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Ein Rest von Schuld: Roman
 
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Ein Rest von Schuld: Roman [Kindle Edition]

Ian Rankin , Giovanni Bandini , Ditte Bandini
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Dieser letzte Rebus-Roman ist einer der besten." (The Scotsman, Allan Massie)

"Für Rebus' Abschiedsvorstellung dürfte es keine mitternächtlichen Verkaufsaktionen gegeben haben, keine als übergewichtiger, rauchender schottischer Ermittler verkleideten Leser, die vor Buchhandlungen Schlange standen. Es wäre allerdings angebracht gewesen. Was Rankins Nachbarin J.K. Rowling für das Jugendbuch getan hat – nämlich das Genre neu zu definieren und die Erwartungen zu verändern –, das hat Rankin für den Spannungsroman getan." (The Guardian)

"Rankin verfügt über die einzigartige Gabe, die Leser in seine Welt zu ziehen und sie jeden Schlag, jede Niederlage in Rebus' Leben unmittelbar spüren zu lassen. Diese Gabe zeigte sich selten deutlicher als in 'Ein Rest von Schuld'." (Scotland on Sunday)

Kurzbeschreibung

Time to say Goodbye: der letzte Fall für Detective John Rebus


Die letzte Arbeitswoche von John Rebus vor seiner Pensionierung ist angebrochen, als ein mysteriöser Todesfall noch einmal seinen ganzen Einsatz fordert: Der russische Lyriker und Dissident Alexander Todorow wird erschlagen in einer dunklen Gasse von Edinburgh aufgefunden, und alles deutet auf einen Raubüberfall mit tödlichem Ausgang hin. Doch als Rebus und seine Kollegin Siobhan Clarke erfahren, dass sich im Moment eine Delegation von Russen in der Stadt aufhält, werden sie hellhörig. Es handelt sich um Investoren, die Kontakt zu schottischen Politikern und Unternehmern suchen. Und allen scheint viel daran gelegen, Todorows Tod ohne großes Aufheben zu den Akten zu legen. Rebus lässt sich dadurch aber nicht beirren und geht noch der kleinsten Spur nach, um einen Zusammenhang zwischen Todorow und den russischen Geschäftsleuten zu finden. Da geschieht ein zweiter Mord – und Rebus sieht sich in seinen Ahnungen bestätigt …


Klappentext

»Auf die Frage nach dem Krimi-Event des Jahres werden keine Wetten angenommen. Mit dem Showdown zwischen Rebus und seiner Nemesis Big Ger Cafferty ist dies der passende Abschied für den Detective. Ihm verdankt sich der phänomenale Erfolg dieser Serie, diesem liebenswerten Gauner, der sich nicht zu schade ist, ein paar signierte Exemplare vom letzten Buch eines Mordopfers einzustecken, um sie auf eBay zu versteigern. Das nennt man Klasse.«
Metro

»Bitte sagt, dass das nicht wahr ist: Rebus geht in Ruhestand. [...] Man kann nur hoffen, dass Rankin ihm noch ein paar Zugaben gestattet, wie ja auch Conan Doyle Holmes zurückbrachte und John Harvey seinen Charles Resnick. Aber für's Erste tritt Rebus mit Verve von der Bühne ab.«
Kirkus Reviews (starred review)

»Rebus ist so widerborstig und ausgekocht wie man ihn kennt, und der Roman endet mit einem Cliffhanger, in dem es um seinen Erzfeind geht und der die Leser mit offenem Mund ins Leere starren lässt. Rankins Werk ist Spannungsliteratur wie sie überwältigender und intelligenter nicht sein könnte.«
The New Yorker

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Ian Rankin, geboren 1960, ist Großbritanniens führender Krimiautor, seine Romane sind aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Ian Rankin wurde unter anderem mit dem Gold Dagger für "Das Souvenir des Mörders”, dem Edgar Allan Poe Award für „Tore der Finsternis" und dem Deutschen Krimipreis für „Die Kinder des Todes” ausgezeichnet. „So soll er sterben” und „Im Namen der Toten” erhielten jeweils als bester Spannungsroman des Jahres den renommierten British Book Award. Für seine Verdienste um die Literatur wurde Ian Rankin mit dem "Order of the British Empire" ausgezeichnet.

