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Ein Mädchen
 
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Ein Mädchen [Gebundene Ausgabe]

Catherine Breillat
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Kowalke (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3932191269
  • ISBN-13: 978-3932191268
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 970.085 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Seelenstriptease und sexuelle Phantasmen

Neue Studien zur Intersexualität aus Frankreich

Von Thomas Laux

Im Grunde ist man das aus Frankreich gewohnt: In welchem anderen Land werden traditionelle Tabuthemen wie Sex, Pornographie und Obszönität schon so massiv über die Literatur zur Sprache gebracht? Neuerdings ergreifen vermehrt Frauen das Wort.

Die Klassiker beiseite lassend, könnte man rasch ein paar Namen aus der jüngeren Skandalgeschichte der erotischen Literatur zitieren – Guyotat, Matzneff, Guibert, Collard, Calaferte etwa –, um noch einmal an die geradezu niedliche Aufgeregtheit zu erinnern, die sich hernach auf ein paar Debatten im Fernsehen und in den Feuilletons erstreckte. Peanuts, verglichen mit dem, was uns derzeit aus Paris erreicht. Vergessen sind Michel Houellebecqs spätexistenzialistische Abgesänge, jetzt melden sich auffallend viele Frauen zu Wort, die mit neuer Offenheit uralte Tabus in Angriff nehmen: Angot, Breillat, Despentes, Millet – so heissen die scharfen Spitzen aus einer Phalanx selbstbewusster Autorinnen. Seit einigen Monaten, und mittlerweile weit über Frankreich hinaus, sorgen sie für Diskussion und damit für den guten Verkauf ihrer Bücher. Sie verstören durch ihre Art, alte Verbote zu überschreiten und bislang ausgegrenzte Themen zur weiblichen Sexualität radikal und unverblümt anzugehen. Der ganze Bereich von Sex und Pornographie wird nun munter aufgemischt und moralisch dekonstruiert; geradezu hemmungslos berichten sie, worüber andere sonst nie zu sprechen wagten.

Zum Beispiel Catherine Millet. Für die schonungslose Offenlegung ihrer Intimsphäre bekommt sie Beifall gar von intellektueller Seite (Philippe Sollers und Josyane Savigneau, Literaturkritikerin von «Le Monde», äusserten sich begeistert), dabei sind aufgeklärt-feministische Töne dieser Frau vollkommen fremd. Kritischere Stimmen, die die breit rezipierte Schockwirkung bereits auf kleine Flamme heruntergefahren haben möchten, sind noch zaghaft, werden aber deutlicher, scheinheilige Ablehnung ist ohnehin verbürgt: Die Supermarktkette Auchan nahm Millets Bestseller «La vie sexuelle de Catherine M.» aus den Regalen; dass direkt neben der Fleischtheke ein Buch zu kaufen war, welches die reine Fleischbeschau in Szene setzte, passte der Chefetage nicht in den Kram.

Catherine Millet hat es als Chefin der Zeitschrift «Art press» vornehmlich mit kunstwissenschaftlichen Themen zu tun. Insofern kommt die Aufregung um ein von ihr verfasstes Buch, das ihr dreissigjähriges Sexleben zum Thema hat, nicht von ungefähr. Ihr Bericht ist eine Art sexuelles Selbstporträt und hat mit Bekenntnisliteratur im Grunde nichts zu tun. Was aber auffällt, ist der seltsam neutrale, jederzeit unromantische und analytische Blick auf das Geschehen. Die von ihr hoch geschätzten Sexorgien («partouzes») kann Catherine  M. im Detail beschreiben und dabei auch ihr Augenmerk auf gewisse (vormals intime) Einzelheiten legen – zur Stimulation des Lesers sind sie vollkommen untauglich. Schon gar nicht erfährt man etwas über tiefere Gefühle, womöglich über unerforschte Facetten der Lust. Vielmehr herrscht hier die öde Dramaturgie des Immergleichen, mit den ewig austauschbaren Mechanismen der Penetration. Ihr Bericht wirkt in einer stupenden Art kalt, die Kopulationen verstören, paradox genug, gerade durch ihre auffallende Leidenschaftslosigkeit. Trotz wiederholt eingeklagter «fantasmes», die sie auf diesen Orgien oder in irgendwelchen Hinterkammern ausleben will, kommt allenfalls das Standardprogramm der sexuellen Ausschweifung zur Anwendung, nichts, das auch nur ansatzweise auf eine originelle, neuartige Beschreibung, gar auf eine erotische Auslotung des Sexus hinausliefe. Dass man sich bei den stereotypen Beschreibungen dieser «Intersexualität» sogar noch abgrundtief langweilen kann, sollte bei allem Eingeständnis von geschlechtsspezifischen Differenzen des Lesens nicht unerwähnt bleiben.

