Erlebt hat der Autor zweifellos viel in seiner Karriere als Reiseleiter und frischgebackener Schriftsteller. Doch genau an diesem sehr erfolgreichen Erstling scheint es zu liegen, dass das zweite Buch unter viel Druck entstanden ist, der seiner literarischen Qualität nicht immer unbedingt guttut. Castagno liefert ein buntes Potpourri aus Begegnungen an seinem ersten Tag nach der USA-Lesereise, die ihm eben jenes Debut einbrachte, und Erinnerungen an seine Kindheit sowie Erzählungen seiner Nachbarn. Diese Geschichten sind alles andere als homogen: neben Selbstreflexivität und zärtlicher Annäherung an die geliebte Toskana stehen manchmal fast zu dick aufgetragene Selbstdarstellung und Episoden mit eher plumpen Slapstickcharakter. Dabei beherrscht der Autor beides, die leisen, sanften, in die Tiefe gehenden Töne ebenso wie die vom schnellen Wortwitz und der Ironie lebenden Porträts seiner urkomischen Zeitgenossen. Allein, die Mischung wirkt ein wenig weinseelig und unausgegoren - ein wenig mehr Lagerung im Fass hätte das Talent Castagnos durchaus zu etwas mehr Reife führen können. Dann könnte es ein großer Jahrgang werden...