...lasse ich mich durch Ian McEwans Erzählstil gefangen nehmen. Wie kein anderer schafft er es, mit wenigen unverschnörkelten Sätzen eine Atmosphäre zu erzeugen, die so dicht verwoben scheint, dass man als Leser nur rein theoretisch noch einen Ausgang findet, praktisch ist man gefangen in der Geschichte. "Ein Kind zur Zeit" erzählt vom Verlust eines Menschen, in dem Fall der Tochter des Protagonisten Stephen, dem sein kleines Mädchen beim Besuch eines Supermarktes einfach abhanden kommt. So beginnt die Geschichte, in deren Verlauf Stephens Leben den Bach runtergeht. Der erfolgreiche Kinderbuchautor steht vor den Trümmern seiner Existenz und droht als Trinker, von Ehefrau und Freunden verlassen, stetig auf die Rückkehr der Tochter wartend und hoffend, dem Irrsinn zu verfallen.
Bei Ian McEwan hat man als Leser immer das Gefühl, dem Protagonisten einen Schritt voraus zu sein, immer ahnt man schon das drohende Fiasko und will nur eines, denjenigen zu warnen, in sein eigenes Unglück zu laufen. "Ein Kind zur Zeit" ist ein unsentimentaler und dennoch feinsinniger Roman, der viel Raum für eigene Gedanken lässt.