- Meine Herrn, ich suche mein Messer!
- Wo haben Sie's liegen lassen?
- In irgendeinem Matrosen.
- Was war das für ein Messer?
- Aus Stahl. Schmale Klinge, leicht gebogen. Haben Sie es gesehen?
- Nur mal langsam, ... einen Augenblick bitte ... wie war der Griff?
- Muschel.
- Aus wie vielen Teilen?
- Aus einem Stück.
- Dann gibt's gar kein Problem. Das Messer ist da!
- Wo?
- In meinem Rücken...
Soweit die ersten Dialogfetzen dieser fulminanten Kriminalkomödie, deren Autor
P. Howard (der ungarische Jude Jenö Rejtö) im Budapest der dreißiger Jahren seine unnachahmlich ironischen Geschichten schrieb, die in Ungarn bis heute ungezählte Neuauflagen erlebt hat und deren Helden die unglaublichsten Abenteurer der Literatur sind: Kapitän Fred, der entsetzlich verlotterte, gefürchtete, geheimnisumwitterte alte Seebär, Jimmy Reeperbahn, der immer lächelnde Hafenvagabund mit der harten Faust, und viele andere Originale, die ebenso gut durch Bert Brechts „Dreigroschenoper" oder John Steinbecks „Strasse der Ölsardinen" schlürfen könnten.
Jimmy Reeperbahn lässt sich vom Mann, in dessen Rücken sein Messer steckt, auf den Luxusliner „Honolulu Star" anheuern und begegnet dort einem jungen Prinzen, der in Begleitung seines Vormunds an Bord ist, um in sein Reich zu segeln und den Thron zu besteigen. Während der als Heizer und Kellner doppelt belastete Jimmy den Schiffsarzt bestiehlt, um den Passagieren Opium zu verabreichen, wird der Oheim des Prinzen umgebracht und auf hoher See bestattet, was seine Leiche nicht daran hindert, immer wieder an Bord aufzutauchen. Dem jungen Aristokraten fällt nun nichts Gescheiteres ein, als mit Jimmy die Rollen zu tauschen, um nach der Ankunft in Singapur endlich einmal unerkannt durch die Straßen der kolonialen Weltstadt schlendern zu können - pfeifend, die Hände in den Hosentaschen. Bis er in die Unterwelt entführt und auf einen Opiumdampfer verkauft wird...
Seltsame Gestalten geistern durch den Nebel, der sich über den Nobelkreuzer gesenkt hat: Fred, der Kapitän, reist als blinder Passagier auf der „Honolulu Star" mit. Und der Piratenspross Bob Warins, der dem Prinzen das kleine, tropische Inselreich streitig machen will. Aber auch ein Geisterkapitän, der Jimmy an den Rand des Wahnsinns treibt. Wo soll das hinführen? In die Unterwelt von Singapur zum Beispiel, deren verbrechengeschwängerte Antikatakomben dem Leser in suggestiven und zugleich satirischen Bildern vor Augen geführt wird. Und gibt es ein Happy End zwischen dem Prinzen und „Rotkralle", der schönen und gefährlichen, aber vielleicht gar nicht so eiskalten Tochter des dortigen Verbrecherkönigs?