Ein Mann im Heuhaufen: Roman und über 1 Million weitere Bücher verfügbar für Amazon Kindle . Erfahren Sie mehr

Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Ein Mann im Heuhaufen: Roman
 
 
Beginnen Sie mit dem Lesen von Ein Mann im Heuhaufen: Roman auf Ihrem Kindle in weniger als einer Minute.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Ein Mann im Heuhaufen: Roman [Taschenbuch]

Maeve Haran , Ariane Böckler
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Bestsellerautorin Maeve Haran erweist sich immer wieder als Spezialistin für locker-amüsante Geschichten mit Tiefgang!" (Freundin )

"Maeve Haran ist eine großartige Erzählerin." (Sunday Times )

"Maeve Haran schreibt so, wie sie ist: witzig, warmherzig und temperamentvoll!" (You Magazine )

Kurzbeschreibung

Aller schlechten Dinge sind drei: Zuerst zu viel irischen Whiskey, dann mit dem falschen Mann ins Bett und schließlich auch noch halbnackt auf der Titelseite der Morgenzeitung ... Flora Parkers Leben ist definitiv aus den Fugen. Dagegen hilft nur noch die Flucht aus London, raus aufs Land zur lange verschmähten Verwandtschaft. Doch deren Idyll hat Macken: Die Farm steht vor der Pleite, die Ehe der Tante ist in der Krise, und ihre Töchter unglücklich. Flora schmiedet Rettungspläne, insbesondere da ein spleeniger Nachbar eine grandiose Wette verkündet: Wer von seinen beiden attraktiven Neffen bis Kirchweih unter der Haube ist, erbt Moreton Manor, ein wunderschönes Gut, mit allem Drum und Dran ...


Klappentext

"Bestsellerautorin Maeve Haran erweist sich immer wieder als Spezialistin für locker-amüsante Geschichten mit Tiefgang!"
Freundin

"Maeve Haran ist eine großartige Erzählerin."
Sunday Times

"Maeve Haran schreibt so, wie sie ist: witzig, warmherzig und temperamentvoll!"
You Magazine

