"Ein Kind" - seine ersten dreizehn Jahre betitelt (Niclaas) Thomas Bernhard einfach mit diesen zwei Wörtern.
Erschienen ist das 160 Seiten starke Buch 1982, und es sollte Bernhards Jugenderinnerungen abschließen.
Die zeigen nicht unbedingt das, was man so schöne Kindheit nennen würde: Er wurde 1931 als nichteheliches Kind in Heerlen geboren. Folgt man dem Autor, so war das Verhältnis zur Mutter, gelinde gesagt, angeknackst mit ihrer Verzweiflung und Wut auch auf den Kleinen. Die Schule gar stellte für den begabten Thomas eine Tortur dar. Das Motiv des Scheiterns erscheint hier bereits deutlich.
"Mein Großvater griff sich an den Kopf und sagte: wie gut, daß es nicht Passau ist, daß ich Salzburg für dich bestimmt habe" - der letzte Satz der Erzählung weist auf den Lichtblick der Erzählung. Es ist der Großvater, der sich des Knaben annimmt - Danke ihm wohl auch dafür, dass Bernhard Schriftsteller wurde und "Ein Kind" abfasste.
Wegen Thomas Bernhards ganz eigentümlicher Sprachgewalt die fünf Sterne.