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Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
 
 
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Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch [Taschenbuch]

Alexander Solschenizyn
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
OT Odin den Iwana Denissowitscha OA 1962 DE 1963Form Kurzroman Epoche Moderne
Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch von Alexander Solschenizyn zählte zu den größten literarischen Ereignissen der Tauwetter-Periode in den UdSSR. Erstmals wagte ein sowjetischer Autor das Tabuthema des stalinistischen Lagersystems unverblümt darzustellen.
Inhalt: Im Mittelpunkt der Handlung steht der Häftling Nr. S 854 – Iwan Denissowitsch Schuchow, ein Zimmermann, der nach einer absurden Anklage wegen Hochverrats zu zehn Jahren Lager verurteilt wurde, von denen er acht bereits abgesessen hat. Das Geschehen beschränkt sich auf einen einzigen Tag im Januar 1951, dessen monotoner Verlauf stellvertretend für die 3653 Tage steht, die Schuchow insgesamt abzusitzen hat. Der Tagesablauf ist von der Lagerverwaltung streng vorgegeben: Wecken, Essen fassen, morgendlicher Zählappell, Filzen auf verbotene Gegenstände, harte körperliche Arbeit in der »Brigade Nr. 105«, die auf die Baustelle eines Kraftwerks abkommandiert ist, Mittagessen, wieder Arbeit, usw. Diesen Ablauf kennt Schuchow mittlerweile in- und auswendig; er hinterfragt weder die Rituale der Lagerbürokratie noch die Willkür der Bewacher. Schuchow lebt ausschließlich in der Gegenwart, sein Handeln und Denken ist darauf abgestellt, listig und klug sein Überleben zu sichern und innerhalb der Tagesroutine kleine Vorteile für sich herauszuschlagen: etwa für einen Tag ins Krankenrevier eingewiesen zu werden, wo man sich einmal richtig ausruhen kann, oder ein Paar echte Lederstiefel zugeteilt zu bekommen. Insbesondere das Essen besitzt für den ständig hungrigen Häftling eine geradezu obsessive Bedeutung. Über die Welt außerhalb des Lagers erfährt Schuchow so gut wie nichts, und das Wenige, was er in den ein, zwei Briefen erfährt, die ihm seine Frau pro Jahr schreibt, interessiert ihn nicht mehr. Nur indem Schuchow seine sinnlose, entmenschlichte Existenz als Normalzustand akzeptiert, kann er die Kraft zum Überleben finden. Am deutlichsten wird dies in seiner Einstellung zur Arbeit. Die Mitglieder der Brigade kontrollieren sich gegenseitig, da bei schlechter Leistung eines Einzelnen alle bestraft werden, doch nicht nur deshalb packt Schuchow fleißig an. Er ist in positivem Sinne naiv, ein arbeitsamer, bodenständiger Mensch, der es nicht ertragen kann, Dinge halb oder schlecht zu erledigen. Indem er sich mit der Wand, die er mauert, als seinem Werk identifiziert, verleiht er der Zwangsarbeit und seiner ausweglosen Lage einen Sinn, den sie objektiv gesehen nicht haben.
Wirkung: Der Roman löste bei seinem Erscheinen in der Zeitschrift Novy Mir eine lebhafte Diskussion aus. Der sowjetische KPdSU- und Ministerratsvorsitzende Nikita Chruschtschow (1894 bis 1971) begrüßte das Werk als einen Beitrag zur Entstalinisierung. Als die Spielräume für kritische Literatur ab 1964 wieder enger wurden, kam das Buch auf den Index. Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch zählt bis heute zu den erschütterndsten literarischen Zeugnissen über die stalinistische Diktatur. B. F.

hoerothek.de

"Ein eindrucksvoller Roman, von Hans Korte eindringlich und kraftvoll gelesen." -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Kurzbeschreibung

Nikita Chruschtschow mahnte eindringlich auf dem 22. Parteitag der KPdSU: "Es ist unsere Pflicht, derartige Angelegenheiten, die mit dem Mißbrauch der Macht zusammenhängen, sorgfältig und allseitig zu klären. Solange wir arbeiten, können und müssen wir vieles klarstellen und der Partei und dem Volk die Wahrheit sagen..." Mit dieser Erklärung setzte er sich für ein literarisches Werk ein, das nach Erscheinen sofort Weltruhm erlangte: "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch". Es bringt keine sensationellen Enthüllungen, sondern die nüchterne, mikroskopisch genaue Untersuchung des Lagerlebens in Sibirien, so wie es von den Opfern der stalinistischen Periode erlebt wurde.

Über den Autor

Alexander Solschenizyn, geb. 1918 in Kislowodsk, erhielt 1970 den Nobelpreis für Literatur. 1974 wurde er aus der Sowjetunion ausgewiesen. Er lebte zunächst in Zürich und seit 1976 in den USA. 1994 kehrte Solschenizyn nach Russland zurück. 2008 verstarb Alexander Solschenizyn.

Auszug

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch

Das Signal zum Wecken wurde, wie immer, um fünf Uhr morgens gegeben - durch einen Hammerschlag auf ein Stück Eisenbahnschiene, die bei der Kommandanturbaracke hing. Der glockenartig an- und abschwellende Ton drang nur schwach durch die mehr als zolldick vereisten Fensterscheiben und verebbte dann schnell. Es war kalt, und dem Wachtposten war nicht nach weiterem Hämmern zumute.

Der Klang verhallte. Draußen war es stockfinster, wie mitten in der Nacht, wenn Schuchow aufstand, um auf den Latrinenkübel im Windfang zu gehen; nur der gelbe Schein von drei Lampen fiel auf das Fenster - zwei im Außengelände und eine innerhalb des Lagers. Aus irgendeinem Grund war niemand gekommen, die Baracke aufzuschließen. Und es war noch nichts davon zu hören, daß der Barackendienst mit den Stangen kam, um die Latrinenkübel hinauszutragen.

Schuchow verschlief das Wecken nie, sondern stand immer sofort auf. So hatte er bis zum Morgenappell ungefähr anderthalb Stunden für sich - eine Zeit, in der jeder, der sich im Lager auskennt, ein bißchen was nebenbei organisieren kann. Da näht man einem aus einem Fetzen alten Stoff einen Flicken auf den Fausthandschuh; da bringt man einem wohlhabenden Brigadier seine trockenen Filzstiefel, während er noch in der Klappe liegt, und spart ihm so die Mühe, barfuß seine Stiefel selbst aus dem Haufen heraussuchen zu müssen; man Iäuft rasch einmal zu den verschiedenen Magazinen hinüber, wo man sich vielleicht bei dem einen oder anderen beliebt machen kann, ausfegen oder etwas heranholen; man kann in der Eßbaracke die Schüsseln von den Tischen räumen und sie stoßweise zu den Geschirrwäschern bringen, eine Möglichkeit, zu etwas Essen zu kommen. Aber da trieben sich schon viel zu viele andere rum, die den gleichen Einfall gehabt hatten. Und das schlimmste daran ist, daß man jede Schüssel, in der sich noch ein kümmerlicher Rest Essen findet, gleich ausleckt. Man kann einfach nicht anders.

Schuchow erinnerte sich deutlich an die Worte seines ersten Brigadiers Kusjomin - eines alten, abgebrühten Lagerhasen, der 1943 schon zwölf Jahre runtergerissen hatte. ... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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