Pressestimmen
"Bin fest entschlossen, dass die Welt mich versteht." (
OSCAR WILDE )
"... weil Briefe ihm nichts anderes als die Fortsetzung der Konversation mit bleibenden Mitteln waren, ist 'Ein Leben in Briefen' unzweifelhaft die kongeniale Art, Oscar Wildes Autobiographie zu verfassen: als Nachvollzug eines Lebenden am Selbstbildnis dieses Künstlers. Dafür hat Merlin Holland, der Herausgeber und Enkel, aus dem vorhandenen Material ... ein gutes Viertel ausgewählt, durch hilfreiche Erläuterungen in Form von Zwischentexten kommentiert ... Für die deutsche Fassung ... findet Henning Thies einen nuancenreiche, nur ganz vereinzelt etwas saloppe Sprache, bei der zwar die literarischen Echos des Englischen, aber keine Pointen auf der Strecke bleiben müssen. ... Entstanden ist so ein wahrhafter Briefroman, der den Größten seiner Gattung wie dem 'Werther' an Intensität nur wenig nachsteht und an abgründigem Witz naturgemäß weit überlegen ist." (
Frankfurter Allgemeine Zeitung )
"Es ist das Verdienst des Verlegers Karl Blessing, vor zwei Jahren die Dokumentation des beschämenden Prozesses gegen Wilde aus dem Jahre 1895 veröffentlicht zu haben, 'Oscar Wilde im Kreuzverhör', dazu ein kleines 'Album' mit Dokumenten und Fotos, nun folgen die Briefe, alles herausgegeben vom Wilde-Enkel Merlin Holland, umsichtig kommentiert, jedes Buch für sich eine aufreibende Lektüre. Sollte man ein Wort finden für den Eindruck, den die Briefe hinterlassen, dann wäre es, sofern man sich nach der Lektüre des Märchens von der Nachtigall so viel Pathos erlauben darf: die Großzügigkeit der Seele. Hier ist einer, der sich hingibt, der Liebe leider statt der Kunst, bis zur Vernichtung, aber nicht klagt, schon gar nicht über andere, sondern Schönes produziert. Und seien es Briefe." (
Die Zeit )
Kurzbeschreibung
»Es ist nicht klug, der Welt sein Herz zu zeigen. In einem so vulgären Zeitalter wie diesem benötigen wir alle Masken.« So kennt ihn die Welt – Oscar Wilde, den Meister der Selbstinszenierung, der mit Rollenspiel und faszinierenden Posen das Publikum seiner Zeit verzückte und auch verschreckte. In seinen Briefen dagegen erleben wir ihn unverstellt – spontan, warmherzig, freundschaftlich besorgt, boshaft, selbstironisch, berechnend, leidenschaftlich, alltagsnüchtern. In einer sehr persönlichen Briefauswahl bringt sein Enkel Merlin Holland uns den glänzenden Stilisten Wilde nahe, mehr aber noch: den Menschen.
Oscar Wilde hat kein intimes Tagebuch hinterlassen, und Memoiren zu schreiben lag ihm fern. Was ihn berühmt machte, waren elegante Komödien, zauberhafte Kunstmärchen und ein brillanter Roman. Ganz Gesellschaftslöwe, wie es schien. Einer, der auch in Amerika Furore machte: »Ich winke mit behandschuhter Hand und Elfenbeinstock, und sie jubeln mir zu.«
Doch dieses Leben kennt Höhenluft wie auch die Mühen der Ebene und sehr schmerzhafte Tiefen. All dies zeigen die Briefe. Einer glänzenden Außenseite – Wilde der Dandy, Wilde der genialisch-verruchte Künstler – fügen sie die Innenansicht hinzu. Erst durch sie lernen wir ihn als hart arbeitenden, professionellen Autor kennen, mit einem stets wachen Interesse für die Themen der Zeit. Dazu einen, der in seinem geistigen Gepäck etwas Seltenes aufzuweisen hatte: eine umfassende klassische, literarische und philosophische Bildung.
Merlin Holland beschäftigt sich seit fünfundzwanzig Jahren mit dem Werk seines Großvaters. Zusammen mit Rupert Hart-Davis gab er die erste vollständige Ausgabe von Wildes 1562 erhaltenen Briefen heraus. Hier legt er nun eine Auswahl von 400 Briefen vor, die einer Quintessenz gleichkommt. Denn das war seine Absicht: dieses spannungsreiche Leben in Briefen einzufangen und sie so zu arrangieren, dass der Akteur in neuem Licht erscheint. Ungeschönt, von allen Seiten erfasst – der Mensch Oscar Wilde.