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Ein Tag in der Toskana: Vom Abenteuer, ein Italiener zu sein
 
 
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Ein Tag in der Toskana: Vom Abenteuer, ein Italiener zu sein [Taschenbuch]

Dario Castagno , Kristina Lake-Zapp
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Ein Buch, das Laune macht, die Koffer zu packen und sich von dem sympathischen Dario persönlich führen zu lassen - quer durch das Land der Esel und Zypressen.“ (WDR 4 )

„Ich las Dario Castagnos Buch in einer einzigen Nacht - und war ebenso amüsiert wie bekümmert über meine Landsleute.“ (World Travel Magazine )

Kurzbeschreibung

Charmant, humorvoll und kurzweilig: ein Buch, das Lust auf den nächsten Italienurlaub macht!

Nirgendwo fühlt sich Dario Castagno wohler als zu Hause in dem kleinen Dorf Vagliagli in der Toskana. Und wenn man seine Geschichten liest, kann man das nur zu gut verstehen. „Ein Tag in der Toskana“ ist Castagnos Liebeserklärung an seine Heimat. Zurück von einer längeren Reise, zelebriert er seinen ersten Tag, spaziert durch die unberührte Natur, vorbei an pittoresken Schlössern und Häusern, und erzählt dabei amüsante Anekdoten aus seiner Heimat, aber auch immer wieder von kuriosen Begegnungen mit Touristen. Toskana forever!

Klappentext

"Ein Buch, das Laune macht, die Koffer zu packen und sich von dem sympathischen Dario persönlich führen zu lassen - quer durch das Land der Esel und Zypressen."
WDR 4

"Ich las Dario Castagnos Buch in einer einzigen Nacht - und war ebenso amüsiert wie bekümmert über meine Landsleute."
World Travel Magazine

Über den Autor

Dario Castagno verbrachte seine Kindheit in England, bevor er im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern in die Chiantigegend zog, ins Herz der Toskana. Seine eigene Begeisterung für die Landschaft und die kulturellen Schätze seiner Heimat machte er schließlich zum Beruf: Seit über zehn Jahren ist er bereits Reiseleiter und erlebt dabei zahllose Abenteuer mit Touristen aus aller Welt – nicht zuletzt mit Amerikanern. Dario Castagno lebt in Vagliagli.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