Catherine Breillats Bücher (und Filme) sind von anderem Kaliber. Sex ist zwar auch ihr Leib- und Magenthema, doch die heute 52-Jährige attackiert zudem, fast schon leicht militant vorgehend, die Pornoindustrie; sie bedient sich gleichsam ihrer Mittel, um sie zu denunzieren. Statt also die zugrunde liegenden Mechanismen nur voyeuristisch in Szene zu setzen, reflektiert und überschreitet sie sie. Ihr Film «Romance» (von 1999) verhandelt auch einen Moment sexueller Authentizität: Ist Sex wesentlich im Plot verankert, dann darf er auch gezeigt werden, er soll, wie sie in einem Interview sagte, «aus seinem Ghetto» befreit werden. Eine frühe Auseinandersetzung mit diesem Thema liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Der Roman «Ein Mädchen» («Une vraie jeune fille»), bereits 1973 verfasst, 1976 von ihr verfilmt, gelangte unlängst zum ersten Mal in die französischen Kinos.

Beschrieben ist die aufkeimende Sexualität einer Pubertierenden, die ihre Gefühle und emotionalen Unsicherheiten zwischen Lust und Ekel zu sortieren sucht. Bei dieser «Education sexuelle» tauchen Bilder einer noch ungelenken Sexualität mit schockierender Wucht auf. Einziger Einwand: Ein transzendierender Erzählerblick unterwandert die postulierte Echtheit. «Gras, das so trocken war wie ausgedörrte Mösen» passt als Beobachtung nicht zur pubertierenden Alice, sondern ist eine Projektion der Erwachsenen (bzw. der Erzählerin). Dass der unter den Rock greifende Wind erste sensuelle Momente verschafft, lässt man gelten; dass Alice über den Tee räsoniert und lieber Sperma im Tee hätte als Milch, dass ihre «albern geformte Vagina» eitert, dass sie ihre Ausscheidungen insgesamt als abnorm und schmutzig erachtet, mag psychologisch tiefer ansetzen, wirkt gleichzeitig, in der oft halluzinatorisch vorgetragenen Form, einfach bemüht. Und dennoch ist, im Gegensatz zu Millet, Sexualität als etwas Sinnliches, Erstes oder Neues erfahrbar gezeigt – womit endlich auch literarische Relevanz zur Geltung kommt.

Stärker als mit Virginie Despentes Buch «Baise-moi» (der Film zum Buch gelangte auf den französischen Index) könnte wiederum der Gegensatz zu Millet, aber auch zu Breillat, nicht markiert werden. Männer werden nach vollzogenem Koitus in furioser Weise umgebracht, doch ist diese männermordende Variante nicht gewissen «Spielformen» der Tierwelt abgeguckt. Es geht – zumindest angeblich – sogar um politische Dinge. Es vollziehe sich hier, wie die Autorin (Ex-Punkerin und Ex-Stripteasetänzerin) einmal kommentierte, auch die Rache für die Jahrhunderte der Unterdrückung der Frau. Gewalt und Pornographie erscheinen bei Despentes nur in geschlechtsspezifisch gespiegelter Form. Mit gleicher Münze wird heimgezahlt, und die sinnlosen Gewaltorgien sprengen zugleich alle weiteren literarischen Wertungsversuche.