Mit „Ein Rest von Schuld” hatte Ian Rankin seinen Ermittler John Rebus nach 17 Fällen in den Ruhestand geschickt und ließ Inspector Malcolm Fox die Bühne betreten. Doch in "Mädchengrab" meldet sich Rebus wieder zurück.

Ian Rankin lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Edinburgh.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Erster Tag

Mittwoch, 15. November 2006

Das Mädchen schrie einmal, nur ein Mal, aber das war genug. Als das Paar mittleren Alters das untere Ende der Raeburn Wynd erreichte, kniete sie schon auf dem Boden, die Hände vors Gesicht geschlagen, die Schultern von Schluchzern bebend. Der Mann musterte kurz die Leiche, versuchte dann, seiner Frau eine Hand vor die Augen zu halten, aber sie hatte sich schon abgewendet. Er holte sein Handy heraus und wählte den Notruf. Es dauerte zehn Minuten, bis der Polizeiwagen kam; das Mädchen versuchte währenddessen zu verschwinden, aber der Mann erklärte ihr ruhig, sie müsse warten, und tätschelte ihr mit der Hand beruhigend die Schulter. Seine Frau saß auf dem Bordstein, obwohl es eine kühle Nacht war. November in Edinburgh, noch nicht kalt genug für Frost, aber auf dem besten Weg dahin. Die King's Stables Road war nicht gerade eine Hauptverkehrsstraße. Ein »Keine Einfahrt«-Schild verhinderte, dass die Straße als Abkürzung vom Grassmarket zur Lothian Road genommen wurde. Nachts konnte es da ziemlich einsam sein - lediglich ein Parkhaus auf der einen, Castle Rock und ein Friedhof auf der anderen Seite. Die Straßenlaternen schienen grundsätzlich auf Sparflamme zu brennen, und die Fußgänger passten auf, wo sie hintraten. Das Paar mittleren Alters hatte einen Carol Service in der St. Cuthbert's church besucht, eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der städtischen Kinderkrankenhäuser. Die Frau hatte einen Stechpalmenkranz gekauft, der jetzt, links neben der Leiche, auf dem Boden lag. Ihr Mann konnte sich den Gedanken nicht verkneifen:
Eine Minute früher oder später, und wir hätten vielleicht nichts gehört, säßen jetzt im Auto auf dem Weg nach Haus, den Kranz im Fond und Classic FM im Radio.
»Ich will nach Haus«, jammerte das Mädchen zwischen einzelnen Schluchzern. Sie stand da, die Knie aufgeschürft. Ihr Rock, fand der Mann, war zu kurz und ihre Jeansjacke nicht warm genug. Sie kam ihm irgendwie bekannt vor. Er hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, ihr seinen Mantel zu leihen. Stattdessen erinnerte er sie noch einmal daran, dass sie auf die Polizei warten müsste. Plötzlich färbten sich ihre Gesichter blau. Der Streifenwagen näherte sich mit kreiselnder Kennleuchte.
»Da kommt sie schon«, sagte der Mann und legte ihr den Arm wie zum Trost um die Schultern, um ihn sofort wieder wegzunehmen, als er sah, dass seine Frau ihn beobachtete.
Selbst als der Streifenwagen angehalten hatte, blieb das Blaulicht an, und auch der Motor brummte weiter. Zwei uniformierte Beamte stiegen aus, ohne sich erst die Mützen aufzusetzen. Einer von ihnen hielt eine große schwarze Stablampe in der Hand. Die Raeburn Wynd war steil und führte zu einer Reihe von renovierten Kutscherhäuschen mit Garagen im Erdgeschoss, die früher einmal die königlichen Equipagen und Pferde beherbergt hatten. Bei Frost war das Pflaster tückisch.
»Vielleicht ist er ausgerutscht und hat sich den Kopf angeschlagen«, meinte der Mann. »Oder er wollte im Freien übernachten, oder er hatte ein paar zu viel getrunken ...«
»Danke, Sir«, sagte einer der Beamten und meinte das Gegenteil. Sein Kollege hatte die Stablampe eingeschaltet, und jetzt sah der Mann Blut auf dem Boden, Blut an den Händen und Kleidern der zusammengesackten Gestalt. Gesicht und Haar waren damit ganz überkrustet.
»Oder jemand hat ihn zu Hackfleisch geprügelt«, kommentierte der erste Officer. »Es sei denn, er ist mehrfach mit dem Gesicht gegen eine Käsereibe gefallen.«
Sein jüngerer Kollege zuckte zusammen. Er hatte sich hingehockt, um die Leiche besser in Augenschein nehmen zu können, stand jetzt aber wieder auf. »Wem gehört der Kranz?«, fragte er.
»Meiner Frau«, erklärte der Mann und fragte sich anschließend, warum er nicht einfach »mir« gesagt hatte.

