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Ein Kapitel für sich: Roman
 
 
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Ein Kapitel für sich: Roman [Taschenbuch]

Walter Kempowski
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. April 1978)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423013478
  • ISBN-13: 978-3423013475
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,9 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 107.464 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Walter Kempowski
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Im Frühjahr 1948 wurde Walter Kempowski wegen Spionage verurteilt, weil er Frachtbriefe aus der Reederei seines Vaters an die Amerikaner weitergeleitete hatte, um zu demonstrieren, wie die Russen die von ihnen besetzte »Zone« ausbeuten. Mit Walter wurden auch seine Mutter und sein Bruder Robert zeitweilig eingesperrt.Im vorliegenden Roman lässt der Autor jeden der Beteiligten aus seiner Sicht über die Haftzeit berichten.

Klappentext

Als ich eines Abends mal am Fenster stand und den Dohlen nachschaute, die in die großen Kastanien zum Schlafen einsegelten - eine langwierige Sache, die sich in genau abgestimmter Rangfolge vollzog -, kriegte hinter mir ein Häftling namens Schmidt einen Herzschlag. Dem Toten wurde eine Decke übergezogen, und die Umstehenden erzählten sich gegenseitig, daß sie eben noch mit ihm gesprochen hätten. Weiter abwohnende Knastologen baten, man möge doch noch mal die Decke wegziehen, sie wüßten ja gar nicht, ob sie den kennten. Als er dann hinausgetragen wurde rief einer: »Achtung«, und alle sprangen auf und stellten sich stramm hin. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Natürlich ist der Alltag trist und eintönig im russischen bzw DDR-Gefängnis/Lager. Aber meisterhaft erzählt Kempowski darüber und die Menschen die darin gefangen sind. Hier wird auch klar, wie ein Roman mit der eigenen Person als (einer der) Hauptdarsteller aussehen kann. Abwechselnd erzählen uns Walter Kempowski und sein ebenfalls gefangener Bruder Robert (sowie die ebenfalls verhaftete Mutter und - in Briefen - die Schwester in Dänemark) über ihren Alltag. Meisterlich wie beide Brüder in ihren Erzählungen ein jeweils klares Bild zeichnen und doch den anderen jeweils als vom Knast angekratzt, schon etwas seltsam zeigen. Wie die im Frieden in Dänemark lebende Schwester genauso Probleme des Alltags hat und wichtig nimmt, obwohl sie neben den Problemen der Gefangenen so unwichtig aussehen. Und wieder verzichtet Kempowski weitgehend auf Emotionen bzw. deutet sie bestenfalls an: wieso bin ich verhaftet, hat das Leben so einen Sinn, ist der andere ein Verbrecher oder Unschuldig, wie kann es hier Gott geben ... all diese Fragen kann man wahrnehmen aber sie werden nicht ausgemalt. Autor Kempowski hat - wie in den früheren Bänden - so viel Vertrauen in den Leser, dass er diesem zutraut sich diese Gefühle selbst auszumalen und dass diese selbst geschaffenen Bilder stärker sind als jede vorgezeichnete Emotion.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Meisterlich 16. März 2007
Format:Taschenbuch
Die Haftjahre, immer aus wechselnder Perspektive von Walter, Robert und der Mutter geschildert. Ich bin selbst ein Kind des Sozialismus, wie wurde das in der Schule ausgeweidet, dass unsere Sowjetbrüder die KZ´s befreiten. Dass dort sogleich neue Insassen kamen, diesmal nun die vielen tausende und abertausende Antisowjetbürger, die nun dort vegetieren mussten, unter nicht minder menschenunwürdigen Bedingungen....tja, das hat man uns in der Schule verschwiegen. Menschen, wie Du und Ich, deren Vergehen so abstrus lächerlich waren, ein falscher Satz am falschen Ort, zum falschen Ohr, fertig war das Konstrukt: antisowjetische Propaganda, 25 Jahre Zuchthaus. Eine westliche Modeillustrierte an Nachbarn verschenkt hat gereicht. Unglaublich. Erzählt wird wieder ohne direkte Gefühlsbeschreibung, aber unter der Oberfläche aller Lakonie, zwischen den Zeilen, da laufen immer die Tränen, da ist der Wahnsinn nicht weit entfernt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
1948 werden Walter Kempowski, sein Bruder Robert und beider Mutter in der damaligen sowjetischen Besatzungszone wegen Spionage verhaftet. Die Brüder Kempowski haben Frachtbriefe in den Westen weitergegeben um die sowjetische Demontage zu dokumentieren. Sie wurden denunziert und zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Mutter Kempowski erhielt wegen Mitwisserschaft - sie hat ihre Söhne nicht angezeigt - 10 Jahre Zwangsarbeit.

In abwechselnden Berichten schildern Mutter und Brüder Kempowski ihre Zeit in sowjetischer und später DDR-Haft. Willkürjustiz, bei der schon bloßer Verdacht zur Verurteilung zu langjährigen Strafen ausreicht, Denunziation, unmenschliche Haftbedingungen, sind die zentralen Themen der ersten Jahre in Gefangenschaft. Unabhängig von Herkunft, gesellschaftlicher Stellung und Intellekt werden die Gefangenen mit politischen Häftlingen, einfachen Arbeitern, Ganoven und Kriminellen über Jahre hinweg weggeschlossen. Kontakt nach Aussen gibt es nicht. Schreiben ist verboten. Allein der Besitz von Schreibutensilien kann zur verschärften Haftbedingungen führen. So bleibt den Gefangenen nichts weiter über, sich mit sich selbst und den anderen Mitgefangenen zu unterhalten.
In den Dialogen der Gefangenen kommen die unterschiedlichen Schicksale der Häftlinge, die verschiedenen Haftgründe und die individuelle Verarbeitung der Haftzeit zum Ausdruck. Was hat diese Personen in dieser Konstellation an diesem Ort zusammengeführt. Gerechtigkeit? Recht? Nein! Die Mehrheit der Inhaftierten war nie in der Lage über ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Unter dem Druck einer hysterischen Masse in den Weltkrieg gezwungen, müssen sie nun, nachdem sich die Machtverhältnisse geändert haben, noch dafür büßen. Als Spielball der sich ändernden Weltanschauungen, können sie kaum ihr Schicksal selbst beeinflussen und finden sich damit.

Obwohl sich die Orte nicht ändern und die Protagonisten der Handlungsfähigkeit beraubt sind, bleibt das Buch zu jeder Zeit spannend. In altbewährter Manier vermengt Kempowski seine Berichte mit Zitaten, Wortwitz und allerlei traditionell überlieferten Redewendungen, Lied- und Gedichtversen. Dieser Stil ist gewöhnungsbedürftig, doch er wirkt lebendig und authentisch, so wie die Erlebnisse, die wir aus dieser Zeit von unseren Großeltern hören durften.

"Ein Kapitel für sich" ist ein Teil der so genannten "Deutschen Chronik" und hilft, wie auch die anderen Werke Kempowskis, die Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts und die politische Entwicklung in unserer Welt - so wie sie noch heute nachwirkt - zu verstehen.
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