Tilman Röhrig gestaltet mit seinem neuen Roman einen weiteren wichtigen Knotenpunkt der Geschichte: Europa zur Zeit der Völkerwanderung.
Dabei ist ihm ein wunderbares Buch gelungen, das gründlich recherchiert die Zeitgeschichte aufgreift, das Leben der Herrscher, die diese Zeit prägten, beschreibt und das die große Geschichte im Kontext des Lebens der kleinen Leute unvergesslich spiegelt. Als Kenner der hunnischen Geschichte sieht man, dass der Autor gründlich ihre Quellen studiert hat:
Mag sich auch der ein oder andere über ein römisches Marmorbad mitten im Königsordu wundern, so kann man nur auf Priskos verweisen, der als Begleiter einer oströmischen Gesandtschaft von Maximus zu Attila dort diesen unglaublichen "Traum aus Marmor" in seinem Bericht, 450 veröffentlicht, notiert hat. Selbst Schimpfwörter, wie "Hundsfott", mögen sie auch heute noch üblich sein, hat der Autor etymologisch ausgegraben.
So gefällt mir auch besonders, dass Tilman Röhrig keine weitere Goldschicht auf die "Großen" der Geschichte legt, nicht ihren "Heiligenschein" poliert, sondern dass er Schicht für Schicht abgetragen hat, in ihre "Aura" eintritt, ihr "Charisma" auflöst und das Menschliche , beziehungsweise "Allzu-Menschliche", beschreibt:
So werden große Männer -auch privat- machmal ganz klein und umgekehrt, manchmal kann man sich bei der "Entmachtung" sogar königlich amüsieren.
Insgesamt ein hervorragendes Buch, das wunderbar lebendige Geschichte gestaltet und uns, Welt vergessend, in eine andere Zeit entführt.