Esther Mujawayo ist Zeitzeugin des Genozids in Ruanda 1994. Wie allen anderen Überlebenden erscheint ihr ihr Überleben als Wunder und ebenso wie alle anderen quält sie neben den furchtbaren Erinnerungen an die Massaker und dem überwältigenden Verlust von zahlreichen Angehörigen die Frage warum sie überlebte. Erst nach einem langen Weg kann sie das schätzen, was ihr geblieben ist und kann so überleben, nicht nur physisch, sondern als Mensch und Frau.
Sie ist als einige der wenigen Witwen des Völkermordes privilegiert in ihren finanziellen, vor allem aber intellektuellen Möglichkeiten , die ihr die Bildung ihres Vaters hinterlassen hat. Sie ist Mitbegründerin der Avega, eine bis heute tätige Organisation, die sich um die Belange der Witwen kümmert, langjährige Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Oxfam und später Traumatherapeutin geworden.
Ihre Retrospektive, die authentisch ihre Erinnerungen an den Genozid aufzeichnet, skizziert ein Bild dieses ostafrikanischen Landes vor, während und nach der Katastrophe. Esther versteht es, dem Leser das Grauen dieser 100 Tage zu vermitteln, auch ohne die blutigen Abläufe detailliert darzustellen. Ihre Geschichte liest sich nicht als Spendenappell (auch wenn der Leser sich kaum eines Hilfegefühles entziehen kann), sondern vielmehr als Chronik eines in Europa nicht sehr beachteten Genozids, an dessen Entstehung und Ablauf die Europäer nicht schuldlos sind.