Jacques Chessex, der im Oktober letzten Jahres während einer Diskussionsrunde zusammenbricht, hat ein verstörendes Buch geschrieben, das wohl auch starke Reaktionen ausgelöst haben muss, immerhin ist dieses Buch im März 2008, als es ursprünglich in französisch erschien über gut 30'000 Mal verkauft worden, ein Buch das Verdrängung und Tabu in einem Zug anspricht und es einem dabei ungemütlich werden kann.
Die Geschichte erzählt den Mord am jüdischen Viehhändler Arthur Bloch (1882-1942), der tatsächlich 1942 ermordet wurde. Chessex war damals 8 Jahre alt und kannte wohl sowohl Opfer als auch die Täter. Dass solche Erlebnisse nach Erlösung oder Befreiung rufen, scheint hier wohl offensichtlich. Ein Buch, das anklagt, Verdrängtes anspricht, heftige Raktionen auszulösen vermag, und den Leser in Betroffenheit zurücklässt. Erzählt es nicht nur, wie Sympathisanten des Nazi-Regimes sich in der Schweiz gegen das Judentum als primitive Projektionsfläche richtete und entlud, so ist auch gleichzeitig ein Zeugnis, wie solche Trauma's Menschen nicht loslassen können, fast so als ob sich Chessez vor seinem Tod noch von etwas befreien wollte.
Es ist eine brutale Geschichte, die da auf einen zukommt. Gerne habe ich sie nicht gelesen. Und doch ist sie ein Zeugnis eines Menschen, der etwas in seiner Kindheit erlebt hat, was wohl nie wirklich verstanden werden kann. Ein Buch, das einem Angst machen kann, aufrüttelt, Brutales schildert, wie sich Menschen gegenseitig aufwigeln, bis es dann doch tatsächlich zu einer Tat kommt. Ein Stück Geschichte, während der Kriegszeit, ein Puzzle-Stück, der Nazi-Zeit, die etwas von dem erzählt, was nebenan in noch viel grausamerer Art und Weise seinen Weg machte. Ein trauriges Stück Geschichte, das leider auch noch der Wahrheit zu entsprechen scheint. Wer wird schon gerne an solche dramatischen Verbrechen erinnert, vielleicht war es ja für Chessez eine Befreiung, den Leser allerdings lässt es wohl eher in betroffener Traurigkeit zurück, wie Menschen eben damals aufgrund eigener Bösartigkeit ihren Ausdruck suchten, und hier ein Mensch sein Leben lassen musste...
Am Ende des Buches, hat man fast das Gefühl, als ob eine Kinderseele, nach dem frägt, was da eigentlich passiert ist, und ob man so etwas verstehen kann. Fast wie eine verletzte Kinderseele, die Antworten auf etwas sucht, die vielleicht nie wirklich eine bekommen hat..