Über den Autor

Maeve Haran lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in London. Ihre Biographie könnte fast einem ihrer Romane entstammen, denn Maeve Haran hat es geschafft, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, u. a. war sie eine erfolgreiche TV-Produzentin. Dass dies nicht immer ohne Turbulenzen verlief, spiegelt sich in ihren selbstbewusst-frechen Bestsellern wie "Liebling, vergiss die Socken nicht" und zuletzt "Schokoladenküsse". Inzwischen haben sich ihre Romane allein in Deutschland über drei Millionen mal verkauft, und "Zwei Schwiegermütter und ein Baby" wurde sogar unter dem Titel "Mein Mann und seine Mütter" erfolgreich für das deutsche Fernsehen verfilmt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Flora Parker schloss die Augen und kämpfte gegen das unangenehme Gefühl an, dass sie am Abend zuvor etwas richtig Schlimmes angestellt hatte.
Und zwar nicht schlimm auf ihrem gewohnten Niveau: in Nachtlokalen aufgeblasene Finanzfritzen anzumachen oder hirnlose Schnösel mit dicken Schlitten abzuschleppen, die sich einbildeten, sie hätten entsprechende Pimmel. Irgendetwas sagte ihr, dass es diesmal schlimmer war.
Viel schlimmer.
Eine Stimme, die sie dunkel als die ihres Gewissens erkannte, flüsterte ihr zu, dass sie am vergangenen Abend eine schwere Sünde begangen hatte, zumindest aber einen schweren Fehltritt.
Fehler Nummer eins war der Whiskey gewesen. Warum, o warum nur hatte sie auf einmal Geschmack an irischem Whiskey gefunden? Normalerweise verabscheute sie sämtliche Spirituosen, aber Miles hatte nicht locker gelassen. Blackmills Whiskey lancierte eine neue Marke, die trendige junge Leute ansprechen sollte, und Flo war eine der trendigen jungen Frauen, die man eingeladen hatte, um die Kampagne auf Touren zu bringen. Also musste sie das Zeug natürlich auch trinken, nur eben vielleicht nicht in derartigen Mengen. Aber schließlich machte Flo nie etwas nur halb, egal ob es etwas Schlimmes oder etwas Gutes war.
Sie versuchte aus dem Bett zu steigen, doch ihr Kopf fühlte sich an, als sei ein Düsenflugzeug darin gelandet und hätte die Schubumkehr eingeschaltet.
Fehler Nummer zwei lag neben ihr im Bett.
Zwischen ihr und der Wand erhob sich ein großer Klumpen unter der Bettdecke. Wenn es noch einen Gott gab und er sein Herz gegenüber Flo noch nicht ganz verschlossen hatte, würde sich der Klumpen als riesiges Plüschtier entpuppen, von ihr aus auch als eines dieser wirklich scheußlichen ausgestopften, die man auf Volksfesten gewinnen konnte. Flo sah sich nervös im Zimmer um, und ihr Blick blieb erschüttert an einem Paar schwarzweißer Stiefeletten aus Ponyfell haften.
Sie stöhnte. Nur ein einziger Mensch in ganz London oder vermutlich im ganzen Universum war unsensibel genug, um solche Stiefeletten zu tragen. Was hatte sie denn mit Miles im Bett verloren? Miles war die tonangebende Figur in der Schickeria rund um Flo. Im schäbigen East End geboren, hatte er sein Leben in Walthamstow begonnen und bewohnte nun ein elegantes Haus in der King's Road. Miles engagierte sich ein bisschen hier und ein bisschen da und verdiente irgendwie einen Haufen Geld. Außerdem kannte er jeden, der auch nur entfernt im Trend lag oder nützlich war, und konnte die Betreffenden dazu überreden, auf Partys zu erscheinen, um ihnen Glanz und Glamour zu verleihen. Und so war es gekommen, dass Flo für die Kampagne für Blackmills Whiskey engagiert worden war. Doch im Moment wurde ihr schon allein von dem Wort übel.