»Jack Palance«, sagte Detective Inspector John Rebus. »Ich sag Ihnen doch, ich kenn ihn nicht.« »Großer Filmstar.« »Dann nennen Sie mir einen Film.« »Im Scotsman steht sein Nachruf.«
»Dann müssten Sie ja jetzt ausreichend informiert sein, um mir sagen zu können, in welchem Film ich ihn gesehen habe.« Detective Sergeant Siobhan Clarke stieg aus dem Wagen und knallte die Tür zu.
»Er war der Schurke in vielen Western.« Rebus ließ nicht locker.
Clarke zeigte einem der Uniformierten ihren Dienstausweis und nahm die Stablampe, die ihr der Jüngere von beiden angeboten hatte. Die Spurensicherung war unterwegs. Vom Blaulicht des Streifenwagens angezogen, hatten sich schon die ersten Neugierigen eingefunden. Rebus und Clarke hatten auf der Wache Gayfield Square Überstunden gemacht und an einer Theorie - allerdings ohne einen Hauptverdächtigen - über einen noch nicht aufgeklärten Fall gebastelt. Beiden war die Unterbrechung, die der Einsatz für sie bedeutete, nur recht gewesen.
Sie waren in Rebus' asthmatischem Saab 900 gekommen, aus dessen Kofferraum er jetzt gerade Plastiküberschuhe und Latexhandschuhe holte. Erst nach einem halben Dutzend geräuschvoller Versuche ließ sich der Deckel wieder schließen.
»Den muss ich in Zahlung geben«, murmelte er.
»Wer würde den schon nehmen?«, fragte Clarke, während sie sich die Handschuhe überstreifte. Dann, als er nicht antwortete: »Waren das eben Wanderschuhe, die ich gesehen habe?«
»So alt wie das Auto«, sagte Rebus und ging auf die Leiche zu. Schweigend musterten die zwei Detectives die am Boden liegende Gestalt und deren nähere Umgebung.
»Jemand hat's ihm richtig besorgt«, meinte Rebus schließlich. Er wandte sich an den jüngeren Constable. »Wie heißen Sie, mein Sohn?«
»Goodyear, Sir ... Todd Goodyear.«
»Todd?«
»Der Mädchenname meiner Mum, Sir«, erklärte Goodyear.
»Schon mal was von Jack Palance gehört, Todd?«
»Hat er nicht in Mein großer Freund Shane mitgespielt?«
»Sie sind zu schade für die Uniform.«
Goodyears Kollege schmunzelte. »Wenn Sie nicht gewaltig aufpassen, nimmt jung Todd gleich keine Verdächtigen, sondern Sie ins Verhör.«
»Wieso?«, fragte Clarke.
Der Constable - er war mindestens fünfzehn Jahre älter als sein Partner und etwa dreimal so breit - deutete mit einem Nicken auf Goodyear. »Ich bin Todd nicht gut genug«, erklärte er. »Der hat sich das CID in den Kopf gesetzt.«
Goodyear ging darauf nicht ein. Er hatte sein Notizbuch gezückt. »Sollen wir mit der Befragung der Zeugen anfangen?«, fragte er. Ein Paar mittleren Alters saß auf dem Bordstein und hielt sich bei den Händen. Dann war da noch ein halbwüchsiges Mädchen, das, die Arme um sich geschlungen, fröstelnd an eine Mauer gelehnt stand. Ein Stück weiter kamen die Gaffer, nachdem sie die Warnung der Polizei vergessen hatten, wieder näher.
»Das Beste, was Sie tun können«, meinte Rebus, »wäre, uns die Leute vom Leib zu halten, bis wir den Fundort gesichert haben. Der Arzt müsste in ein paar Minuten hier sein.«
»Er hat keinen Puls«, sagte Goodyear. »Ich hab es überprüft.«