4 Uhr 8

Vielleicht liegt es am Jetlag, vielleicht ist es auch schlicht die Aufregung darüber, zu meinen geliebten Chianti-Hügeln zurückgekehrt zu sein, die mich an diesem Morgen so früh aufwachen lässt. Ich schlafe immer bei geöffneten Fensterläden, weil ich es liebe, von den ersten Sonnenstrahlen geweckt zu werden, aber jetzt herrscht noch undurchdringliche Dunkelheit. Noch immer klingt mir das monotone Dröhnen der Boeing 777 in den Ohren. Ich strecke meinen Arm zu der leeren Seite neben mir aus; mehr als ein Jahr ist seitdem vergangen, aber ich habe mich noch immer nicht daran gewöhnt, das Bett für mich allein zu haben. Ich blicke auf das Foto von Cristina auf dem Nachttisch, das mir so lebhaft im Gedächtnis ist. Dieses Bild mag ich besonders: Sie kniet darauf, um meinen letzten Hund Dick Rogers zu umarmen, und strahlt dabei liebevoll übers ganze Gesicht. Ich verstehe nicht, warum sie gegangen ist. Noch immer lasse ich meinen Schlüssel in der Haustür stecken für den Fall, dass sie zurückkommt. Wie sehr ich sie vermisse ...
Eine Stunde vergeht in schläfrigem Grübeln. Tastend schickt die Sonne ihre ersten Strahlen über den Himmel wie ein Schwimmer, der prüfend seinen Zeh ins Wasser streckt, doch schon bald wird sie hinter den Hügeln aufgehen und alles in ein majestätisches Rot tauchen. Als der Himmel heller wird und die Sterne langsam verblassen, fällt mein Blick auf den hellblauen Samsonite-Koffer, den ich monatelang auf unzähligen Flughäfen hinter mir hergezogen habe: Er wartet noch immer darauf, ausgepackt zu werden. Ich spüre seinen unausgesprochenen Tadel und krieche aus dem Bett. Dann mache ich mich auf den Weg die granitenen Treppenstufen hinunter, um mir eine große Tasse caffè d'orzo zuzubereiten, die ich mit einem Teelöffel Honig süße. Anschließend toaste ich eine Scheibe toskanisches Brot, beträufle sie mit köstlichem olio extra vergine di oliva - kaltgepresstem Olivenöl -, füge eine Prise Salz hinzu und reibe eine frische Tomate über die knusprige Oberfläche. Ich fühle mich wie im Himmel. Zum ersten Mal seit vielen Wochen sitze ich auf meiner Terrasse, die Füße auf die Steinmauer gelegt, und genieße das Schauspiel, das sich mir bietet. Die Sonne ergreift langsam Besitz von der Landschaft, überzieht Burgen und Landhäuser, die über Hügel und Täler verstreut liegen, mit ihren glühenden Strahlen.
Mein Dorf, Vagliagli, schläft noch. Die einzigen Geräusche sind das dumpfe Gebell einer Meute Jagdhunde in ihren Zwingern, die begierig darauf warten, hinausgelassen zu werden und die Spur eines Wildschweins aufzunehmen, sowie der unverwechselbare Ruf eines Kuckucks, der im Tal widerhallt. Die Kirchenglocke schlägt sechs. Ihr steinerner Turm gleißt in der Sonne.
Schon jetzt ist es außergewöhnlich warm. Als ich die dampfende Tasse an die Lippen hebe, bemerke ich in der Ferne einen Heißluftballon, der über die Eichen gleitet. In der ehrfürchtigen Stille dieses frühen Morgens im Chianti lässt er die Stimmung - soweit das überhaupt möglich ist - noch zauberhafter erscheinen. Sein Anblick erinnert mich an meine kurze, amüsante Begegnung mit einem örtlichen Heißluftballon-Klub.

