Felix Dahns Meisterwerk "Ein Kampf um Rom" ist immer wieder lesenswert und das aus mehreren Gründen.
Zum einen gibt es kaum einen historischen Roman, der mit solchem Schwung und solcher Begeisterung für die Zeit, in der er spielt, erzählt. Man kann darin versinken, kann sich fortreißen lassen von Schlachten, Intrigen, Helden, Heldinnen, Präfekten, Königen und Kaisern. Es wogt hin und her und die Handlung allein ist schon eine Verbildlichung des Chaos, das während der Völkerwanderung herrschte.
Ob das historisch immer hundertprozentig korrekt ist, das sei dahingestellt, aber ist das denn so wichtig?
Der zweite Grund ist die Sprache. Man mag zu Pathos stehen wie man will, aber selten passt ein pathetischer Schreibstil so gut zu einem Buch wie hier. Die wackren Germanen, die ränkeschmiedenden Byzantiner, die listigen Römer. Man mag das altmodisch oder kitschig nennen, aber Dahn orientiert sich hier an der Zeit, über die er schreibt. Heldensagen müssen pathetisch sein, ansonsten wären sie keine Heldensagen.
Die Zivilisationskritik ist ein weiterer Grund, der den Roman so lesenswert macht. In Rousseauscher Manier werden die edlen Wilden den von der Zivilisation verweichlichten Römern und Byzantinern gegenübergestellt. Die im besten Sinn des Wortes naiven Goten (Witichis!) und auch der den Ausgleich suchende Totila scheitern, aber bleiben doch moralischer Sieger. Dass das Buch ein Kind der ausgehenden Romantik ist, merkt man ihm in jeder Zeile an.
Wer den "Herr der Ringe" liebt, wird auch an "Ein Kampf um Rom" seine Freude haben. Ich bin kein Literaturwissenschaftler und weiß nicht, ob Tolkien das Buch kannte. Aber die Parallelen - auch sprachlicher Art - sind augenfällig. Man vergleiche nur einmal "Helms Klamm" mit Tejas letzter Schlacht am Vesuv!
Fazit: Ein Meisterwerk, das man leicht lieben lernt!!!