Kurzbeschreibung
Anna liebt Lars, immer montags im Nobelhotel Ramses. Verheiratet ist sie mit Rainer, dem scheinbar so braven Rechtsanwalt. Aber natürlich weiß Anna auch nichts von Gudrun, Rainers bezahltem Dauerverhältnis. Eigentlich könnte alles so bleiben - würde nicht der Tote im Ramses einen Strich durch ihre Rechnung machen. Unversehens wird Anna in einen Fall hineingezogen, in dem bereits ganz andere Mächte am Werk sind ...
Gaby Hauptmann, geboren 1957 in Trossingen, lebt als freie Journalistin, Filmemacherin und Autorin in Allensbach am Bodensee. Sie schrieb verschiedene Bestseller, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Gaby Hauptmann, geboren 1957 in Trossingen, lebt als freie Journalistin, Filmemacherin und Autorin in Allensbach am Bodensee. Sie schrieb verschiedene Bestseller, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Autorenportrait
Gaby Hauptmann, geboren 1957 in Trossingen, lebt als freie Journalistin, Filmemacherin und Autorin in Allensbach am Bodensee. Sie schrieb verschiedene Bestseller, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Auszug aus Ein Liebhaber zuviel ist noch zu wenig von Gaby Hauptmann. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Anna schaute auf die Uhr, während sie die Spülmaschine in Gang setzte. Sie platzte fast vor Ungeduld. Sie war dreiunddreißig Jahre alt, hatte geheiratet, weil sie vor zehn Jahren geglaubt hatte, Rainer sei ihre große Liebe, und weil ihre Mutter gesagt hatte, ein Anwalt sei eine gute Partie, etwas fürs Leben. Rechtschaffen, angesehen, treu. Möglicherweise war er das auch. Aber er war noch etwas anderes: entsetzlich langweilig. Das hatte ihre Mutter zu erwähnen vergessen.
Und Anna hatte einen Ausweg gesucht und auf der Silvesterparty vor einem Jahr im Freundeskreis Lars gefunden. Den Mann fürs Abenteuer. Ständig unterwegs als Vertreter der Pharmaindustrie, mit dem Gesicht und dem Körper eines amerikanischen Baseballspielers. Herbe, kantige Züge mit stechend blauen Augen und sichtbar muskelbepackt. Sie versuchte sich in ihn zu verlieben, denn ihn nur fürs Bett zu wollen erschien ihr, das war eine Mitgift ihrer Erziehung, anstößig. Es gab bei der Geschichte jedoch zwei Schönheitsfehler: Rainer fand Lars auch gut und versuchte ihn ständig für eine Männerfreundschaft zu gewinnen, so kamen die beiden in den Freundeskreis, und - Lars war verheiratet. Das war eigentlich nicht weiter schlimm, denn so blieb das Gleichgewicht erhalten, bloß Bettina war ein fürchterliches Pflänzchen. Alleine kaum lebensfähig. Bis heute war es Anna ein Rätsel, wie sich Lars in sie hatte verlieben können.
Bereits halb zehn, gleich müßte sie auch aus dem Haus, und Lars hatte sich noch immer nicht gemeldet. Bettina sollte längst in ihrem Kulturamt sitzen. Endlich klingelte Annas Handy, und das Display verriet Lars' Nummer. "Na, endlich!" sagte sie, kaum daß sie seine Stimme hörte.
"Ging nicht eher!" Es klang abwehrend, der typische Ton in seiner Stimme, sobald er sich angegriffen fühlte. Anna beschloß, nicht weiter zu bohren, sondern lieber gleich zum Wesentlichen zu kommen.
"Hast du heute schon die Zeitung gelesen? Der Typ, den wir gestern im Ramses gehört ..."
... gestört", unterbrach er sie.
Anna achtete nicht darauf. " ... gehört haben", fuhr sie fort, "ist tot! Erstochen!"
"Und zwar ist er erstochen worden, nachdem er bereits tot war!" Lars' Stimme klang gleichgültig.
Anna hielt kurz inne. "Was ist denn das für ein Blödsinn?"
"Du solltest, wenn du schon liest, die Zeitung richtig lesen. Mutmaßlicher Todeszeitpunkt war gegen die Mittagszeit. Er wird aber noch obduziert."
Anna schwieg. Er hatte recht. Demnach hätten sie einen Toten beim Beischlaf gestört.
"Aber das kann nicht sein", sagte sie schließlich nachdenklich, um sich dann, heftiger werdend, zu wiederholen. "Das kann nicht sein! So ein Quatsch! Wir haben ihn doch noch gehört. Das war, wart mal, gegen vier Uhr!"
"Stimmt!"
"Das müssen wir melden!" Anna kratzte sich ihren Pickel am Nacken auf. Das tat sie immer, wenn sie aufgeregt oder nervös war. Ein Pickel ohne Chance auf Heilung.
Lars dachte nicht an eine Anzeige. "Und wie willst du erklären, was du in der Zeit in Zimmer 416 zu tun hattest, hm? Betten aufschütteln?"
Anna ließ von ihrem Pickel ab und betrachtete das Blut unter ihrem Fingernagel. Da hatte er natürlich recht. Es gab keinen Vorwand, unter dem sie ihre Neuigkeit hätte loswerden können. "Aber ist man nicht gesetzlich zu einer Aussage verpflichtet, wenn man dazu beitragen kann, einen solchen Fall aufzuklären?"
"Kannst ja Rainer fragen!"
"Sei nicht so sarkastisch!"
