...und alles was geschieht nie gewesen sein." So beendet der Ich-Erzähler Adam Stein(Jeff Goldblum) die Geschichte von -Ein Leben für ein Leben-. Paul Schrader hat mit der Verfilmung von Yoram Kaniuks Romanklassiker ein Stück Lebensgeschichte auf Zelluloid gebannt, das alles andere als alltäglich ist. -Ein Leben für ein Leben- ist dabei keine leichte Kost für den Filmzuschauer. Wer jedoch mit verstörend beklemmenden Bildern, die trotz all dem Leid auch Hoffnung und Liebe ausstrahlen, klar kommt, der wird Schraders Film in sein Herz schließen. Das Highlight der Romanverfilmung ist ohne wenn und aber die Besetzungsliste des Films. Wie Goldblum, Dafoe, Zurer, Krol und(wenn auch nur in einer kleinen Nebenrolle) Bleibtreu die Story des Adam Stein erzählen, das lässt in keinem Punkt zu wünschen übrig.
Tel Aviv 1961. Im Seizling-Institut, mitten in der Wüste, kümmert sich ein Team von Ärzten und Pflegern um Überlebende KZ-Opfer der Nazizeit. Die Insassen sind psychisch schwer geschädigt und kommen ohne Hilfe nicht mehr zurecht. Bis auf Adam Stein. Der ehemalige Zirkusclown, Varietekünstler und begnadete Empath ist die absolute Ausnahme im Institut. Doch Adam ist schwierig. Er verlässt das Institut und muss wieder zurückgeholt werden. Im Institut ist er so etwas wie eine feste Größe. Er berät den Klinikchef Groß(Derek Jacobi), legt die Oberschwester Gina(Ayelet Zurer) regelmäßig aufs Kreuz und hält Vorträge für die Insassen. Nebenbei schreibt er die Grabrede für den, noch lebenden, Wolfowitz(Joachim Krol). Erst nach und nach weiht uns Adam in seine eigene Geschichte ein.
Wir folgen ihm ins Berlin der Jahre 1925 bis 1940. Darüberhinaus begleiten wir ihn uns seine Familie ins Konzentrationslager, das von Commandant Klein(Willam Dafoe) gnadenlos geführt wird. Klein kennt Adam von seinen Auftritten her und hat sich für den Künstler etwas ganz besonderes ausgedacht.
Als Adam im Seizling-Institut einen jungen Patienten entdeckt, der sich für einen Hund hält, bricht die Erinnerung erneut über ihn herein. Adam erlebt noch einmal sein Schicksal unter Commandant Klein und sein "Leben als Hund". So findet er Zugang zu dem Jungen, arbeitet sein eigenes Schicksal Stück für Stück auf und scheint daran zu zerbrechen...
Paul Schrader, immerhin verantwortlich für die Drehbücher zu -Taxi Driver- und -Wie ein wilder Stier- hat ein Händchen für Außenseiter. Der Charakter Adam Stein eignet sich da vorzüglich für eine Geschichte. In harten schwarz-weiß Blenden führt Schrader uns in die Vergangenheit. Das Lagerleben unter Klein oder die Auftritte in Berlin, all das verbinden surreale Bilder mit ungemein authentischen Einstellungen. Wenn Adam, bei seinem Eintreffen im Lager zu Klein sagt: "Ich mach' doch nur Zirkus" treten einem fast die Tränen in die Augen. Schrader nimmt Steins Schicksal glasklar in den Fokus. Das ist in Teilbereichen schwer anzusehen, dann aber wieder entwaffnend offen und ehrlich.
-Ein Leben für ein Leben- lief im Programm der Berlinale. Der Film ist tief bewegend, eignet sich aber ganz sicher nicht zum "anschauen zwischendurch". Schrader wirft dabei einen etwas anderen Blick auf die NS-Zeit und die Schicksale der Überlebenden. Er kommt dabei ohne erhobenen Zeigefinger oder große politische Aussagen aus und legt unglaublich viel Wert auf die Charaktere der Geschichte. Das ist ihm voll und ganz gelungen. Wie Jeff Goldblum in dieser Rolle brilliert, ist absolut sehenswert. Nur ein Vollblutmime kann es schaffen, diesen zerrissenen Charakter so glaubhaft darzustellen. Die Nebenrollen, egal ob Schwester Gina oder der kauzige Wolfowitz sind mit Ayele Zurer und Joachim Krol hochwertig besetzt.
Mein Fazit: -Ein Leben für ein Leben- ist anspruchvolles Kino der gehobenen Güteklasse. Einige Zuschauer werden mit Schraders Reise durch Adam Steins Leben nicht viel anfangen können und den Film vielleicht als "künstlerisch überladen" empfinden. Andere werden sich rückhaltlos dafür begeistern können. Bleibt für sie also wieder mal nur der Tip: Entscheiden sie selbst.