Rebus sah ihn finster an.
»Ich hab's dir ja gesagt, dass denen das nicht gefallen wird«, sagte Goodyears Partner mit einem weiteren Schmunzeln.
»Das kontaminiert den Fundort«, sagte Clarke zu dem jungen Beamten und zeigte ihm ihre Handschuhe und Überschuhe. Er machte ein betretenes Gesicht.
»Trotzdem muss der Arzt noch den Tod feststellen«, fügte Rebus hinzu. »In der Zwischenzeit können Sie versuchen die Bagage dort loszuwerden.«
»Bessere Türsteher sind wir, sonst nichts«, sagte der ältere Bulle zu seinem Partner, während sie abzogen.
»Womit das hier der VIP-Bereich wäre«, sagte Clarke leise. Sie sah sich jetzt die Leiche noch einmal an. »Er ist sehr ordentlich angezogen, wohl kaum ein Obdachloser.«
»Möchten Sie nachsehen, ob er Papiere hat?«
Sie trat ein paar Schritte näher, kauerte sich neben die Leiche und tastete die Hosen- und Jacketttaschen ab. »Fühlen kann ich nichts«, sagte sie.
»Nicht einmal Mitleid?«
Sie sah kurz zu Rebus auf. »Werden Sie den Panzer wenigstens...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Erster TagMittwoch, 15. November 2006Das Mädchen schrie einmal, nur ein Mal, aber das war genug. Als das Paar mittleren Alters das untere Ende der Raeburn Wynd erreichte, kniete sie schon auf dem Boden, die Hände vors Gesicht geschlagen, die Schultern von Schluchzern bebend. Der Mann musterte kurz die Leiche, versuchte dann, seiner Frau eine Hand vor die Augen zu halten, aber sie hatte sich schon abgewendet. Er holte sein Handy heraus und wählte den Notruf. Es dauerte zehn Minuten, bis der Polizeiwagen kam; das Mädchen versuchte währenddessen zu verschwinden, aber der Mann erklärte ihr ruhig, sie müsse warten, und tätschelte ihr mit der Hand beruhigend die Schulter. Seine Frau saß auf dem Bordstein, obwohl es eine kühle Nacht war. November in Edinburgh, noch nicht kalt genug für Frost, aber auf dem besten Weg dahin. Die King's Stables Road war nicht gerade eine Hauptverkehrsstraße. Ein »Keine Einfahrt«-Schild verhinderte, dass die Straße als Abkürzung vom Grassmarket zur Lothian Road genommen wurde. Nachts konnte es da ziemlich einsam sein - lediglich ein Parkhaus auf der einen, Castle Rock und ein Friedhof auf der anderen Seite. Die Straßenlaternen schienen grundsätzlich auf Sparflamme zu brennen, und die Fußgänger passten auf, wo sie hintraten. Das Paar mittleren Alters hatte einen Carol Service in der St. Cuthbert's church besucht, eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der städtischen Kinderkrankenhäuser. Die Frau hatte einen Stechpalmenkranz gekauft, der jetzt, links neben der Leiche, auf dem Boden lag. Ihr Mann konnte sich den Gedanken nicht verkneifen:Eine Minute früher oder später, und wir hätten vielleicht nichts gehört, säßen jetzt im Auto auf dem Weg nach Haus, den Kranz im Fond und Classic FM im Radio.»Ich will nach Haus«, jammerte das Mädchen zwischen einzelnen Schluchzern. Sie stand da, die Knie aufgeschürft. Ihr Rock, fand der Mann, war zu kurz und ihre Jeansjacke