"Sei nicht so naiv!"
Anna verstummte. Es hatte keinen Sinn, sich mit Lars darüber zu unterhalten. Aber mit wem sonst?
Lars legte auf. Es fehlte noch, daß Anna aus purer Sensationslust ihre kleine Romanze auffliegen ließ. Das war das Ganze wahrlich nicht wert. Der Kerl war tot, was gab es da noch zu retten? Lars steckte sein Handy ein und griff nach seiner Reisetasche. Bettina ließ es sich nicht nehmen, sie vor seinen Reisen für ihn zu packen. Doch was er anfänglich als kleinen Liebesdienst einer fürsorglichen Ehefrau verstanden hatte, wurde ihm zusehends lästig. Es hatte den Nachteil, daß sie über alles informiert war, was er auf seinen Reisen so bei sich trug. Noch nicht einmal einen neuen Slip konnte er einstecken, ohne daß entsprechende Nachfragen kamen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Und Anna hatte einen Ausweg gesucht und auf der Silvesterparty vor einem Jahr im Freundeskreis Lars gefunden. Den Mann fürs Abenteuer. Ständig unterwegs als Vertreter der Pharmaindustrie, mit dem Gesicht und dem Körper eines amerikanischen Baseballspielers. Herbe, kantige Züge mit stechend blauen Augen und sichtbar muskelbepackt. Sie versuchte sich in ihn zu verlieben, denn ihn nur fürs Bett zu wollen erschien ihr, das war eine Mitgift ihrer Erziehung, anstößig. Es gab bei der Geschichte jedoch zwei Schönheitsfehler: Rainer fand Lars auch gut und versuchte ihn ständig für eine Männerfreundschaft zu gewinnen, so kamen die beiden in den Freundeskreis, und - Lars war verheiratet. Das war eigentlich nicht weiter schlimm, denn so blieb das Gleichgewicht erhalten, bloß Bettina war ein fürchterliches Pflänzchen. Alleine kaum lebensfähig. Bis heute war es Anna ein Rätsel, wie sich Lars in sie hatte verlieben können.
Bereits halb zehn, gleich müßte sie auch aus dem Haus, und Lars hatte sich noch immer nicht gemeldet. Bettina sollte längst in ihrem Kulturamt sitzen. Endlich klingelte Annas Handy, und das Display verriet Lars' Nummer. "Na, endlich!" sagte sie, kaum daß sie seine Stimme hörte.
"Ging nicht eher!" Es klang abwehrend, der typische Ton in seiner Stimme, sobald er sich angegriffen fühlte. Anna beschloß, nicht weiter zu bohren, sondern lieber gleich zum Wesentlichen zu kommen.
"Hast du heute schon die Zeitung gelesen? Der Typ, den wir gestern im Ramses gehört ..."
... gestört", unterbrach er sie.
Anna achtete nicht darauf. " ... gehört haben", fuhr sie fort, "ist tot! Erstochen!"
"Und zwar ist er erstochen worden, nachdem er bereits tot war!" Lars' Stimme klang gleichgültig.
Anna hielt kurz inne. "Was ist denn das für ein Blödsinn?"
"Du solltest, wenn du schon liest, die Zeitung richtig lesen. Mutmaßlicher Todeszeitpunkt war gegen die Mittagszeit. Er wird aber noch obduziert."
Anna schwieg. Er hatte recht. Demnach hätten sie einen Toten beim Beischlaf gestört.
"Aber das kann nicht sein", sagte sie schließlich nachdenklich, um sich dann, heftiger werdend, zu wiederholen. "Das kann nicht sein! So ein Quatsch! Wir haben ihn doch noch gehört. Das war, wart mal, gegen vier Uhr!"
"Stimmt!"
"Das müssen wir melden!" Anna kratzte sich ihren Pickel am Nacken auf. Das tat sie immer, wenn sie aufgeregt oder nervös war. Ein Pickel ohne Chance auf Heilung.
Lars dachte nicht an eine Anzeige. "Und wie willst du erklären, was du in der Zeit in Zimmer 416 zu tun hattest, hm? Betten aufschütteln?"
Anna ließ von ihrem Pickel ab und betrachtete das Blut unter ihrem Fingernagel. Da hatte er natürlich recht. Es gab keinen Vorwand, unter dem sie ihre Neuigkeit hätte loswerden können. "Aber ist man nicht gesetzlich zu einer Aussage verpflichtet, wenn man dazu beitragen kann, einen solchen Fall aufzuklären?"
"Kannst ja Rainer fragen!"
"Sei nicht so sarkastisch!"
"Sei nicht so naiv!"
Anna verstummte. Es hatte keinen Sinn, sich mit Lars darüber zu unterhalten. Aber mit wem sonst?
Lars legte auf. Es fehlte noch, daß Anna aus purer Sensationslust ihre kleine Romanze auffliegen ließ. Das war das Ganze wahrlich nicht wert. Der Kerl war tot, was gab es da noch zu retten? Lars steckte sein Handy ein und griff nach seiner Reisetasche. Bettina ließ es sich nicht nehmen, sie vor seinen Reisen für ihn zu packen. Doch was er anfänglich als kleinen Liebesdienst einer fürsorglichen Ehefrau verstanden hatte, wurde ihm zusehends lästig. Es hatte den Nachteil, daß sie über alles informiert war, was er auf seinen Reisen so bei sich trug. Noch nicht einmal einen neuen Slip konnte er einstecken, ohne daß entsprechende Nachfragen kamen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.