Der Chianti-Heißluftballon-Klub

In meinen frühen Tagen als Reiseführer war ich einmal einem außergewöhnlichen Schweizer Herrn behilflich, der ein in den Hügeln verstecktes steinernes Bauernhaus besaß, das er geduldig mit eigenen Händen renovierte. Ich beneidete die großartige Lage und wäre glücklich gewesen, Stunden auf der Terrasse zu verbringen und mich am Ausblick sowohl auf die toskanische Landschaft als auch auf die Türme von Siena zu erfreuen, die sich prachtvoll in den Himmel erhoben.
Unsere erste Begegnung fand im Rahmen eines Interviews für eine Lokalzeitschrift statt, für die er oft schrieb. Durch eine Broschüre hatte Friedrich von meinen »Rooster-Tours« erfahren und wollte einen Artikel darüber bringen. Er schien angetan zu sein von den Diensten, die ich anbot: kleine Besuchergruppen in einem Allradwagen abseits der ausgetretenen Touristenpfade durch das Chianti-Gebiet zu führen.
Wir vereinbarten ein Treffen in einer heruntergekommenen Bar in Siena. Dort fand ich mich einem schlaksigen jungen Mann gegenüber, dessen riesiger Cowboyhut seine Glatze verbarg, ein - wie ich später herausfand - perfektes, glattes Oval. Dafür widmete sich Friedrich offenbar intensiv dem Wuchs und der Pflege seines beeindruckenden Schnauzbarts. Er trug eine Jeansjacke und Jeans, die er in schwere, braune Stiefel gesteckt hatte. Mein erster Gedanke war: Der Rote Baron ist wiederauferstanden!
Kurioserweise fand ich Monate später heraus, dass er tatsächlich ein Baron war, obwohl er es vorzog, diese Tatsache unter den Tisch zu kehren - ganz anders als so viele feine Pinkel, die mit ihrer Blaublütigkeit prahlen.
Als wir uns gegen Ende des Interviews entspannten, wandte sich unser Gespräch anderen Themen zu. Friedrich erzählte mir, dass seine Leidenschaft dem Fliegen galt (na also, dachte ich mir und versuchte vergeblich, ein Grinsen zu unterdrücken, er ist tatsächlich der Rote Baron!); er habe vor Kurzem den Heißluftballon-Schein gemacht, was ihn dazu inspiriert habe, den »Chianti-Heißluftballon-Klub« zu gründen und Flüge über die nahe gelegenen Hügel für Touristen anzubieten. Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass sich die Frage, ob ich mit einsteigen wollte, quasi automatisch stellte.
Zu der Zeit lief es mit meinen Rooster-Tours noch nicht besonders gut, und ich hätte sogar zugesagt, wenn man mir einen Job als Ausmister in einem Hühnerstall angeboten hätte. Umso begeisterter stimmte ich zu. Friedrich nahm mich mit, um mir seinen prächtigen rot-gelb gestreiften Ballon zu zeigen, den er in einem alten Schuppen auf seinem Grundstück aufbewahrte.
Friedrichs Wiese war groß genug, um dort den Ballon für den Start vorzubereiten, und eignete sich somit auch hervorragend als Abflugort. Er erklärte mir, dass Heißluftballons allein mit der Windrichtung flögen und der Pilot lediglich dazu da sei, die Flughöhe zu regulieren, weshalb er eine Bodencrew benötige, die ihn bei seinen Flügen begleitete und ihn nebst Ausrüstung und Passagieren nach der Landung aufsammelte und zum Ausgangsort zurückbrachte. Außerdem war die Bodencrew - ich, wie ich rasch feststellte - dafür zuständig, am voraussichtlichen Landeplatz das Seil bereitzuhalten, mit dem der Ballon am Boden verankert werden sollte. Während des Fluges, fuhr Friedrich fort, würde er mir regelmäßig über Walkie-Talkie seine Flugposition durchgeben. Ich sollte seinen Landrover, einen Neunsitzer, nehmen, den er mit einem Anhänger ausgestattet hatte, der groß genug war für Korb und Gasbrenner. Ein paar Minuten später besiegelten wir per Handschlag unsere Partnerschaft und den Beginn einer Freundschaft.
Die nächsten Wochen verbrachten wir damit, Werbebroschüren in den verschiedenen Hotels der Gegend zu verteilen. Nach gerade mal zehn Tagen rief mich Friedrich mit aufgeregter Stimme an, um mir mitzuteilen, dass ein deutsches Paar einen Flug als Geburtstagsgeschenk für einen gewissen Günther gebucht habe, ob es am Mittwoch passe?
»Na klar«, erklärte ich mich einverstanden. »Wer ist Günther?«
»Keine Ahnung«, sagte Friedrich. »Aber das Wichtigste ist doch, dass wir die Buchung für den ersten Flug haben!«
Am vereinbarten Tag wachte ich bei Anbruch der Morgendämmerung auf - Friedrich wollte die Thermik der kräftigen Morgenwinde nutzen. Die Sterne standen noch am kristallklaren Himmel, der Wind wehte mäßig und beständig, und es war nicht eine einzige Wolke am Horizont zu erkennen. Ein perfekter Sommermorgen, dachte ich und gab Cristina, um sie nicht zu wecken, einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn.
Es war kühl und die Fahrt angenehm, die Straße leer, und als ich Friedrichs Ballonwiese erreichte, kam die Sonne hinter dem Pratomagno hervor und überzog die Täler mit einem märchenhaften goldenen Glanz. Meine Dankbarkeit für einen derart schönen Anblick war von...