nicht warm genug. Sie kam ihm irgendwie bekannt vor. Er hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, ihr seinen Mantel zu leihen. Stattdessen erinnerte er sie noch einmal daran, dass sie auf die Polizei warten müsste. Plötzlich färbten sich ihre Gesichter blau. Der Streifenwagen näherte sich mit kreiselnder Kennleuchte.»Da kommt sie schon«, sagte der Mann und legte ihr den Arm wie zum Trost um die Schultern, um ihn sofort wieder wegzunehmen, als er sah, dass seine Frau ihn beobachtete.Selbst als der Streifenwagen angehalten hatte, blieb das Blaulicht an, und auch der Motor brummte weiter. Zwei uniformierte Beamte stiegen aus, ohne sich erst die Mützen aufzusetzen. Einer von ihnen hielt eine große schwarze Stablampe in der Hand. Die Raeburn Wynd war steil und führte zu einer Reihe von renovierten Kutscherhäuschen mit Garagen im Erdgeschoss, die früher einmal die königlichen Equipagen und Pferde beherbergt hatten. Bei Frost war das Pflaster tückisch.»Vielleicht ist er ausgerutscht und hat sich den Kopf angeschlagen«, meinte der Mann. »Oder er wollte im Freien übernachten, oder er hatte ein paar zu viel getrunken ...«»Danke, Sir«, sagte einer der Beamten und meinte das Gegenteil. Sein Kollege hatte die Stablampe eingeschaltet, und jetzt sah der Mann Blut auf dem Boden, Blut an den Händen und Kleidern der zusammengesackten Gestalt. Gesicht und Haar waren damit ganz überkrustet.»Oder jemand hat ihn zu Hackfleisch geprügelt«, kommentierte der erste Officer. »Es sei denn, er ist mehrfach mit dem Gesicht gegen eine Käsereibe gefallen.«Sein jüngerer Kollege zuckte zusammen. Er hatte sich hingehockt, um die Leiche besser in Augenschein nehmen zu können, stand jetzt aber wieder auf. »Wem gehört der Kranz?«, fragte er.»Meiner Frau«, erklärte der Mann und fragte sich anschließend, warum er nicht einfach »mir« gesagt hatte.»Jack Palance«, sagte Detective Inspector John Rebus. »Ich sag Ihnen doch, ich kenn ihn nicht.« »Großer Filmstar.« »Dann nennen Sie mir einen Film.« »Im Scotsman steht sein Nachruf.«»Dann müssten Sie ja jetzt ausreichend informiert sein, um mir sagen zu können, in welchem Film ich ihn gesehen habe.« Detective Sergeant Siobhan Clarke stieg aus dem Wagen und knallte die Tür zu.»Er war der Schurke in vielen Western.« Rebus ließ nicht locker.Clarke zeigte einem der Uniformierten ihren Dienstausweis und nahm die Stablampe, die ihr der Jüngere von beiden angeboten hatte. Die Spurensicherung war unterwegs. Vom Blaulicht des Streifenwagens angezogen, hatten sich schon die ersten Neugierigen eingefunden. Rebus und Clarke hatten auf der Wache Gayfield Square Überstunden gemacht und an einer Theorie - allerdings ohne einen Hauptverdächtigen - über einen noch nicht aufgeklärten Fall gebastelt. Beiden war die Unterbrechung, die der Einsatz für sie bedeutete, nur recht gewesen.Sie waren in Rebus' asthmatischem Saab 900 gekommen, aus dessen Kofferraum er jetzt gerade Plastiküberschuhe und Latexhandschuhe holte. Erst nach einem halben Dutzend geräuschvoller Versuche ließ sich der Deckel wieder schließen.»Den muss ich in Zahlung geben«, murmelte er.»Wer würde den schon nehmen?