Miles war, seit sie denken konnte, hinter Flo her gewesen, doch bis gestern Abend hatte sie seinen Avancen widerstanden. Er sah auf übertriebene Weise gut aus und konnte witzig und bissig sein. Seine peinlich genauen und doch entsetzlich boshaften Beschreibungen von Leuten, die sie beide kannten, lösten bei ihr oft Lachkrämpfe aus, selbst wenn sie einen schuldbewussten Nachgeschmack hinterließen. Irgendwie hatte Miles etwas an sich, dem sie nicht traute. Seine sinnlich-dunkle Attraktivität erinnerte an den jungen Elvis: der gleiche üppige Schmollmund und die gleiche Extraschicht Fleisch auf dem recht hübschen Gesicht. Allerdings hatte sein Charakter überhaupt nichts Weiches. Miles übersah nie auch nur die kleinste Kleinigkeit.
Flo erschauerte beim Gedanken daran, was sie letzte Nacht womöglich getrieben hatten. Jemand, der mehr von einem Gentleman hatte als Miles, hätte die Situation sicher nicht ausgenutzt, doch Miles war kein Gentleman.
Aber schließlich bist du auch keine Lady, rief Flo sich streng in Erinnerung.
Trotzdem hatte sie ihre Grundsätze, auch wenn es nicht die von Mutter Teresa waren. Flos Maßstäben zufolge war es in Ordnung, mit zwanzig Männern zu schlafen (natürlich nicht gleichzeitig, obwohl das ganz neue Perspektiven eröffnen würde), vorausgesetzt, sie wollte das. Die unverzeihlichste Sünde war es, mit jemandem zu schlafen, mit dem sie nicht schlafen wollte.
Sie versuchte sich damit zu trösten, dass die meisten Frauen so etwas schon mal getan hatten. Entweder hatten sie es nicht fertig gebracht, nein zu sagen, oder der Typ hatte ihnen Leid getan. Oder (peinlich, das zugeben zu müssen) es war ihnen zu viel Aufwand, sich ein Minicab für den Rückweg nach Clapham zu besorgen. Sex sollte eigentlich ein Garten der Lüste sein, aber manchmal war er eher ein bequemer Hinterhof.
Flo verfügte über keine dieser Ausreden. Sie befand sich in ihrer eigenen Wohnung, unter ihrer eigenen Bettdecke und galt als stark, unerschrocken und hundertprozentig selbstsicher.
Wenn sie aber so stark und unerschrocken war, so fragte ein gehässiges Stimmchen, wie war es dann dazu gekommen, dass sie eine halbe Flasche Whiskey getrunken hatte und mit Miles im Bett gelandet war?
Heiß wallten Scham und Wut in ihr auf und überzogen ihre Haut mit Röte. Selbstsicher zu sein hieß nicht, dass man mit jemandem ins Bett stieg, der einen an eine Boa Constrictor vor dem Mittagessen erinnerte. Jetzt hatte er sein Mittagessen gehabt. Sie selbst war verschlungen worden.
Sie konnte sich Miles' höhnisches Grinsen, wenn er aufwachte, lebhaft ausmalen, ganz zu schweigen von seinem Eifer, dort weiterzumachen, wo sie letzte Nacht aufgehört hatten. Doch dann kam ihr ein aufheiternder Gedanke: Möglicherweise hatte Miles ja genauso viel getrunken wie sie, und sie war infolge von Blackmills-Schlappheit vor ihrem Schicksal bewahrt worden.
Neben ihr regte sich die Bettdecke, und Miles' Gesicht kam zum Vorschein. Ein wissendes Lächeln erhellte seine klugen, berechnenden Augen.
"Guten Morgen, Herrlichste. Endlich hast du dich ergeben. Und ich muss zugeben" - er beugte sich besitzergreifend zu ihr - "du warst das Warten wirklich wert."
Flo musste sich beherrschen, um ihn nicht zu ohrfeigen. Der Widerling bildete sich auch noch ein, sie wäre von dieser Eröffnung geschmeichelt.
Miles setzte sich auf und lehnte sich gegen ihre Lieblingskissen. Seine Haut war bleich und unbehaart, ein starker Kontrast zu seinen fast schwarzen Haaren. Die meisten Frauen in ihrem Dunstkreis waren verrückt nach ihm. Miles' spezielle Ausstrahlung verwegener Blasiertheit, garniert mit einem Hauch Brutalität, verschaffte ihnen spontane Orgasmen. Doch Flo war keine von ihnen.