Immerhin verzichtet ihr neuestes Buch, «Pauline und Claudine», weitgehend auf derartige reisserische Attitüden. Bei dieser Geschichte zweier Zwillingsschwestern, von denen die eine beim Tod der anderen deren Identität annimmt, fällt eine derbe, den jugendlichen Slang stilisierende Diktion auf. Sichtlich ist Despentes um Lokalkolorit und Authentizität bemüht; Szenen mit hartem Sex sind vergleichsweise selten. In seinen besten Passagen zeigt der Roman die eher psychologische Nacktheit und Verletzlichkeit der jugendlichen Protagonisten: womit mit dem Fallenlassen von Hüllen endlich auch mal nicht nur Striptease gemeint ist.

Christine Angot schliesslich beschreibt in ihrem Buch «Inzest» die dreimonatige Liebe der Erzählerin zu ihrer Ärztin. Sie deutet ihre Befindlichkeit als Liebeskrankheit, als eine Art temporäre sexuelle Verwirrung, womit sogleich klar ist, dass hier kein lesbisches Coming-out und keine grundsätzliche Überschreitung bürgerlicher Normen anvisiert ist, sondern im Gegenteil der Wunsch nach einer Heilung, die sich, überraschend genug, an den Richtlinien des «richtigen» (Sexual-)Verhaltens orientiert. Von Anfang an zeigt sich die Erzählerin emotional aufgewühlt, eine gewisse Hektik oder gar Hysterie lässt sich an den atemlos vorgetragenen Staccato-Sätzen und den heillosen Gedankensprüngen ablesen. Letztlich umkreist sie diskursiv ihre eigene Ausnahmesituation und konstatiert vor allem ihre «Perversion», ihre «Paranoia». Auch die Krankheit in der Liebe will geheilt sein – ein beinahe romantisches Relikt –, und so wird der komplizierte Versuch gezeigt, diese temporär-lesbische Beziehung zu beenden.

Hinzu kommt nun allerdings die (titelgebende) «Urkrise», der Inzest, die – erst spät eingestandene – Vergewaltigung durch den eigenen Vater, als die Erzählerin noch Kind war. In Angots Kommentaren zu dem Buch wird deutlich: Inzest und Homosexualität finden bei ihr einen gemeinsamen Nenner in ihrer Ausrichtung auf das Gleichartige. Diese Relevanz ist freilich rein subjektiv, auch wenn die Bezüge tiefenpsychologische Bedeutung haben mögen. Auch hier bleibt die Feststellung, dass dieser als «autofiction» verklausulierte Bericht keinen literarischen Höhenflug leistet. Angot will die totale Verstörung über diese «Heimsuchung» in all ihren Ausmassen neu durchdeklinieren und wählt die Literatur als Medium. Unter der Oberfläche von Verwundung und Vernarbung bleibt ein psychoanalytisch angereicherter Stoff sichtbar, schwer und irritierend.

Schliesslich aber zeigen all die verschiedenen Innenansichten eines: dass bei dieser neuen «Skandalwelle» vor allem die Erotik auf der Strecke geblieben und Exhibitionismus umso mehr angesagt ist. Literarisch fällt der Zugewinn sehr bescheiden aus, einzig Breillat macht dem Leser Lust auf mehr. Wenn die narzisstische Nabelschau dereinst vorbei ist, wird man sich wohl wieder einmal fragen: War da was?