Auszug aus Ein Tag in der Toskana von Dario Castagno, Kristina Lake-Zapp. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

4 Uhr 8

Vielleicht liegt es am Jetlag, vielleicht ist es auch schlicht die Aufregung darüber, zu meinen geliebten Chianti-Hügeln zurückgekehrt zu sein, die mich an diesem Morgen so früh aufwachen lässt. Ich schlafe immer bei geöffneten Fensterläden, weil ich es liebe, von den ersten Sonnenstrahlen geweckt zu werden, aber jetzt herrscht noch undurchdringliche Dunkelheit. Noch immer klingt mir das monotone Dröhnen der Boeing 777 in den Ohren. Ich strecke meinen Arm zu der leeren Seite neben mir aus; mehr als ein Jahr ist seitdem vergangen, aber ich habe mich noch immer nicht daran gewöhnt, das Bett für mich allein zu haben. Ich blicke auf das Foto von Cristina auf dem Nachttisch, das mir so lebhaft im Gedächtnis ist. Dieses Bild mag ich besonders: Sie kniet darauf, um meinen letzten Hund Dick Rogers zu umarmen, und strahlt dabei liebevoll übers ganze Gesicht. Ich verstehe nicht, warum sie gegangen ist. Noch immer lasse ich meinen Schlüssel in der Haustür stecken für den Fall, dass sie zurückkommt. Wie sehr ich sie vermisse ...
Eine Stunde vergeht in schläfrigem Grübeln. Tastend schickt die Sonne ihre ersten Strahlen über den Himmel wie ein Schwimmer, der prüfend seinen Zeh ins Wasser streckt, doch schon bald wird sie hinter den Hügeln aufgehen und alles in ein majestätisches Rot tauchen. Als der Himmel heller wird und die Sterne langsam verblassen, fällt mein Blick auf den hellblauen Samsonite-Koffer, den ich monatelang auf unzähligen Flughäfen hinter mir hergezogen habe: Er wartet noch immer darauf, ausgepackt zu werden. Ich spüre seinen unausgesprochenen Tadel und krieche aus dem Bett. Dann mache ich mich auf den Weg die granitenen Treppenstufen hinunter, um mir eine große Tasse caffè d'orzo zuzubereiten, die ich mit einem Teelöffel Honig süße. Anschließend toaste ich eine Scheibe toskanisches Brot, beträufle sie mit köstlichem olio extra vergine di oliva - kaltgepresstem Olivenöl -, füge eine Prise Salz hinzu und reibe eine frische Tomate über die knusprige Oberfläche. Ich fühle mich wie im Himmel. Zum ersten Mal seit vielen Wochen sitze ich auf meiner Terrasse, die Füße auf die Steinmauer gelegt, und genieße das Schauspiel, das sich mir bietet. Die Sonne ergreift langsam Besitz von der Landschaft, überzieht Burgen und Landhäuser, die über Hügel und Täler verstreut liegen, mit ihren glühenden Strahlen.
Mein Dorf, Vagliagli, schläft noch. Die einzigen Geräusche sind das dumpfe Gebell einer Meute Jagdhunde in ihren Zwingern, die begierig darauf warten, hinausgelassen zu werden und die Spur eines Wildschweins aufzunehmen, sowie der unverwechselbare Ruf eines Kuckucks, der im Tal widerhallt. Die Kirchenglocke schlägt sechs. Ihr steinerner Turm gleißt in der Sonne.
Schon jetzt ist es außergewöhnlich warm. Als ich die dampfende Tasse an die Lippen hebe, bemerke ich in der Ferne einen Heißluftballon, der über die Eichen gleitet. In der ehrfürchtigen Stille dieses frühen Morgens im Chianti lässt er die Stimmung - soweit das überhaupt möglich ist - noch zauberhafter erscheinen. Sein Anblick erinnert mich an meine kurze, amüsante Begegnung mit einem örtlichen Heißluftballon-Klub.