Auszug aus Ein Mann im Heuhaufen von Maeve Haran, Ariane Böckler. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Kapitel

Flora Parker schloss die Augen und kämpfte gegen das unangenehme Gefühl an, dass sie am Abend zuvor etwas richtig Schlimmes angestellt hatte.
Und zwar nicht schlimm auf ihrem gewohnten Niveau: in Nachtlokalen aufgeblasene Finanzfritzen anzumachen oder hirnlose Schnösel mit dicken Schlitten abzuschleppen, die sich einbildeten, sie hätten entsprechende Pimmel. Irgendetwas sagte ihr, dass es diesmal schlimmer war.
Viel schlimmer.
Eine Stimme, die sie dunkel als die ihres Gewissens erkannte, flüsterte ihr zu, dass sie am vergangenen Abend eine schwere Sünde begangen hatte, zumindest aber einen schweren Fehltritt.
Fehler Nummer eins war der Whiskey gewesen. Warum, o warum nur hatte sie auf einmal Geschmack an irischem Whiskey gefunden? Normalerweise verabscheute sie sämtliche Spirituosen, aber Miles hatte nicht locker gelassen. Blackmills Whiskey lancierte eine neue Marke, die trendige junge Leute ansprechen sollte, und Flo war eine der trendigen jungen Frauen, die man eingeladen hatte, um die Kampagne auf Touren zu bringen. Also musste sie das Zeug natürlich auch trinken, nur eben vielleicht nicht in derartigen Mengen. Aber schließlich machte Flo nie etwas nur halb, egal ob es etwas Schlimmes oder etwas Gutes war.
Sie versuchte aus dem Bett zu steigen, doch ihr Kopf fühlte sich an, als sei ein Düsenflugzeug darin gelandet und hätte die Schubumkehr eingeschaltet.
Fehler Nummer zwei lag neben ihr im Bett.
Zwischen ihr und der Wand erhob sich ein großer Klumpen unter der Bettdecke. Wenn es noch einen Gott gab und er sein Herz gegenüber Flo noch nicht ganz verschlossen hatte, würde sich der Klumpen als riesiges Plüschtier entpuppen, von ihr aus auch als eines dieser wirklich scheußlichen ausgestopften, die man auf Volksfesten gewinnen konnte. Flo sah sich nervös im Zimmer um, und ihr Blick blieb erschüttert an einem Paar schwarzweißer Stiefeletten aus Ponyfell haften.
Sie stöhnte. Nur ein einziger Mensch in ganz London oder vermutlich im ganzen Universum war unsensibel genug, um solche Stiefeletten zu tragen. Was hatte sie denn mit Miles im Bett verloren? Miles war die tonangebende Figur in der Schickeria rund um Flo. Im schäbigen East End geboren, hatte er sein Leben in Walthamstow begonnen und bewohnte nun ein elegantes Haus in der King’s Road. Miles engagierte sich ein bisschen hier und ein bisschen da und verdiente irgendwie einen Haufen Geld. Außerdem kannte er jeden, der auch nur entfernt im Trend lag oder nützlich war, und konnte die Betreffenden dazu überreden, auf Partys zu erscheinen, um ihnen Glanz und Glamour zu verleihen. Und so war es gekommen, dass Flo für die Kampagne für Blackmills Whiskey engagiert worden war. Doch im Moment wurde ihr schon allein von dem Wort übel.
Miles war, seit sie denken konnte, hinter Flo her gewesen, doch bis gestern Abend hatte sie seinen Avancen widerstanden. Er sah auf übertriebene Weise gut aus und konnte witzig und bissig sein. Seine peinlich genauen und doch entsetzlich boshaften Beschreibungen von Leuten, die sie beide kannten, lösten bei ihr oft Lachkrämpfe aus, selbst wenn sie einen schuldbewussten Nachgeschmack hinterließen. Irgendwie hatte Miles etwas an sich, dem sie nicht traute. Seine sinnlich-dunkle Attraktivität erinnerte an den jungen Elvis: der gleiche üppige Schmollmund und die gleiche Extraschicht Fleisch auf dem recht hübschen Gesicht. Allerdings hatte sein Charakter überhaupt nichts Weiches. Miles übersah nie auch nur die kleinste Kleinigkeit.
Flo erschauerte beim Gedanken daran, was sie letzte Nacht womöglich getrieben hatten. Jemand, der mehr von einem Gentleman hatte als Miles, hätte die Situation sicher nicht ausgenutzt, doch Miles war kein Gentleman.
„Aber schließlich bist du auch keine Lady“, rief Flo sich streng in Erinnerung.
