Das erste Buch des äthiopischen Prinzen Asfa-Wossen Asserate "Manieren" wies den Autor bereits als einen umfassend gebildeten, lebensklugen und warmherzigen Menschen aus. Gespannt habe ich nun seine Autobiographie gelesen und nachdem ich anfangs ein wenig zwiegespalten war, erweist er sich schließlich auch als Chronist in eigener Sache als klug und abwägend, der historischen Wahrheit verpflichtet aber auch als ein wert-konservativer und stolzer Äthiopier mit deutschem Pass.
Asfa-Wossen Asserate ist ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, dem letzten Vertreter einer dreitausend Jahre währenden Aristokratie. Sein Vater stand sehr weit oben in der kaiserlichen Hierarchie und war zwar als sanfter Reformer für einen Weg in Richtung konstitutionelle Monarchie, konnte ihn aber gegen Haile Selassie, der außenpolitisch viel bewirkt hatte, jedoch sein Land ausbluten ließ, wenig ausrichten. Schließlich kommt es 1974 zur Revolution, der viele Angehörige des Kaiserhauses zum Opfer fielen. Danach freilich versank Äthiopien in Bürgerkrieg und Hunger. Zu den Opfern gehörte auch Asserates Vater.
Asfa-Wossen Asserate hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Frankfurt auf. An der dortigen Universität arbeitete er an seiner Doktorarbeit. Als Kind schon wurde ihm die deutsche Kultur nahe gebracht, er besuchte die deutsche Schule in Addis-Abbeba und studierte schließlich in Tübingen und Cambridge. Nach dem Sturz der Monarchie in seinem Heimatland blieb er in Deutschland und wurde schließlich so vertraut mit der hiesigen Kultur, dass ihm Deutschland wirklich zur zweiten Heimat wurde.
Von hier aus organisierte er schließlich auch den Kampf um seine inhaftierten Familienmitglieder, bei dem ihm viele deutsche Freunde hilfreich zur Seite standen. Und ihm gelingt mit seinem Buch "Manieren" schließlich ein außergewöhnlicher Beitrag zur kulturellen Diskussion.
Asfa-Wossen Asserate gibt sich bei der Schilderung seiner Lebenserinnerungen persönlich bescheiden. Hass und Wut scheinen ihm Fremdworte zu sein, denn er ist wirklich bemüht, eine gerechte Schilderung der Verhältnisse Äthiopiens zu geben. Lediglich in den ersten Kapiteln, seinen Kindheitserinnerungen, gibt er sich ein wenig dünkelhaft. Da ist kritisches Lesen durchaus angebracht.
Am Ende dieses Buches aber bleibt Respekt und Bewunderung für einen Menschen, der im besten Sinne des Wortes, redlich, tugendhaft und konsequent einen nicht immer einfachen Weg geht! Asfa-Wossen Asserate kann man um seine umfassende Bildung nur beneiden, die gepaart mit einer Form von vornehmer Zurückhaltung ihn als einen Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle auszeichnet!
Ein beeindruckendes Buch!