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Ein Kardinal vor La Rochelle: Roman (Fortune de France)
 
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Ein Kardinal vor La Rochelle: Roman (Fortune de France) [Taschenbuch]

Robert Merle , Christel Gersch
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Erz„hlt wird die Geschichte dreier Generationen der Adelsfamilie Siorac w„hrend des dramatischen Jahrhunderts von 1550 bis 1643, das erschttert wurde von blutigen Glaubenskriegen zwischen Katholiken und Protestanten und den K„mpfen fr ein starkes franz”sisches K”nigtum. Wie gern w„re Pierre-Emmanuel de Siorac, nach den entbehrungsreichen Monaten im Feldlager auf der Insel Re, mal wieder auf sein Gut Orbieu geritten, um ein heiáes Bad und die z„rtlichen Arme seiner Louison zu genieáen - aber Urlaub gew„hrt Ludwig nicht. Denn die Hugenotten von La Rochelle haben dem K”nig den Krieg erkl„rt und warten auf die englische Flotte, den groáen protestantischen Verbndeten. Ihre trotzige Sicherheit gewinnen sie aus der šberzeugung, daá die hochbefestigte Zitadelle durch ihre weite ™ffnung zum Meer fr die nur von der Landseite her belagernden k”niglichen Truppen uneinnehmbar ist. Richelieu aber, des K”nigs Minister, betreibt fieberhaft den Aufbau einer franz”sischen Flotte und faát den verweg enen Plan, mit einer gewaltigen Palisade mitten durchs Meer die weite Bucht vor La Rochelle zu verschlieáen ...