Der Chianti-Heißluftballon-Klub

In meinen frühen Tagen als Reiseführer war ich einmal einem außergewöhnlichen Schweizer Herrn behilflich, der ein in den Hügeln verstecktes steinernes Bauernhaus besaß, das er geduldig mit eigenen Händen renovierte. Ich beneidete die großartige Lage und wäre glücklich gewesen, Stunden auf der Terrasse zu verbringen und mich am Ausblick sowohl auf die toskanische Landschaft als auch auf die Türme von Siena zu erfreuen, die sich prachtvoll in den Himmel erhoben.
Unsere erste Begegnung fand im Rahmen eines Interviews für eine Lokalzeitschrift statt, für die er oft schrieb. Durch eine Broschüre hatte Friedrich von meinen »Rooster-Tours« erfahren und wollte einen Artikel darüber bringen. Er schien angetan zu sein von den Diensten, die ich anbot: kleine Besuchergruppen in einem Allradwagen abseits der ausgetretenen Touristenpfade durch das Chianti-Gebiet zu führen.
Wir vereinbarten ein Treffen in einer heruntergekommenen Bar in Siena. Dort fand ich mich einem schlaksigen jungen Mann gegenüber, dessen riesiger Cowboyhut seine Glatze verbarg, ein - wie ich später herausfand - perfektes, glattes Oval. Dafür widmete sich Friedrich offenbar intensiv dem Wuchs und der Pflege seines beeindruckenden Schnauzbarts. Er trug eine Jeansjacke und Jeans, die er in schwere, braune Stiefel gesteckt hatte. Mein erster Gedanke war: Der Rote Baron ist wiederauferstanden!
Kurioserweise fand ich Monate später heraus, dass er tatsächlich ein Baron war, obwohl er es vorzog, diese Tatsache unter den Tisch zu kehren - ganz anders als so viele feine Pinkel, die mit ihrer Blaublütigkeit prahlen.
Als wir uns gegen Ende des Interviews entspannten, wandte sich unser Gespräch anderen Themen zu. Friedrich erzählte mir, dass seine Leidenschaft dem Fliegen galt (na also, dachte ich mir und versuchte vergeblich, ein Grinsen zu unterdrücken, er ist tatsächlich der Rote Baron!); er habe vor Kurzem den Heißluftballon-Schein gemacht, was ihn dazu inspiriert habe, den »Chianti-Heißluftballon-Klub« zu gründen und Flüge über die nahe gelegenen Hügel für Touristen anzubieten. Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass sich die Frage, ob ich mit einsteigen wollte, quasi automatisch stellte.
Zu der Zeit lief es mit meinen Rooster-Tours noch nicht besonders gut, und ich hätte sogar zugesagt, wenn man mir einen Job als Ausmister in einem Hühnerstall angeboten hätte. Umso begeisterter stimmte ich zu. Friedrich nahm mich mit, um mir seinen prächtigen rot-gelb gestreiften Ballon zu zeigen, den er in einem alten Schuppen auf seinem Grundstück aufbewahrte.
Friedrichs Wiese war groß genug, um dort den Ballon für den Start vorzubereiten, und eignete sich somit auch hervorragend als Abflugort. Er erklärte mir, dass Heißluftballons allein mit der Windrichtung flögen und der Pilot lediglich dazu da sei, die Flughöhe zu regulieren, weshalb er eine Bodencrew benötige, die ihn bei seinen Flügen begleitete und ihn nebst Ausrüstung und Passagieren nach der Landung aufsammelte und zum Ausgangsort zurückbrachte. Außerdem war die Bodencrew - ich, wie ich rasch feststellte - dafür zuständig, am voraussichtlichen Landeplatz das Seil bereitzuhalten, mit dem der Ballon am Boden verankert werden sollte. Während des Fluges, fuhr Friedrich fort, würde er mir regelmäßig über Walkie-Talkie seine Flugposition durchgeben. Ich sollte seinen Landrover, einen Neunsitzer, nehmen, den er mit einem Anhänger ausgestattet hatte, der groß genug war für Korb und Gasbrenner. Ein paar Minuten später besiegelten wir per Handschlag unsere Partnerschaft und den Beginn einer Freundschaft.
