Immer wieder findet sich die fremdartige chinesische Kultur in Details, in Gesprächen mit Menschen, die Rutz trifft, oder in Beobachtungen im Alltag. Besonders spannend sind die Begegnungen mit Chinesen, die mehr über Rutz erfahren wollen oder etwas über Land und Leute zu erzählen haben. Diese Passagen sind wohl die stärksten des Buches, lernt der Leser so viel mehr über Gepflogenheiten und den Alltag in China als durch nüchterne Reiseführer. Umgekehrt fehlt es immer wieder an den wirklich spannenden Einzelheiten in Anbetracht der Tatsache, dass ein Jahr in Peking doch etwas ungewöhnlicher ist als ein Jahr in London oder Paris. Die kleinen Alltäglichkeiten, die dort in Peking selbstverständlich und hier bei uns außergewöhnlich erscheinen, gehen beinahe unter in Begebenheiten und Ereignissen, die zwar unterhaltsam, aber nicht gänzlich exotisch und ungewöhnlich erscheinen. Sicherlich ergänzen einige Informationen die Lektüre eines Reiseführers, jedoch können sie ihn nicht ersetzen. Und vor allem zu Beginn des Aufenthalts der Autorin vermisst man vieles: die Eingewöhnung, die Nachbarn, die ersten Freunde. Mit wem verbringt Rutz ihre Zeit, was genau macht sie so, wenn sie nicht auf Entdeckungstour geht, wie war die schwere Anfangszeit? Gerade solche Fragen wären für den Leser als Schwerpunkt interessant und vor allem informativ gewesen und hätten die Reise in den Alltag, wie es im Untertitel heißt, erleichtert. So aber verteilen sich viele dieser wichtigen Details auf das gesamte Buch, und es dauert eine Weile, bis man Rutz' Leben in Peking vor dem geistigen Auge hat.
Für Leser, die schon einmal in Peking waren oder mit dem Gedanken spielen, selbst einmal einen Auslandsaufenthalt dort zu verbringen, bietet Ein Jahr in Peking" sicherlich einige nützliche Informationen. Insgesamt aber fehlt es dem Buch ein wenig an Flair, und vor allem die Kleinigkeiten, die einen Reisebericht zu einem Erlebnis für den Leser machen, fehlen.