Über den Autor

Das literarische Werk Robert Merles, 1908 geboren, spannt sich in einem weiten Bogen von seinem ersten Welterfolg Der Tod ist mein Beruf (dt. 1957) über die ironische Zukunftsvision der Geschützten Männer (1976) bis zu dem Renaissanceroman Das Idol (1991). Sein bedeutendstes Werk der Gegenwart ist die Romanfolge Fortune de France. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Ein Kardinal vor La Rochelle von Robert Merle. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Sobald wir Madame de Brézolles gegenübersaßen, wich das Schweigen dem Austausch kleiner Höflichkeiten, während wir einander mit der scheinheiligsten Zurückhaltung musterten. Und als ich an gewissen Zeichen erkannte, daß weder ich noch Nicolas der Dame mißfielen, wechselte ich von den nichtssagenden Floskeln zu Komplimenten über, lobte die Schönheit des Schlosses, den reizenden Park, den Geschmack, mit dem der kleine Salon aufwartete, und schließlich beglückwünschte ich, mit aller gebotenen Vorsicht, Madame zu ihrer einnehmenden Erscheinung.
Sie errötete bei diesem Aufgebot und hob abwehrend die Hände.
"Graf", sagte sie, "man sieht, daß Ihr am Hofe lebt, wo die Damen zu Anfang und Ende eines Besuchs erwarten, daß die Herren sie mit allen möglichen Lobpreisungen überschütten. Aber ich bin darauf nicht erpicht. Ich bin Witwe, kinderlos, lebe allein auf dem flachen Land und habe wenig Umgang. Wenn man mir gemeinhin auch ein paar gute Eigenschaften zugesteht, so könnt Ihr doch nichts dazu sagen, weil Ihr mich noch gar nicht kennt. Darum bitte ich Euch, redet ganz offen und sagt nur ohne Umschweife, was Ihr wünscht." Das war nun eine kleine Abfuhr, aber doch nicht so ganz, denn was sie mit oder ohne Absicht von ihren guten Eigenschaften gesagt hatte, die mir noch unbekannt seien, konnte man auch so verstehen, daß sie recht gern wollte, ich lernte sie besser kennen, was sich ja wohl nur im näheren Umgang miteinander machen ließ. Durch dieses "noch" ermutigt, trug ich leichteren Herzens mein Anliegen vor: Weil meine Männer und ich in der Zitadelle Saint-Martin-de-Ré hätten ausharren müssen, seien wir erst nach dem Ende der Belagerung aufs Festland gekommen, das heißt zu einem Zeitpunkt, als der König und sein Heer schon alle Unterkünfte belegt hatten. Wir hätten also nirgends ein Quartier gefunden. Und da ich erfuhr, daß die Marquise de Brézolles beabsichtige, nach Nantes zu gehen, hätte ich gedacht, es käme ihr womöglich nicht ungelegen, ihr Haus für die Dauer ihrer Abwesenheit an mich zu vermieten. Was zunächst den Vorteil hätte, daß wir untergebracht wären, sodann aber auch, daß das Schloß mit einer Garnison belegt wäre, die es vor Plünderung schützen würde. Madame de Brézolles antwortete nicht gleich, sondern sah mich nachdenklich an, als wäge sie meine offensichtlichen Tugenden und meine möglichen Untugenden gegeneinander ab. "Graf", sagte sie schließlich, "darf ich Euch eine Frage stellen?" "Madame", sagte ich, "ich stehe zu Eurer Verfügung." "Was sind das für Männer, die Dir bei Euch habt? Soldaten?" "Es sind Schweizer, Madame, die ich gedungen habe und die mir seit langer Zeit dienen, gute, ehrenwerte Männer, reinlich, wacker und diszipliniert. Wenn nötig, scheuen sie sich auch nicht, bei Arbeiten auf meinem Gut Orbieu mit Hand anzulegen." "Kann ich sie sehen, Graf?" "Selbstverständlich, Madame. Nicolas, würdest du bitte unsere Schweizer vor der Freitreppe versammeln?" "Ist in einer Minute gemacht, Herr Graf", sagte Nicolas, der nach einem flinken Gruß und einer graziösen Reverenz wie ein Pfeil davonschoß. Madame de Brézolles wandte sich mir lächelnd zu. "Was habt Ihr für einen hübschen Junker, Herr Graf!" Zuerst biß mich die Eifersucht, dann erfaßte mich eine Besorgnis, denn schließt die Welt von der Schönheit des Junkers nicht allzu leicht auf die Sitten des Herrn? "Madame", sagte ich abweisend, "Nicolas hat gewichtigere Vorzüge. Daß er so gut aussieht, kommt ihm allerdings sehr zustatten, weil er, wie sein Herr, ein glühender Bewunderer des gentil sesso ist." "Oh, das will ich gerne glauben", sagte Madame de Brézolles und verbarg ihre Erleichterung hinter einem kleinen Lachen. "Graf", fuhr sie fort, "seid Ihr verheiratet?" Allewetter! dachte ich, muß ich jetzt etwa meine ganze. Lebensgeschichte erzählen, damit sie mir ihr Haus vermietet? "Nein, Madame, ich habe alles mögliche gewagt, nur das nicht." "Ach!" sagte sie lächelnd, "so schrecklich ist die Erfahrung doch nicht. Was auch immer geredet wird - es gibt gute Ehen. Ich, zum Beispiel, hatte einen vortrefflichen Gemahl, dem ich höchstens vorwerfen könnte, daß ich keine Kinder habe. Kanntet Ihr ihn vielleicht?" fragte sie. "Er war in Herrn von Schombergs Heer, das die Engländer zwang, sich einzuschiffen, nachdem es sie gezwungen hatte, die Belagerung der Zitadelle Saint-Martin-de-Ré aufzuheben." "Es hätte sein können, Madame. Aber ehrlich gesagt, wir waren nach der langen Belagerung so geschwächt, daß wir Herrn von Schomberg nur als Nachhut dienen konnten und seine Offiziere daher nicht kennenlernten." "Monsieur de Brézolles, müßt Ihr wissen, war im letzten Kampf in die Hinterbacke getroffen worden. Er wurde verbunden und schnellstens hierher transportiert", erzählte sie. "Seine Wunde erschien uns aber harmlos und leicht heilbar, vor allem, als er noch am Abend seiner Ankunft unbedingt mein Lager beehren wollte, so daß das ganze Gesinde staunte." "Wie erfuhr das Gesinde denn das?" "Nun ja", sagte sie, indem sie die Augen niederschlug, "Monsieur de Brézolles betrug sich in solchen Momenten etwas sehr geräuschvoll. Offenbar war es aber höchst unklug von ihm, sich so heftige Bewegung zuzumuten. Seine Wunde brach auf, das Blut floß in Strömen, und alle Versuche, es zu stillen, schlugen fehl. Der Arzt war mit seinem Latein am Ende." Zum Teufel mit seinem Latein! dachte ich. Mein Vater hätte an seiner Stelle kein Latein gebraucht, sondern einen guten Knebel, der, richtig gesetzt, das Blut zum Stillstand gebracht hätte. "So ist er denn gestorben", sagte Madame de Brézolles, und je eine dicke Träne rollte über ihre Wangen. Aber nur eine, und nachdem das Naß mit einem Spitzentuch, das sie aus dem Ärmel zog, getrocknet war, erhob sie sich entschlossen. "Monsieur", sagte sie, "Eure Schweizer schmachten an meiner Freitreppe. Erlösen wir sie!"
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