Wie herausgefallen aus der Zeit scheint Victoire zu sein. Als sie eines Morgens neben ihrem toten Freund Félix erwacht, ergreift sie die Panik. Sie nimmt den erstbesten Zug, der sie nach Bordeaux führt. Der unaufhaltsame Abstieg der jungen Frau beginnt. Oder anders: Es beginnt eine Flucht aus der Zeit und aus der Wirklichkeit. Sie mietet sich ein Ferienhaus, nimmt einen Liebhaber, wird von ihm um die Ersparnisse gebracht und gerät immer tiefer in den Strudel des sozialen Abstiegs. Schmuddlige Hotelzimmer, Absteigen, Autostopp, moralische und körperliche Verwahrlosung - Victoires Flucht endet ein Jahr später in Paris. Plötzlich trifft sie Félix wieder. "Er sah blendend aus und schien keine besondere Gefühlsregung an den Tag zu legen, als er Victoire näherkommen sah." Jean Echenoz, bereits mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, hat mit dem Roman "Ein Jahr" eine faszinierende Geschichte geschrieben, eine Geschichte, mysteriös, verwirrend und verstörend. Ein kleiner, aber großer Roman, wunderbar lakonisch erzählt.