Özdogan kann schreiben, daß die Bilder im Kopf von selbst dazu entstehen. Er schreibt Filme. Und bald hat er alle Genres durch. Während "Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist" noch eine melodramatische Halbkomödie über Freundschaft, Liebe und das Leben war, kamen die gleichen Themen in "Nirgendwo und Hormone" als Roadmovie verpackt. "Im Juli" wurde auch verfilmt, sehenswert, aber eigentlich ist es unnötig, Özdogans Büchern feste Bilder zu geben.
"Ein Spiel, das die Götter sich leisten" ist wieder eine Reise, erzählt vom Unterwegssein, vom Kennenlernen, von der Suche nach Glück, aber das scheinen nur die Sequenzen zu sein, die dem ganzen eine Handlung geben. Dieses Buch ist ein Pornofilm. Wenn auch die Szenen in ihrer Häufigkeit irgendwann nicht mehr berühren, die Sprache tut es. Und die Zwischentöne, die mitschwingen, der leise Zweifel, der einer beginnenden Beziehung innewohnt, Stimmungen, Gefühle. Käme ich aus dem Kino, ich würde sagen: "Die "Handlung" war etwas erzwungen, aber die Bilder sind großartig." Oskar für die beste Kamera. Fürs Lebenswerk.