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Ein Spiel, das die Götter sich leisten
 
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Ein Spiel, das die Götter sich leisten [Gebundene Ausgabe]

Selim Özdogan
2.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2002
"Verrückt, aber sehr lustig" lässt der Autor Selim Özdogan einmal den Kellner über den Koch sagen und das trifft, so scheint es, auf das ganze Buch zu, denn der genießende Rezensent Stefan Weidner demonstriert reichlich Situationskomik. Zwei Deutsche fremder Herkunft, der Rapper Mesut und die Wahrsagerin Oriana, reisen spontan gemeinsam in die Türkei, wo sie in einem Strand- und Hotelurlaub mit gutem Sex, gutem Essen und dem Erzählen von Mythen und Märchen ihrer Vergangenheit nachspüren. Solche Momente, in denen Leben einfach schön ist, finden in Özdogan Geschichte ihre "literarische Entsprechung", das ist das "kleine Wunder, ein kleiner Rausch, Spiel der Götter", schwärmt Weidner. Spannung gewinne der Roman zudem durch die verheißungsvolle Suche nach Oktay, dem Cousin von Mesut und Freund aus Kindertagen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Freizügig, raffiniert und erregend: Der neue Roman von Selim Özdogan wurde mit dem italienischen Krimi-Preis "Premio Scerbanenco" ausgezeichnet. "Das Glück mußte kommen mit einem Wind, der alles wegbläst. Essen, schlafen, Sex, mehr brauchte es nicht." - Oriana und Mesut, Mesut und Oriana - wie einen Zauberspruch, eine Beschwörung ihres Begehrens murmeln sie ihre Namen vor sich hin. Vor zwei Wochen hatte Mesut Oriana kennengelernt: Sie saß mit einer Büchse Cola da und lächelte ihn an, zwischen ihren Schneidezähnen war eine schelmische Lücke, und er hatte sofort gewußt, daß er die am liebsten jeden Tag sehen wollte. Noch sind sie einander so fremd und geheimnisvoll wie die hitzeflirrenden Orte, durch die sie hier im Süden streifen, und alles ist gleich aufregend: hastige Gier oder zärtliche Erregung, Düfte und Blicke, Phantasien und vor allem ihre Geschichten. Nicht nur Oriana, die seit jeher fasziniert war von alten Mythen, ist eine begnadete Erzählerin. Auch Mesut spielt wie ein orientalischer Erzähler mit Worten, Klängen und Rhythmen. Sie sind nur deshalb hier, weil der Flug billig war. Aber Oriana hatte am ersten Morgen im H otel die Karten gelegt: Er werde jemanden treffen, den er lange nicht mehr gesehen habe und der ihm viel bedeute. Mesut will von solchen Voraussagen nichts wissen - bis er plötzlich erfährt, daß sein Cousin, den er für verschollen hielt, in der Nähe sein muß. So folgen sie seinen Spuren: Die unbeschwerte Reise hat ein Ziel bekommen und führt die beiden immer weiter in ihre eigene Geschichte hinein.

Über den Autor

Selim Özdogan,geboren 1971 in Köln, studierte kurzzeitig Völkerkunde, Anglistik und Philosophie. Zahlreiche Jobs, zahlreiche Veröffentlichungen. Selim Özdogan lebt in Köln.