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
53 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Das Mädchen hat Ferien, es nimmt den Zug und fährt nach Hause in die französische Provinz. Der Rhythmus, in dem die Waggons über die Gleisschwellen klappern, scheint die Gedanken zu lockern. Das Mädchen denkt schnell. Es sitzt auf dem Klo: „Ihr Blick richtete sich auf das Schnappschloss, es war eingerastet, aber man konnte nie wissen, und mit der Landschaft, die unter der Kloschüssel vorbeirauschte, wo sich, die Beine gespreizt, über stinkenden lauen Lüften die leuchtende Rose in Krämpfen öffnete, bekam all das verblüffende Ausmaße: Lust, Scham, Widerwillen." „Das Mädchen" ist ein Buch der verblüffenden Ausmaße: Lust, Scham, Widerwillen; eine vor Hitze flirrende Pubertätsprosa, der man sich kaum entziehen kann. Da gibt es Stellen, wo das eine nicht zum anderen passt. Aber das ist nun mal so, wenn man Gedanken aus der Tiefe auftauchen lässt und dann einfach loslässt. Das Buch ist also genauso, wie das Mädchen Alice mit seiner erwachenden Sexualität umgeht: mal lockend, mal blockend, immer in der Furcht, ertappt zu werden. Das Schnappschloss könnte eingerastet sein - oder auch nicht. Es gibt da eine Szene, die zu den stärksten, zu den zwiespältigsten und natürlich auch zu den gefährlichsten gehört. Alice fantasiert sich in eine Begegnung mit Jim hinein, der im Sägewerk ihres Vaters arbeitet. Sie streckt sich, gefesselt mit einem Viehdraht, nackt unter der Mittagssonne aus, und sie lässt es geschehen, dass Jim unter höhnischem Lachen einen Regenwurm in ihr Geschlecht schiebt. Manchmal sieht die Szenerie aus, wie von Ödön van Horváth erfunden, dann, wenn eine kleine Kapelle zum Tanz aufspielt und sich die Paare im Regen drehen. Oder wenn sich der Vater von Alice mit seiner Geliebten zwischen den Dünen vergnügt. Man spürt einen Horváthschen Drang, eine Horváthsche Sehnsucht in den Figuren. Und auch eine gewisse Klebrigkeit und Glitschigkeit - Harz, Eidotter, Blut, Schleim. Einmal sagt Alice: Ich kenne die Symbole. Sie machen mir keine Angst.

Symbole sind der Sprache voraus. Man reagiert auf sie, ohne dass man schon sagen könnte, was sie im Einzelnen bedeuten. Das, was immer wieder als anstößig empfunden wird, ist der Blick auf die weibliche Sexualität. Man hat sich ja angewöhnt, sie auszuschließen und ihr in einer totalitären Haltung jedes Recht zu verweigern. Dabei ist die Sprache der männlichen Sexualität ziemlich kümmerlich. Sie ist auf die körperliche Vereinigung, auf das sexuelle Vergnügen reduziert. Und die Frauen sind nicht selten dazu degradiert, gebumst zu werden. Dem setzt da Buch etwas ganz Anderes entgegen, Vorstellungen, Wünsche, Fantasien, Ängste.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zauber des Konkreten 28. Juli 2007
Von Rolf Blatzheim VINE™-PRODUKTTESTER
Ist es ein gutes Buch oder ein schlechtes ? Die Antwort fällt leicht: "Ein Mädchen" ist ein gutes Buch; sehr gut wäre eine unwichtige Steigerung. Zu dieser romanhaften Erzählung ist einiges gesagt und geschrieben worden. Um es vorwegzunehmen -: weder zur Konsternierung noch zur Aufgeregtheit gibt es Gründe. Im Gegenteil; zum Glück gibt es diese autobiografische Erzählung. Dieses Glück hat nur 164 Seiten und brauchte die Barmherzigkeit der erwachsenen Erzählerin Catherine Breillat.

Ein Mädchen, sie trägt den Namen Alice Bonnard, ist 16 und stellt mit Interesse und Verwirrung ihre eigene aufkeimende Sexualität fest, die mehr und mehr Besitz von ihr ergreift. Die erstmals tiefgreifende Gespaltenheit gegenüber allen natürlichen körperlichen "Vorgängen" kann realer und widerspruchsloser nicht beschrieben werden. Fabelhaft, wie gelassen die Erzählerin dieses Tabu (Alice in uns) bricht und vorführt. Die Erkundung der eigenen Sexualität vernetzt sich mit neuen Interessen und einer neuen Auslegung ihrer Umwelt. Alice besucht ein Internat, doch in den Ferien kehrt sie zurück in die französische Provinz. Hier ist sie wie gefangen zwischen ihrem gewöhnlichen Vater und ihrer frustrierten, gegenüber Alice niederträchtigen Mutter. Alice Eltern haben nichts anderes zu tun, als sich tagsüber in ihre Arbeit zu stürzen und die Abende vor dem Fernseher zu verbringen. Beide sind seit Jahren in der endgültigen Kombination von Sackgasse und Einbahnstraße angelangt ... und Alice ist die Geisterfahrerin, die ihnen jetzt entgegenkommt.

