...so ist mehrfach in diesem Buch zu lesen. Wolf gibt ihre "Un"s zu erkennen: UNwissenheit, UNsicherheit, UNzufriedenheit, ja, auch manche UN- und HALBwahrheiten. Und gerade das macht dieses Buch interessant. Hier ist eine anerkannte Autorin, die sich gerade dieses nicht so einfach zugestehen will - und schon gar nicht die Ansprueche, die mit diesem Status einhergehen. "Ich weiß doch nicht", sagt sie, aber dennoch erwarten wir Leser staendig Antworten. Es werden in der Tat auch viele hier gegeben. Nur ein Tag im Jahr, manchmal zugepflastert mit Alltagsritualen, manchmal gibt es die "große" Politik. Immerhin bekommen wir Leser nun aber auch ein bisschen von dem, was uns jenseits der Literatur ja auch interessiert: Wer ist denn dieser Autor/diese Autorin eigentlich sonst so fuer ein Mensch? Was machen "die Kreativen, Beruehmten" denn so?
Sie leben, sagt das Buch. Mit den ganz normalen Fragen, Konflikten, Freuden und, ja auch Krankheiten, wie der Rest der Menschheit auch. Plus dem Zweifel, ob man denn wirklich talentiert ist, ob der ganze Ruhm und Rummel gerechtfertigt sind.
Wer große Enthuellungen und Sensationen erwartet, sollte lieber wieder zurueck zur Boulevardpresse gehen; es wird weder großartig schmutzige Waesche gewaschen noch abgerechnet. Wer aber einen stillen Einblick in einen Menschen tun moechte, den man sonst hoechstens heimlich tun kann (naemlich, wenn man ihm das Tagebuch "geklaut" hat...), dem sei "Ein Tag im Jahr" wirklich empfohlen. Kein Buch zum "Runterlesen", aber eins zum Nachdenken und Ueberdenken eigener Denk- und Handlungsmuster.