Trotzdem hatte sie ihre Grundsätze, auch wenn es nicht die von Mutter Teresa waren. Flos Maßstäben zufolge war es in Ordnung, mit zwanzig Männern zu schlafen (natürlich nicht gleichzeitig, obwohl das ganz neue Perspektiven eröffnen würde), vorausgesetzt, sie wollte das. Die unverzeihlichste Sünde war es, mit jemandem zu schlafen, mit dem sie nicht schlafen wollte.
Sie versuchte sich damit zu trösten, dass die meisten Frauen so etwas schon mal getan hatten. Entweder hatten sie es nicht fertig gebracht, nein zu sagen, oder der Typ hatte ihnen Leid getan. Oder (peinlich, das zugeben zu müssen) es war ihnen zu viel Aufwand, sich ein Minicab für den Rückweg nach Clapham zu besorgen. Sex sollte eigentlich ein Garten der Lüste sein, aber manchmal war er eher ein bequemer Hinterhof.
Flo verfügte über keine dieser Ausreden. Sie befand sich in ihrer eigenen Wohnung, unter ihrer eigenen Bettdecke und galt als stark, unerschrocken und hundertprozentig selbstsicher.
Wenn sie aber so stark und unerschrocken war, so fragte ein gehässiges Stimmchen, wie war es dann dazu gekommen, dass sie eine halbe Flasche Whiskey getrunken hatte und mit Miles im Bett gelandet war?
Heiß wallten Scham und Wut in ihr auf und überzogen ihre Haut mit Röte. Selbstsicher zu sein hieß nicht, dass man mit jemandem ins Bett stieg, der einen an eine Boa Constrictor vor dem Mittagessen erinnerte. Jetzt hatte er sein Mittagessen gehabt. Sie selbst war verschlungen worden.
Sie konnte sich Miles’ höhnisches Grinsen, wenn er aufwachte, lebhaft ausmalen, ganz zu schweigen von seinem Eifer, dort weiterzumachen, wo sie letzte Nacht aufgehört hatten. Doch dann kam ihr ein aufheiternder Gedanke: Möglicherweise hatte Miles ja genauso viel getrunken wie sie, und sie war infolge von Blackmills-Schlappheit vor ihrem Schicksal bewahrt worden.
Neben ihr regte sich die Bettdecke, und Miles’ Gesicht kam zum Vorschein. Ein wissendes Lächeln erhellte seine klugen, berechnenden Augen.
»Guten Morgen, Herrlichste. Endlich hast du dich ergeben. Und ich muss zugeben« – er beugte sich besitzergreifend zu ihr – »du warst das Warten wirklich wert.«
Flo musste sich beherrschen, um ihn nicht zu ohrfeigen. Der Widerling bildete sich auch noch ein, sie wäre von dieser Eröffnung geschmeichelt.
Miles setzte sich auf und lehnte sich gegen ihre Lieblingskissen. Seine Haut war bleich und unbehaart, ein starker Kontrast zu seinen fast schwarzen Haaren. Die meisten Frauen in ihrem Dunstkreis waren verrückt nach ihm. Miles’ spezielle Ausstrahlung verwegener Blasiertheit, garniert mit einem Hauch Brutalität, verschaffte ihnen spontane Orgasmen. Doch Flo war keine von ihnen.
Sie sprang aus dem Bett, dankbar dafür, dass ihre wirre blonde Mähne (kein Friseur konnte sie so bändigen, dass es schick aussah) fast ihre Brüste bedeckte und sie wenigstens noch ein Höschen mit Leopardenmuster anhatte.
»Wir haben keine Milch mehr«, verkündete sie zur Erklärung.
Miles lächelte verführerisch. »Das Opfer bringe ich gerne.«
»Lass nur«, sagte Flo lapidar. Sie musste einfach weg. Zum Nachdenken. Um sich eine Ausrede einfallen zu lassen, mit der sie ihn loswurde, ohne ihn massiv zu beleidigen. Miles war nicht der Typ, den man sich zum Feind machen durfte, selbst wenn man ihn nicht als Liebhaber wollte. Außerdem war sie ihm zumindest eine Spur Würde schuldig.
Sie entdeckte einen ihrer zwölf Zentimeter hohen Jimmy-Choo-Stilettos unter dem Bett und hüpfte auf der Suche nach dem anderen umher.
»Traumhafte Schuhe. Du siehst aus wie eine Edel-Stripperin«, lobte Miles. »Oder wie eine Tänzerin aus dem Crazy Horse. Ich sehe dich schon mit Quasten behängt vor mir.«
»Tut mir Leid, Junge.« Flo streifte den Schuh ab, da sie sein Gegenstück nicht finden konnte und außerdem Miles nicht die Genugtuung gönnen wollte, zu sehen, wie sie auf der Suche danach den Po in die Höhe reckte. Gott allein wusste, welch niedriges Verlangen das auslösen würde. »Du wirst dich schon mit einem Regenmantel und Turnschuhen zufrieden geben müssen.«
