Als Ex-Austauschschüler (Tennessee) interessieren mich solche Bücher immer sehr. Ob andere in den USA ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ob sie genau so stark eingetaucht sind wie ich und ob sie ebenso im Herzen Amerikaner geworden sind. Der Autor war in Texas - genial, dachte ich. Einer meiner Lieblingsstaaten, modern, ordentlich, cool und straightforward. So kenne ich den Lone Star State. Das Klischee das viele Europäer davon haben, ist wie so oft blanker Unsinn und steht dem Klischee über Bayern in Amerika in nichts nach.
Der Autor berichtet eigentlich sehr spannend und interessant über seine Erfahrungen. Auch die Rückkehr nach Deutschland ist ihm scheinbar so schwer gefallen wie mir damals und er hat eine lange Zeit gebraucht um sich damit zu arrangieren. Aber dann gehen seine und meine Ansichten plötzlich sehr weit auseinander. Während ich noch heute, viele Jahre nach meinem Austauschjahr, weiterhin "Vollblutamerikaner" bin, ist der Autor andere Wege gegangen. Das sei ihm ja zugestanden. Aber die Art seiner Formulierungen in diesem Zusammenhang ist absolut enttäuschend. Er schreibt über die Geschehnisse am 11. September in einer Form, die meiner Ansicht nach sogar die Opfer verhöhnt. Durch die Ereignisse sei vielen Amerikanern der Verstand "vernebelt" worden. Hallo?? Es sind dort tausende Menschen unschuldig zu Tode gekommen! Amerika war in Schock. Sicherlich nicht zu Unrecht. Was, wenn das Austauschjahr erst nach den Anschlägen geplant gewesen wäre? Wäre der Autor dann nicht gefahren, aus Angst von den Amerikanern "eingenebelt" zu werden? Schade, dass er seinen tollen Erfahrungen in Amerika den Rücken zuwendet und sie nur noch als Sprungbrett für die Erkundung Europas betrachtet. Er zäumt so das Pferd meiner Meinung nach komplett von hinten auf.