihr Leben Tag täglich gleich ab, das ist auch gut so - denn es gibt ihnen Sicherheit. Auch dieser Wintertag beginnt wie jeder andere Tag der letzten Jahre, Jules steht auf um Kaffee zu kochen. Als Alice ihm aus dem Bett folgt, findet sie Jules tot auf dem Sofa sitzend. Von der Situation vollkommen überfordert, beschließt sie sich noch einen Tag Zeit zu geben um sich von Jules verabschieden zu können - erst morgen würde sie ihren Sohn benachrichtigen und die nötigen Schritte veranlassen. Damit beginnt eine Reise ins tiefste Innerste eines Menschen, in einer Grenzsituation. Das wahrhaft existenzialistische Thema wird vertieft, als David - ein autistischer Junge der drei Etagen tiefer wohnt - zu seiner täglichen Schachpartie kommt. Sprachlich ist der Niederländerin ein wirklich großartiges Werk gelungen. Trotz der absoluten Kürze des Buches, das gerade 92 Seiten aufzuweisen hat, schafft Diane Broeckhoven einen Text der das Gefühl vermittelt dieser Tag würde endlos sein. Die Zeit verrinnt - der Situation angemessen - extrem langsam. Der Roman der gerade auf der Gefühlsebene sehr dicht geschrieben ist, hinterlässt dennoch nicht den Eindruck klischeehaft zu sein, oder gar billig auf die Tränendrüse zu drücken. Alice reflektiert über ihr gemeinsames Leben und kehrt für den Leser ihr innerstes nach außen. Am Ende hat man den Eindruck, Alice sein ganzes Leben lang zu kennen und ihre Persönlichkeit zutiefst zu bewundern. Aus meiner Sicht kann ich das Buch nur uneingeschränkt empfehlen. Für mich steht es in einer Reihe mit Paulo Coelhos "Veronika beschließt zu sterben" oder auch Patrick Süskinds "Die Taube".
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So schöön!, 16. März 2007
So Schön!!! Die kurzen 92 Seiten sind schnell umrissen: Alice findet eines Morgens ihren Mann Jules tot und friedlich auf dem Sofa sitzend. Vorher hat er noch, wie seit Jahren ihr Ritual, den Frühstückstisch gedeckt und Kaffee gemacht. Alice reagiert nicht panisch oder hektisch, nein, sie nimmt Abschied, sie kann sich nicht vorstellen, dass sofort wildfremde Leute - Ärzte, Bestatter - an Herrn Jules herumzerren, sie hat ihm doch noch einiges zu sagen. Einziges Problem: David, der autistische Nachbarsjunge der jeden Tag Punkt 10 eine Partie Schach mit Herrn Jules spielt. Ausladen gelingt nicht, macht auch nichts, David reagiert ganz "normal" und stellt sachlich fest, dass auf dem Sofa Herrn Jules Hülle sitzt, Herr Jules selbst wohl fort sei. Ja und dann nimmt Alice ihren Mann in sich auf, sie erzählt ihm von längst vergangenen Dingen, Dinge die immer ungesagt blieben. Irgendwann weiß sie, sie kann "die Hülle" gehen lassen, Herr Jules lebt in ihr weiter, in ihrem Herzen bewahrt. Nein, man braucht keine Taschentücher, aber trotzdem ist die Erzählung so anrührend, einfach nur schöön!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Herr Jules ist weg. Das ist die Hülle von Herrn Jules., 15. April 2007
Ein alterndes Ehepaar mit seinen eingefahrenen unverrückbaren Gewohnheiten wird eines Wintermorgens jäh aus seiner beschaulichen Idylle gerissen. Der Duft des durch Jules schon zubereiteten Kaffees weckt Alice. Als sie zu ihm ins Wohnzimmer geht, sitzt er tot auf dem Sofa. Da es noch einiges mit ihm zu klären gilt, beschließt sie spontan, entgegen der üblichen Routine beim Tode eines Menschen diesen Tag noch mit ihrem Mann zu verbringen. Doch das ist leichter geplant als durchgeführt. Denn wie immer kommt um 10 Uhr der kleine autistische Nachbarjunge David, um seine übliche Partie Schach mit Jules zu spielen. Das Vorhaben scheint gefährdet. Doch David reagiert anders, als Alice befürchtet hatte. Das ist die vordergründige Handlung des 92 - seitigen Buches der Antwerpener Schriftstellerin Diane Broeckhoven. Doch in der eigentlichen Geschichte geht es um die Aufarbeitung der ehelichen Beziehung zwischen Jules und Alice. Liebevoll erinnert sich Alice an ihren Kampf um Jules, ihren ersten und einzigen Liebhaber, und die vielen angenehmen gemeinsamen Stunden. Eine Rolle spielt aber auch Jules nie richtig aufgeklärte Affaire mit Olga, die lange Zeit unausgesprochen zwischen ihnen stand. All das erzählt sie dem stummen Mann auf dem Sofa und wirft es ihm vor. Anschließend fühlt sie sich besser. Die Dinge können ihren Lauf nehmen. Fazit: Ein wunderschönes besinnliches Buch der flämischen Autorin über menschliches Zusammenleben und Abschiednehmen. Die feine Geschichte über Rituale, Liebe, Verrat und Verlust ist so einfühlsam geschrieben wie von Isabel Hessel übersetzt, so wie dies oft nur Frauen können. Allerdings fragt man sich, warum Verlage oft meinen, den ausländischen Originaltitel nicht so wörtlich wie möglich übersetzt wiedergeben zu können. ,De buitenkant van Meneer Jules` hätte sich viel treffender - und so auch im laufenden Text geschehen - mit ,Die Hülle von Herrn Jules` übersetzen lassen. Sehr empfehlenswert.
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