Die nächsten Wochen verbrachten wir damit, Werbebroschüren in den verschiedenen Hotels der Gegend zu verteilen. Nach gerade mal zehn Tagen rief mich Friedrich mit aufgeregter Stimme an, um mir mitzuteilen, dass ein deutsches Paar einen Flug als Geburtstagsgeschenk für einen gewissen Günther gebucht habe, ob es am Mittwoch passe?
»Na klar«, erklärte ich mich einverstanden. »Wer ist Günther?«
»Keine Ahnung«, sagte Friedrich. »Aber das Wichtigste ist doch, dass wir die Buchung für den ersten Flug haben!«
Am vereinbarten Tag wachte ich bei Anbruch der Morgendämmerung auf - Friedrich wollte die Thermik der kräftigen Morgenwinde nutzen. Die Sterne standen noch am kristallklaren Himmel, der Wind wehte mäßig und beständig, und es war nicht eine einzige Wolke am Horizont zu erkennen. Ein perfekter Sommermorgen, dachte ich und gab Cristina, um sie nicht zu wecken, einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn.
Es war kühl und die Fahrt angenehm, die Straße leer, und als ich Friedrichs Ballonwiese erreichte, kam die Sonne hinter dem Pratomagno hervor und überzog die Täler mit einem märchenhaften goldenen Glanz. Meine Dankbarkeit für einen derart schönen Anblick war von kurzer Dauer: Ein großes Stachelschwein mit aufgestellten Stacheln (wie Stachelschweine es bei drohender Gefahr eben machen) stürzte vor mir über die Straße. Mit knapper Mühe gelang es mir, ihm auszuweichen, ohne im Graben zu landen. Ob das ein gutes oder schlechtes Omen war, weiß ich nicht, aber ich war jung genug, um mir darüber keine großen Gedanken zu machen.
Wenige Augenblicke später erreichte ich Friedrichs Haus, parkte neben dem Schuppen und lief über die Wiese.
Friedrich war bereits mit einigen Helfern damit beschäftigt, die gewaltige Hülle mit Butangas zu füllen. Nach etwa zwanzig Minuten war der Ballon voll und ragte hoch über unseren Köpfen auf, die Halteleinen straff gespannt. Ich ging auf Friedrich zu und grüßte ihn. Mein neuer Freund schien - verständlicherweise - nervös zu sein. Zu dieser besonderen Gelegenheit hatte er sich in ein elegantes, weißes Pilotenhemd mit Fliegerabzeichen am Kragen geworfen.
»Noch keine Kunden in Sicht, Dario«, sagte er und blickte wohl zum fünfzigsten Mal, seit ich ihn begrüßt hatte, auf die Uhr.
Genau in diesem Moment bog ein schwarzer Mercedes durch das offene Tor und rollte in einer Staubwolke die gekieste Auffahrt entlang. Als er näher kam, erkannten wir das deutsche Nummernschild. Unsere ersten Kunden im Chianti-Heißluftballon-Klub waren da.
Ein attraktives älteres Paar stieg aus. Auf den ersten Blick schätzte ich die beiden auf etwa Ende sechzig. Sie war von Kopf bis Fuß in ein elegantes, teures Ensemble gehüllt, vielleicht Prada, und trug eine Sonnenbrille mit weißem Rand, die sie höflich absetzte, als sie uns die Hand gab. Dazu passend hatte er sich für ein Segeljackett und eine Seemannsmütze entschieden. Einen Moment lang wunderte ich mich über diese seltsame Kleiderwahl, waren wir doch vom Meer ein ganzes Stück entfernt, dann aber wurde mir klar, dass er ja gleich tatsächlich in gewisser Weise segeln gehen würde.