«, fragte Clarke, während sie sich die Handschuhe überstreifte. Dann, als er nicht antwortete: »Waren das eben Wanderschuhe, die ich gesehen habe?«»So alt wie das Auto«, sagte Rebus und ging auf die Leiche zu. Schweigend musterten die zwei Detectives die am Boden liegende Gestalt und deren nähere Umgebung.»Jemand hat's ihm richtig besorgt«, meinte Rebus schließlich. Er wandte sich an den jüngeren Constable. »Wie heißen Sie, mein Sohn?«»Goodyear, Sir ... Todd Goodyear.«»Todd?«»Der Mädchenname meiner Mum, Sir«, erklärte Goodyear.»Schon mal was von Jack Palance gehört, Todd?«»Hat er nicht in Mein großer Freund Shane mitgespielt?«»Sie sind zu schade für die Uniform.«Goodyears Kollege schmunzelte. »Wenn Sie nicht gewaltig aufpassen, nimmt jung Todd gleich keine Verdächtigen, sondern Sie ins Verhör.«»Wieso?«, fragte Clarke.Der Constable - er war mindestens fünfzehn Jahre älter als sein Partner und etwa dreimal so breit - deutete mit einem Nicken auf Goodyear. »Ich bin Todd nicht gut genug«, erklärte er. »Der hat sich das CID in den Kopf gesetzt.«Goodyear ging darauf nicht ein. Er hatte sein Notizbuch gezückt. »Sollen wir mit der Befragung der Zeugen anfangen?«, fragte er. Ein Paar mittleren Alters saß auf dem Bordstein und hielt sich bei den Händen. Dann war da noch ein halbwüchsiges Mädchen, das, die Arme um sich geschlungen, fröstelnd an eine Mauer gelehnt stand. Ein Stück weiter kamen die Gaffer, nachdem sie die Warnung der Polizei vergessen hatten, wieder näher.»Das Beste, was Sie tun können«, meinte Rebus, »wäre, uns die Leute vom Leib zu halten, bis wir den Fundort gesichert haben. Der Arzt müsste in ein paar Minuten hier sein.«»Er hat keinen Puls«, sagte Goodyear. »Ich hab es überprüft.«Rebus sah ihn finster an.»Ich hab's dir ja gesagt, dass denen das nicht gefallen wird«, sagte Goodyears Partner mit einem weiteren Schmunzeln.»Das kontaminiert den Fundort«, sagte Clarke zu dem jungen Beamten und zeigte ihm ihre Handschuhe und Überschuhe. Er machte ein betretenes Gesicht.»Trotzdem muss der Arzt noch den Tod feststellen«, fügte Rebus hinzu. »In der Zwischenzeit können Sie versuchen die Bagage dort loszuwerden.«»Bessere Türsteher sind wir, sonst nichts«, sagte der ältere Bulle zu seinem Partner, während sie abzogen.»Womit das hier der VIP-Bereich wäre«, sagte Clarke leise. Sie sah sich jetzt die Leiche noch einmal an. »Er ist sehr ordentlich angezogen, wohl kaum ein Obdachloser.«»Möchten Sie nachsehen, ob er Papiere hat?«Sie trat ein paar Schritte näher, kauerte sich neben die Leiche und tastete die Hosen- und Jacketttaschen ab. »Fühlen kann ich nichts«, sagte sie.»Nicht einmal Mitleid?«Sie sah kurz zu Rebus auf. »Werden Sie den Panzer wenigstens dann ablegen, wenn Sie die goldene Armbanduhr in Empfang nehmen?«Rebus artikulierte lautlos das Wort »Autsch«.
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