Wassili Semjonowitsch Grossman's Notizen vom Grossen Vaterländischen Krieg (1941-1945), den er als Korrespondent der sowjetischen Militärzeitschrift "Krasnaja Swesda" (Roter Stern), grössten Teils hautnah an der Front miterlebt hat, beginnen beim Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion. Die mit modernster Waffentechnologie hochgerüstete deutsche Wehrmacht trifft zu Beginn ihrer Offensive "Barbarossa" auf eine schwache, unvorbereitete, ja geradezu paralysierte Rote Armee, die nicht anders kann, als sich langsam ins Landesinnere zurück zu ziehen.
Antony Beevor, der Autor des Buches, der die Artikel und Notizen Wassili Grossmans zusammengetragen hat, versteht es sehr gut, Grossmans Dokumentationen vom Alltag an der Front in den grösseren Kontext der damals herrschenden politischen Situation, wie auch der jeweiligen militärische Lage einzubetten.Es sind erschütternde Bilder von Tod und Zerstörung, von unendlichem Leid und schlimmster Entbehrung, die einem beim Lesen dieses Buches haften bleiben.
Im Winter 1942 bahnt sich schliesslich in Stalingrad die Wende an. Die Rote Armee wirft dort alle verfügbaren Einheiten in den Kampf, um Stalin's Stadt zu verteidigen. Grossman berichtet monatelang minutiös von den Ereignissen in der heftig umkämpften Stadt, in der die Kräfte der ausgezehrten Wehrmacht in einem zermürbenden Häuserkampf allmählich schwinden. Nach der Kapitulation General Paulus' 6. Armee in Stalingrad beginnt der unaufhaltsame Vormarsch der Roten Armee, zunächst mit der opferreichen Rückeroberung des Vaterlandes durch die mittlerweile besser organiserten und ausgerüsteten, kampferprobten und hoch motivierten sowjetischen Infanterie- und Panzertruppen. Immer vorne dabei Wassili Grossman, unermüdlich, mutig, ein konziser Beobachter der Vorgänge im und rund um das Schlachtfeld.
Im Sommer 1944 wird das Vernichtungslager Treblinka in Polen von der Roten Armee befreit, und Grossman, selbst einer assimilierten jüdischen Familie entstammend, wird Zeuge der unermesslichen Gräueltaten, die die "faschistische Bestie" den aus allen Ecken Europas herangekarrten Juden zuteil hat kommen lassen. Der daraus entstandene Artikel wird in Beevors Buch praktisch in voller Länge wiedergegeben, und zählt zu Grossmans eindrücklichsten Werken. Nach diesen erschütternden Erlebnissen erleidet Grossman einen schweren Nervenzusammenbruch und kehrt vorübergehend nach Moskau zurück, bevor er sich im Januar 1945 wieder den sowjetischen Frontverbänden anschliesst, um vom Einmarsch der Roten Armee in Deutschland und schliesslich von der finalen Schlacht um Berlin zu berichten, die gleichsam das Ende des zweiten Weltkrieges darstellt.
Das Buch ist äusserst sorgfältig recherchiert, sauber strukturiert und trotz des geschichtlichen Themas vor allem an einem Punkt brandaktuell: Man bedenke die verabscheungswürdigen Folterungen von "Detainees" durch amerikanische Militaristen in Camps wie Abu Ghraib und Guantanamo...