Als sie die Schlafzimmertür öffnete, stürzte sich ein kleines, weißes Wollknäuel auf sie und bedeckte ihre Knöchel mit nassen Küssen. Flo bückte sich und kitzelte ihre winzige Terrier-Dame hinter den Ohren. »Hallo, Snowy. Na, wer ist ein tapferer Wachhund?«
Die liebevolle Verehrung wandelte sich zu einem Knurren, als Snowy Miles im Bett ihres Frauchens entdeckte. Snowy war ein Geschenk eines früheren Gespielen gewesen, der darauf bestanden hatte, dass Flo, wenn sie schon sein Herz nicht wollte, wenigstens sein Hündchen behalten sollte. Zweifellos sah Snowy in Miles den Feind.
»Komm schon, braver Hund«, lockte Flo, »komm und geh mit mir Milch holen.« Snowy, die von Mr. Sanjay, dem der Laden an der Ecke gehörte, immer Schokoriegel zugesteckt bekam, kläffte begeistert.
Vor der Wohnung konnte Flo endlich wieder atmen. Miles’ Gegenwart hatte ihr die Kehle zugeschnürt wie Asthma.
Der melancholische Mr. Sanjay lächelte ihr zu, als sie näher kam, und stellte sogar sein Radio leiser, eine ungewohnte Ehre.
»Eine wunderschöne gute Morgen, Miss Parker«, begrüßte er sie.
Mr. Sanjays Bandbreite an Begrüßungsfloskeln war schillernd.
Bildete Flo sich das nur ein, oder sah er sie heute Morgen wirklich seltsam an? Sie blickte in den Spiegel, den Mr. Sanjay wie einen kleinen Schrein zwischen den Rothmans- und Marlboro-Schachteln verbarg, um zu sehen, ob sie einen dicken Pickel hätte, eine weitere Nebenwirkung von zu viel Blackmills. Aber nein, ihre altbekannten Gesichtszüge sahen ihr entgegen: zerzauste blonde Haare, große haselnussbraune Augen, die ausnahmsweise einmal nicht mit drei Tage alter Wimperntusche verschmiert waren, eine kräftige Nase, wie ihre Mutter stets dazu gesagt hatte, und ein entsprechendes Kinn. Nicht schön, aber dafür umso sexyer.
»Sehr schöne Foto«, erklärte Mr. Sanjay und starrte nicht auf Flo, sondern in die mittlere Entfernung hinter ihr. »Sehr lebhaft und fröhlich.«
Snowy, die ihr gewohntes Leckerchen vermisste, stellte sich aufmunternd auf die Hinterbeine.
»Was ist ein sehr schönes Foto?«, wollte Flo wissen und nahm eine Tüte Milch aus der Kühltheke.
»Die von Ihnen.« Mr. Sanjay wies auf die aktuelle Tageszeitung und versuchte ein respektloses Grinsen zu unterdrücken. »In Zeitung.«
Flo folgte der Richtung von Mr. Sanjays Zeigefinger. Und da war sie, auf der Titelseite der „Daily Post“, entblättert bis auf den Wonderbra und hielt eine Flasche Blackmills in die Kamera. „Hallo Jungs“, lautete die Überschrift, „Lust auf eine zweite Runde“?
Eine heiße Welle der Scham überrollte Flo, und ihr wurde schlecht und schwindlig zugleich. Nun erinnerte sie sich nach und nach an alles. Der Blackmills, der ihr, die sonst Whiskey nie anrührte, so unschuldig erschienen war, und das Aufflackern der Blitzlichter. Warum konnte sie da, verdammt noch mal, nie widerstehen? Sie griff nach der Zeitung und fragte sich, ob ihr Vater das wohl zu sehen bekommen würde. Doch die „Post“ wurde sicher nicht nach Amerika exportiert.
„Aber ist das nicht genau das, was du wirklich willst“?, fragte eine innere Stimme.
Rührte nicht die Hälfte aller Schlamassel, in die sie geriet, zumindest zum Teil daher, dass es ihrem Vater offenbar egal war, ob sie auch nur auf demselben Planeten lebte wie er? Auf undurchsichtige Weise schien er sie auch noch für den Tod ihrer Mutter verantwortlich zu machen.
»Ach, spar dir das Selbstmitleid, Flora«, schalt sie sich selbst erbarmungslos. »Du hast Mist gebaut, sieh’s ein.«
In diesem Moment wusste Flo, dass sie verschwinden musste. Weg von Miles und der grotesken Schmarotzerwelt, in der sie lebten, wo Image alles bedeutete und man zu einer Art schäbigen Berühmtheit wurde, wenn man in betrunkenem Zustand die Bluse auszog.
