"sich schnell hin und her bewegen" ist laut DUDEN der Ursprung für das Wort Wimmeln. Und das passt hervorragend zu dem Buch "Ein Jahr in Wimmelhausen". Denn hier ist man geradezu bewegt von so vielen abwechslungsreichen Bewegungsmustern, die von Groß und Klein zu allen Jahreszeiten und vielen -festen vollzogen werden. Genauso wird man wohl nicht nur seine AUgen hin und her bewegen und kaum lange auf einem Flecken haften bleiben. Vielmehr läd das Buch dazu ein, seine Finger zu bewegen und aufzuzeigen und hinzudeuten, was einem gerade wieder Lustiges, Skurriles aufgefallen ist.
Im Gegensatz zu manch anderen Büchern dieser Machart (die sich oft an Ali Mitgutschs bekannte Klassiker anlehnen), hat Catharina Westphal noch einen besonderen Aspekt eingefügt: Die einzelnen Personen finden sich in irgendeiner Weise wieder auf jedem Buch-Doppelseitenbild. Mal ist es die rotbepunktete, gelbe Mütze, das hellblaue Kopftuch, der Talar, die Latzhose oder der rothaarige Vollbart...ein anderes Mal ist es die Brille, die Haarfarbe oder der gleichfarbige Trainingsanzug, welcher den Wiedererkennenswert ausmacht.
Es ist grandios, wie es die Illustratorin geschafft hat, ein so buntes Potpourri zusammen zu stellen, welches das gesellschaftliche Leben in Deutschland zwar nicht vollends abbildet, dennoch aber viele Annäherung hieran bietet. Ob nun Ostern, Weihnachten, Winter, Geburtstag, Gartenarbeit, Einkaufen, Beerdigung, Flohmarkt, Hochzeit, Urlaub, Reparatur, St. Martin oder Behinderung: alles wir din irgendeiner Weise thematisiert, ohne dass die einzelnen Seiten überladen wirken. Durch die Konkretheit und Präzision der Illustrationen wirkt das Buch sehr frei und locker. So sind die einzelnen Personen und ihre Handlungsweisen bzw. Beziehungen zueinander hervorragend erkennbar und das Buch kommt ganz ohen Begleittext aus. Im Vorsatzblatt finden sich die Hauptfiguren noch einmal isoliert wieder, ehe sie in Raumbezüge im Leben von Wimmelshausen wieder zu entdecken sind.
Alles in allem ein äußerst kreatives und spannendes Buch, das sowohl zuhause, im Kindergarten als auch im ersten Schuljahr phantasieanregend wirkt, die Konzentration und Aufmerksamkeit fördert und jede Menge Bezüge zur individuellen Wirklichkeit herzustellen vermag.