Der kanadische Journalist Courtemanche hat einen Roman über den Genozid in Ruanda geschrieben. Ein anspruchsvolles und schweres Thema; Courtemanche war zudem selbst Zeuge des grauenhaften Geschehens und hat viele seiner Freunde und Bekannten in dem Abschlachten verloren. Das gibt seinem Buch eine Authentizität und persönliche Betroffenheit, bei der man mit Kritik sicherlich sensibel umgehen sollte.
Aber äußern muß man sie leider, denn das Buch ist ganz sicher alles andere als Weltliteratur, wie andere Leser meinten, es ist im Gegenteil ausnehmend schlecht. Die Figuren sind Abziehbilder, billige Klischees ohne jedes Eigenleben. Wenn sie sprechen, heben sie zu gestelzten Deklamationen an, über ihre Liebe zueinander, AIDS, die Art ihres bevorzugten Todes oder das Schicksal Ruandas. Zwischendrin - und das ist alle paar Seiten - geben sie sich wüsten Ausschweifungen hin, über die sie anschließend zu erneuten Deklamationen ansetzen. Leider ist der Zweck dieser Passagen für Plot, Kennzeichnung der Figuren etc. nur selten erkennbar und so gerät Courtemanche, auch wegen der ausführlichen und genauen Beschreibungen sexueller Handlungen und Gedanken, mitunter in Pornographieverdacht. Noch schlimmer: Ähnliches gilt auch für die Gewaltdarstellungen. Courtemanche setzt hier auf Schockeffekte für den Voyeur, Grauen und Schmerz dagegen kann er nicht vermitteln. Genausowenig wie eine überzeugende Psychologie seiner Hauptfiguren, die vorwiegend in einem mit vollkommener Apathie verbundenem Selbstmitleid besteht. Ich bin nicht dabei gewesen, realistischer erscheinen mir dennoch Gefühle wie Sorge, Angst, Verzweiflung, Haß, wahnhaftes Denken usw., alles Dinge, die zumindest im Holocaust zu finden waren.
Ich verstehe, dass der Mann Entsetzliches gesehen und erlebt hat. Aber - bei allem Respekt - , dies qualifiziert ihn noch nicht zum Schriftsteller. Courtemanche kann ganz einfach nicht schreiben. In Zukunft sollte er es lassen.