(Vorsicht, Spoiler!)
Mit diesen triumphierend-sarkastischen Worten kommentiert Edgar Millen (Lee Marvin), der örtliche Polizeichef, den Wutausbruch seines bislang überkorrekt auftretenden Untergebenen Alvin (Andrew Stevens), der dazu führt, daß Alvin den widerlichen Trapper Hazel (Ed Lauter) zusammenschlägt. Insgesamt betrachtet scheint auch genau dies die Quintessenz des 1981 von Peter R. Hunt gedrehten Abenteuerfilms "Death Hunt" [1] zu sein - Männer, die entweder nie so richtig mit der Zivilisation in Berührung gekommen sind, oder solche, die nach und nach ihre Spuren ablegen, in Aktion zu sehen.
Die Handlung des Filmes ist denn auch schnell umrissen: Im November des Jahres 1931 zwingt der Trapper Albert Johnson (Charles Bronson) im Yukon Territory den Goldsucher Hazel vor dessen Freunden mit Gewalt dazu, ihm seinen Hund zu verkaufen, der bei einem illegalen Hundekampf schwer verletzt worden ist. Hazel möchte diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen und versucht mit seinen Kumpanen, sich den Hund zurückzuholen und Johnson eine Lektion zu erteilen. In Sachen Gewalt hat Johnson allerdings seine Hausaufgaben gemacht, und so fällt einer der Gehilfen Hazels den Kugeln des Einzelgängers zum Opfer. Nun muß Edgar Millen auf den Plan treten, der sich bislang aus der Sache herausgehalten hat: Mit seinen Mounties und einer Schar heruntergekommener Abenteurer macht er sich daran, Johnson zu jagen, den man mittlerweile auch für den "Mad Trapper" hält, einen Verbrecher, der in der Wildnis Männer tötet, um ihnen die Goldzähne herauszubrechen.
Im großen und ganzen haben wir Charles Bronson wohl schon in mindestens einer ähnlichen Rolle gesehen - und zwar in dem spannenden Western "Chato's Land" (1972) von Michael Winner. "Death Hunt" hat eine ähnlich gnadenlose Jagd zum Gegenstand, und wenn der Film auch von einer realen Begebenheit inspiriert worden ist, erreicht er doch nicht wirklich die Intensität und Dramatik des obengenannten Westerns. Gleichwohl ist er spannend und auch gekonnt inszeniert. Schon die einleitenden Bilder einer bedrückenden bergigen Schneelandschaft, unterlegt mit dräuender Musik, und die Einführung des schweigsamen Helden - wir sehen nur die Hufe seines Pferdes, in einer nächsten Einstellung dann die Stiefel des Reiters, später die Hände - zeugen von einer routinierten Regie. Routiniert ist denn auch der gesamte Film, vom langsamen, aber stetigen Aufbau des Konfliktes und der durch ihn erzeugten Spannung über die Darstellung der Schießereien bis hin zum brusttrommelnden Männlichkeitspathos, das eigentlich nur bei Sam Peckinpah so richtig cool rüberkommt - wenn Pathos denn jemals cool sein kann.
So zeichnet sich schon recht früh eine von gegenseitigem Respekt und einseitiger Bewunderung - nämlich die Millens für Johnson - getragene Verbindung zwischen dem Gejagten und dem Anführer der Jäger ab, die später in Millens Ausspruch "He deserves me. Not them." auf die Frage, warum er Johnson so verbissen jage, gipfelt und schließlich den Film genauso enden lassen muß, wie er eben endet. Im Grunde ist Millen von ebenso einzelgängerischer Art wie Johnson, was deutlich wird in der amüsierten Geringschätzung, mit der er die Versuche seines neuen Untergebenen Alvin betrachtet, die illegalen Hundekämpfe zu unterbinden - Millen ist da ganz pragmatisch, weiß er doch, daß er durch stillschweigende Duldung dieser tierquälerischen Freizeitaktivität die Goldgräber von womöglich Schlimmerem abhält -, sowie in seiner Reserviertheit gegenüber der Witwe McBride (Angie Dickinson), mit der er zwar sein Lager, aber kaum einen Gedanken teilt. Diese quasi-anarchische Lebensweise wird im Film allerdings geschickt ins Sympathische umgedeutet, und zwar durch das Auftreten des britischen Piloten (Scott Hylands), der, die technokratische, menschenverachtende Seite der Zivilisation verkörpernd, später mit seinem Maschinengewehr blindwütig sowohl auf Johnson als auch seine Verfolger schießen wird und zuvor Millens bodenständige Art mit dem Ausruf "This is the future" verhöhnt, woraufhin er von dem Polizeichef ein bitteres "Well, if you are part of the future, I don't want to see it" erntet. Die Ereignisse der nächsten 15 Jahre sollten Millen da wohl recht geben.
Alles in allem ist "Death Hunt" ein unterhaltsamer, wenngleich ein wenig blutrünstiger Film, dem man sein Alter nicht unbedingt ansieht - sicher auch dank Koch Media. Für einen Bronson-Fan dürfte "Death Hunt" ohnehin zu den Must-Haves gehören, und wer - wie ich - ab und an einen Tag ganz gern mit einem Mettbrötchen beginnt, dürfte ihn wohl auch mit Vergnügen mit "Death Hunt" ausklingen lassen.
[1] Im Deutschen firmiert der Film sowohl unter dem reißerischen Titel "Ein Mann wird zur Bestie" als auch unter dem unscheinbareren "Yukon".