Mit zunehmenden Maß ist Alice von diesem Leben angewidert und wird sich zugleich des Leidens an einer bereits über die Kernfamilie hinausgehenden ungeistigen Umwelt ihres Aufenthaltsortes schmerzlich bewusst. Alice Bonnard ist klug und denkt schnell, kann die (selbst scheinbare) Ordnung der Dinge allein mit der Kraft ihrer Blicke sprengen. Alles scheint plötzlich in ihrer Umwelt mit Sexualität zu tun zu haben oder in Verbindung zu stehen. So werden das Erbrechen zu einer sinnlichen Erfahrung, Flaschen, Finger, Dünengras, Hühnerfedern, der Hofhund und ihr Fahrradsattel wie beiläufig zu Masturbationshilfsmitteln. Auch hat Alice Spaß daran, etwas exhibitionistisch zu sein und wagt schon ihre ersten Versuche sich einem Mann zu nähern - zunächst vorsichtig aus der Deckung, bis sie versucht, ihn mehr und mehr - und das ganz unstilistisch - zu verführen.

Alice Bonnard ist in verschiedene Weltwahrnehmungsweisen isoliert. Es geht auch weniger um das, was erzählt wird, als um eine Einübung in innere Einkehr und Konzentration, Welt, Wesen und Zustand einer erstmals herausfordernden Beobachterin, friedfertigen Träumerin und erwachenden Sammlerin und Jägerin zu zeichnen. Beschriebene Empfindungsfähigkeit geht vor ästhetischer Reflexion. Davon gibt es nun wirklich genug. Doch Alice Wachheit und Traum, Fühlen und Denken sind so verschmolzen, dass daraus eine gesteigerte Sensibilität entsteht. Ein merkwürdig schillerndes kleines Buch: radikal im Gestus, widersprüchlich in seiner ungestümen, nackten und wirklich schonungslosen Sinnlichkeit, irritierend in seiner gelegentlich kostbar tönenden Sprache, faszinierend in seiner mythischen Unabschließbarkeit. Es wird beglückt und entgrenzt zugleich. Welche Alice Bonnard sollte denn erstehen, für was, bitte, sollte sie stehen ? Literatur kann auch dazu dienen, aufzuräumen und Platz zu schaffen für neue Möglichkeiten.

"Ein Mädchen" belebt in seiner Erzählung auch die Idee vom erfüllten sinnlichen Augenblick bereits in jenem Alter von Alice Bonnard, sprich Catherine Breillat. Alice ist schon jetzt die Gegenfigur zu Faust. Faust möchte den erfüllten Augenblick verewigen. Alice will den erfüllten Augenblick wiederholen.

Catherine Breillat ist die übersinnliche und magische Kraft der alten Legende vom Sinnesmenschen natürlich nicht fremd. Wer sich als Leser daher am bisweilen vermeintlichen Erwachsenenton stößt, dem mag entgangen sein, wie ernst vieles, sogar gerade "das", worum es in der Erzählung geht, in Alice Alter ist. Alice Blick erfasst mehr und anderes als der erwachsene Erzähler. Alice Bonnard weiß, es wird endlich ernst, es kann ernst werden, und das erlebt sie als Befreiung, als Erlösung. Man kann es auch Gnade nennen. Dieser kompositorische Auftrag ist Catherine Breillat vollauf gelungen.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Obszönität??? Na ,ja - es wird manchmal Umgangssprache verwendet.
Erotisch? Nö, definitiv nicht!
Klassiker oder "muss gelesen haben" - wieso, sehe keinen Sinn!

Das Buch beschreibt ein pubertierendes Mädchen und ist genauso für diese Zielgruppe.
Warum Männer Frauen nicht verstehen, wird in dem Buch zu tragen kommen. Ich hab's gelesen und na ja, hätte die Zeit sinnvoller nutzen können, wie beim Bahn fahren aus dem Fenster zu schauen!
Vielleicht ist das Buch noch für Philosophen oder Deutschlehrer/innen interessant. Schüler wären wahrscheinlich nur amüsiert, weil so oft über's urinieren geschrieben wird.

Bin verwundert über die Rezession, dass die Bewertung mit 5 Sterne so viel anklang gefunden hat, das Buch selbst so wenig Bewertungen hat.

2 Sterne, weil es geht bestimmt noch schlechter, war aber knapp!

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