Auszug aus Ein Spiel, das die Götter sich leisten von Selim Özdogan. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Als ich erneut aufwachte, lag Oriana nicht mehr im Bett. Sie saß nackt am Tisch und legte die Karten. Ich sah zu, wie ihr Busen sich bewegte. Sie hatte birnenförmige Brüste, die ein wenig hingen und nach unten hin dicker wurden. Die dunklen Kreise um ihre Brustwarzen waren fast so groß wie mein Handteller und ließen ihre Titten größer wirken. Als ich das zum ersten Mal gesehen hatte, war es sekundenlang zuviel für mich gewesen. Ich war erstarrt, und dann hatte ich mich geschämt für meinen gierigen Blick. Mit halbgeschlossenen Lidern beobachtete ich sie, bis sie fertig war und sich im Stuhl zurücklehnte. Dann sagte ich Guten Morgen, stand auf und stellte mich hinter sie. - Sehr bald wirst du jemanden treffen, den du schon sehr lange nicht mehr gesehen hast und der dir sehr viel bedeutet. Du wirst dich freuen, aber auch ein wenig traurig sein, sagte sie, den Blick weiter auf die Tarotkarten gerichtet. Ich ging neben dem Stuhl in die Hocke und sah sie an. - Kannst du mir einen Gefallen tun? Kannst du damit aufhören? Nur solange wir hier sind? Es beeindruckt mich zu sehr, wie viele von deinen Vorhersagen eintreffen. Ich möchte einfach ein wenig rumreisen, mir die Gegend ansehen, ich will mich frei fühlen. Ich möchte nicht, daß du uns jeden Morgen die Karten legst. Oriana sah zu mir runter, ich entdeckte einen Krümel Schlaf in ihrem Augenwinkel. - Ich weiß nicht, ob ich das will. Ich entgegnete nichts, sah weiter in ihre dunklen Augen. - In Ordnung, sagte sie, wenn dir so viel dran liegt. Zuerst hatte es mich fasziniert. Jedesmal wenn sie mir die Karten legte, war es, als würde sie in meiner Seele Spazierengehen. Sie konnte sagen, wie ich mich fühlte und was mich beschäftigte, ob ich eine Entscheidung zu treffen hatte oder ob ich verletzt worden war. Und weil sie das alles so gut zu wissen schien, schenkte ich auch ihren Prophezeiungen Glauben und fühlte mich unbehaglich und eingeengt dadurch. - Ich kann dich nicht durchschauen oder verstehen oder deine Geheimnisse erfühlen, hatte sie versucht mir zu erklären. Die Karten sagen vielleicht, daß dich etwas bedrückt, aber sie sagen nicht, was es ist, worum es geht. Ich bekomme wahrscheinlich mehr zu sehen als andere, aber es ist nicht viel. Bei meinem Verlobten haben die Karten gesagt, daß er besitzergreifend ist, aber ich wußte nicht, in welchem Maße und wie sich das äußert. Kennst du die Geschichte von dem gelben Buch der Weissagungen? Darin stand alles geschrieben, es gehörte einem König, der mit Hilfe des Buches alle Verbrechen aufklären konnte. Der König hatte eine Tochter, die er vor aller Welt versteckt hielt, weil er ahnte, daß ihre außergewöhnliche Schönheit ihr zum Verhängnis werden konnte. Die Dienerinnen der Prinzessin trauten sich nicht, ihren Aufenthaltsort zu verraten, weil das gelbe Buch sie entlarvt hätte. Ein Mann namens Tevne hob eine tiefe Grube aus und lockte eine der Dienerinnen hinein. Über der Grube entfachte er ein Feuer und stellte einen Kessel mit Wasser darauf. Dann nahm er ein Eisenrohr und führte es durch den Kessel, damit er mit der alten Frau unten in der Grube sprechen konnte. Und die Frau verriet ihm, wo die Prinzessin versteckt war. Tevne entführte die Königstochter, ergötzte sich an ihrer Schönheit, und schon bald überkreuzten die beiden die Beine. Der König befragte das gelbe Buch nach dem Verräter, und was sagte das Buch? Daß der Verräter ein Gesäß aus Erde, einen Körper aus Feuer, Lungen aus Wasser und ein eisernes Rohr als Stimme hätte. Da der König sich nicht erklären konnte, wer denn der Verräter gewesen war, verlor er sein Vertrauen in das gelbe Buch und verbrannte es. Verstehst du? Ich hatte genickt, aber jetzt machte ich mir natürlich wieder Gedanken, wer das sein könnte, den ich treffen würde. Es gab nicht viele Menschen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte und die mir viel bedeuteten. Und ich konnte mir nicht vorstellen, einem von ihnen hier zu begegnen.
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