Russland ist nicht gleich Russland. Es vereint in seiner Föderation zahlreiche Völker und Volksgruppen mit unterschiedlichster Sprache, Geschichte und Mythenbildung. Das macht die Literatur von dort noch facettenreicher und zum Teil faszinierender, wie im Fall Alan Tschertschessows, der aus der kleinen kaukasischen Republik Nordossetien stammt. In seinem zweiten Roman "Ein Kranz für das Grab des Windes" schafft er es mit unglaublich starken Bildern seine Leser unvergleichbar tief in eine düstere Gegend eintauchen zu lassen, die seit langer Zeit als verflucht gilt. Denn die Pest und ein unberechenbarer Fluss ließen das ganze Dorf aussterben. Die Beschreibungen von Menschen mit einem Blick "als seien sie schon mehrmals gestorben" ist dabei nur eines der originären Feinheiten dieser mehrschichtigen Lektüre.
Will man aber "Russland" richtig verstehen, hilft diese nicht viel weiter. Da empfiehlt sich etwa der Griff zu Mariusz Wilks "Schwarzes Eis" oder anderer bei der letzten Buchmesse erschienen Werke die etwas politischer daher kommen.