Aber wohin konnte sie schon gehen? Wenn sie doch nur einen Bruder oder eine Schwester hätte. Zum millionsten Mal sehnte sich Flo nach einer glücklichen Familie, einer Familie, wie sie es einst gewesen waren, bevor ihre Mutter krank wurde. Seit ihre Mutter tot war, gab es niemanden mehr. Keine liebevollen Verwandten, die sie wegen ihrer Wildheit aufzogen und ihr alles verziehen. Stattdessen besaß sie ein überquellendes Adressbuch voller so genannter Freunde. Aber abgesehen von Miranda, ihrer Verbündeten und Freundin seit der Schulzeit, würde es im Grunde niemandem ernsthaft etwas ausmachen, wenn sie sich nie wieder meldete.
Eine entfernte Erinnerung drängte sich in ihre Gedanken – ein Familienurlaub im Haus ihrer Tante auf dem Land. Es hatte wie ein glückliches Haus auf sie gewirkt, getaucht in goldenes Sonnenlicht, voller Wärme, Kinder und Hunde, schäbig und doch gemütlich. Das war gewesen, bevor alles anders geworden war. Ob sie jetzt dorthin fahren sollte? Aber wie würde ihr zugeknöpfter Onkel reagieren, wenn seine ungebärdige Nichte, die gerade überall in der Boulevardpresse zu bewundern war, urplötzlich auftauchte und sich in den Schoß seiner Familie stürzte?
Als sie mit Snowy im Schlepptau versuchte, den Laden zu verlassen, wurde sie in einen peinlichen kleinen Tanz mit einem Mann verwickelt, der gerade hinein wollte. Schließlich trat Flo beiseite und ließ ihm den Vortritt. Der Blick des Mannes wanderte von Flo zu der Zeitung, die auffällig auf dem Drahtgestell lag. »Alle Wetter«, murmelte er, »sind das nicht Sie, ich meine …?«
Flo packte Snowy und rannte zu ihrer Wohnung zurück. Die einzige Schwester ihrer Mutter würde ihr doch nicht die Tür weisen, auch wenn sie sich abgesehen von Weihnachtskarten all die Jahre nicht gemeldet hatte?
Der Gedanke an ihre Mutter löste einen plötzlichen Schmerz in ihr aus. Sie hatte nie aufgehört, sie zu vermissen, keinen einzigen Tag. All der Kummer über den Verlust ihrer Mutter und die abweisende Haltung ihres Vaters brach nun über sie herein, und sie würgte an ungeweinten Tränen.
Flos alter Käfer parkte vor der Wohnung. Sie konnte sich nicht dazu überwinden, hineinzugehen und Miles gegenüberzutreten. An der anderen Straßenecke stand der Blumenhändler und rief ihr einen Gruß zu. Er war ein alter Bekannter. Sie kaufte ihm jede Woche einen Strauß Rosen ab, und wenn sie pleite war, was ziemlich oft vorkam, gab er sie ihr billiger und erklärte, ein schönes Mädchen wie sie müsse schöne Blumen haben, vor allem, wenn er an die ganzen alten Schreckschrauben dachte, die Sträuße für dreißig Pfund bei ihm kauften.
»Terry, könntest du mir einen Gefallen tun?«
»Was hast du denn schon wieder angestellt?« Terry genoss es, von Flos jüngsten Abenteuern zu hören.
Sie ignorierte seine Anspielung. Er würde es früh genug erfahren. Sie griff nach einem Strauß roter Rosen. »Könntest du die dem Gentleman in meiner Wohnung bringen? Und ihm ausrichten, dass ich überraschend weg musste?«
»Und ihm für letzte Nacht danken. Ist das nicht eigentlich Sache des Mannes?«
»Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde. Womöglich verdrischt er dich dann.«
Eilig stieg sie mit Snowy in den Käfer und fuhr um die Ecke. Sie parkte hinter einem Lastwagen, von wo aus sie ihr Haus gerade noch im Auge behalten konnte.
Der Blumenhändler wickelte die Blumen ein, trug sie über die Straße an ihre Haustür und klingelte. Ein oder zwei Minuten später erschien Miles in ihrem Bademantel. Sein erwartungsvolles, durchtriebenes Grinsen verschwand, sobald er Terry sah, und wurde von einem Blick derartiger Abneigung abgelöst, dass sie erschauerte. Miles nahm die Blumen und warf sie voller Zorn in den Kellerschacht der Nachbarn.
»Ach du Scheiße, Snowy«, vertraute Flo ihrem Hündchen an. »Das lief ja gar nicht gut, was? Offenbar hasst er mich jetzt.« Sie gab Gas und erkannte während ihrer übereilten Flucht, dass sie Miles eigentlich keinen Vorwurf machen konnte. »Schließlich habe ich mein Leben bis jetzt ganz schön verbockt, was?«