Herr und Frau Müller erzählten uns, Günther habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, weil er seine Geburtstagsüberraschung kaum erwarten könne. Friedrich und ich blickten uns an, um herauszufinden, wer von uns die offensichtliche Frage stellen sollte, aber schließlich war ich ja nur ein Crewmitglied. Also räusperte sich Friedrich und sagte: »Nun, das ist ja schön. Aber ... wo ist denn das Geburtstagskind?«
Die Müllers antworteten gleichzeitig: »Günther ist im Auto. Wir gehen ihn holen.« Und mit deutscher Präzision machten sie auf dem Absatz kehrt und öffneten die Fondtür. Zu unserem Erstaunen sprang ein gewaltiger Dobermann von seltener Schönheit heraus und wackelte freudig mit dem Schwanz.
»Das ist Günther III.«, teilte uns Herr Müller mit, während das Ungetüm höflich Sitz machte und uns eine Pfote reichte, die wir pflichtbewusst schüttelten.
»Bist du bereit, Günther, mein Junge?«, fragte Frau Müller und streichelte seinen Kopf. Günther sah mit aus der Schnauze hängender Zunge liebevoll zu ihr auf.
Für einen Moment waren wir fassungslos; schließlich hatten wir keinerlei Erfahrung darin, unsere Kunden zur Abflugstelle zu begleiten, und unser jungfräuliches Bemühen wurde dadurch erschwert, dass unser erster Kunde einer unerwarteten Spezies angehörte. Die Müllers dagegen schienen unsere Verwirrung nicht zu bemerken. Nicht ein einziges Mal gaben sie auch nur den kleinsten Hinweis darauf, dass sie sich des Ungewöhnlichen der Situation bewusst waren.
Als wir die Gruppe zum Ballon führten, zerrte Günther aufgeregt an der Leine, so dass wir sein breites, schwarzes Halsband sehen konnten, das mit Diamanten besetzt zu sein schien. Wahrscheinlich waren es falsche, doch wenn man bedachte, wie sehr die Müllers den Hund verhätschelten, waren sie vielleicht sogar echt.
Je näher wir dem Ballon kamen, der im leichten Morgenwind schaukelte, desto ungeduldiger wurde der Dobermann.
»Wann sollen wir Günther wieder abholen, Herr Friedrich?«, fragte Frau Müller.
Friedrich wäre beinahe gestolpert, so überrascht war er. »Sie - Sie kommen nicht mit?«
»O nein, es ist Günthers Geburtstagsvergnügen, nicht unseres. Wir gehen ein wenig schwimmen und sind zu der Zeit wieder hier, die Sie vorschlagen.«
Irgendwie riss sich Friedrich am Riemen und erklärte, dass der Flug voraussichtlich drei Stunden dauern werde, die Fahrt zurück zur Abflugstelle weniger als dreißig Minuten.
Die Müllers blickten auf die Uhr, brachten mit uns einen Trinkspruch auf das Unternehmen aus, und Friedrich öffnete eine Flasche Champagner.
Nachdem sie ihrem Vierbeiner letzte Anweisungen erteilt (»Du musst gaaanz brav sein, Günther«) und ihn mit einer ganzen Reihe deutscher Koseworte überschüttet hatten, machten sich die beiden auf den Weg. Als ihr Wagen davonbrauste, blieben Friedrich und ich mit Günther zu unseren Füßen zurück, der uns erwartungsvoll anstarrte, wie um zu sagen: Wann geht's denn los?
Wir schwiegen einen Moment; ich hatte keine Ahnung, was durch Friedrichs Kopf ging. Doch dann krempelte er zu meiner Überraschung die Ärmel hoch und bellte seinen Helfern geschäftsmäßige Anweisungen zu. »Dario, schnapp dir den Hund und heb ihn in den Korb«, wandte er sich schließlich an mich. »Lass uns dieses Schauspiel über die Bühne bringen.«

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