2. Kapitel

»Hallo, ist dort Tante Prue?« Flo musste brüllen, weil die Telefonzelle, die sie wegen des dortigen Telefonbuches statt ihrem Handy benutzte, vor einer Tankstelle direkt an der Autobahn stand und Lastwagen vorbeidonnerten. »Hier ist Flo, Flora Parker. Deine Nichte.«
Das erstaunte Schweigen sagte ihr, dass ihre Tante tatsächlich völlig baff war, nach so langer Funkstille von Flo zu hören.
»Ich weiß, dass das vermutlich ein ziemlicher Schock für dich ist, aber ich wollte fragen, ob ich kommen und ein Weilchen bei euch bleiben könnte? Ich stecke in einer Art Krise.«
Noch während sie die Worte sprach, wurde ihr klar, dass sie sich damit womöglich nicht als der ideale Hausgast präsentierte. Eine durchgeknallte Nichte, die völlig unerwartet anrief, stand nicht unbedingt ganz oben auf der Wunschliste von Tanten. Trotzdem zögerte ihre Tante diesmal keine Sekunde, bevor sie antwortete.
Prue Rawlings glaubte daran, dass Blut bedeutend dicker war als jede andere Substanz. Ja, sie hatte Flo sogar ein Zuhause bei ihnen anbieten wollen, als die schreckliche Geschichte mit Mary passiert war, doch ihr Ehemann Francis wollte nichts davon wissen. »Wir haben schon genug Mädchen, die wir ernähren und kleiden müssen. Noch dazu sind sie wahrscheinlich alle so dämlich, dass sie auf Privatschulen gehen müssen. Was wollen wir da mit noch einer? Schließlich springt ja kein Geld dabei heraus. Wenn es ein Junge wäre, könnte er wenigstens auf dem Hof mithelfen.«
»Typisch schäbiger, kleingeistiger Bauer«, hatte Prue seinerzeit gedacht. Doch wie üblich hatte sie nichts gesagt. Prue ging so einiges durch den Kopf, was ihren Mann schwer gewundert hätte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

‹  Zurück zur Artikelübersicht