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Einen Hunderoman zu schreiben, und das in diesen historischen Zeiten - das ist die Krise, sagt sich der Schriftsteller. Noch dazu wo er andere Pflichten hätte. Doch der Schriftsteller erliegt der Versuchung und macht sich ans Werk. Der Roman beginnt mit der Warnung: CAVE CANEM. Achtung, werter Leser, hier folgt eine Hundegeschichte. Und der Hund, als "Symbol der Liebe" vom Herrn der Dame als Weihnachtsgeschenk übergeben, stellt von nun an die Ordnung des Haushalts auf den Kopf. Es ist aber nicht der gnädige, wohlwollende Blick auf das Tier, mit dem der Herr den Hund ansieht. Nein, er versucht ihn zu verstehen. Dabei schafft das Hündchen es, ihn aus dem Konzept zu bringen. Fast scheint es, als würden sein sinnliches Erleben, seine unbeschwerte Leidenschaft den Herrn faszinieren. Doch was kann man schon über einen Hund wissen, wenn schon die Menschen nichts voneinander wissen?
Seit der Wiederveröffentlichung seines Romans "Die Glut" schätzt man Sándor Márai als einen der großen Schriftsteller. Charles Brauer, renommierter Schauspieler und passionierter Sprecher von Hörbücher, trifft genau die richtige Tonlage für diese humorvollen und ironischen Hunde-Töne. Den Kontrast zwischen 'ungefilteter' Hundewelt und den vielen Reflexionen und philosophischen Betrachtungen hält er mühelos aufrecht. Charmant, witzig, absolut unterhaltsam! Ungekürzte Lesung ohne Musik, Spieldauer: ca. 360 Minuten, 4 CD. Erhältlich als MC und CD.
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Nur vordergründig handelt es sich bei dem 1931 in Budapest im ungarischen Original erschienenen Werk um einen Hunderoman. Denn trotz der etwas gezierten, wenn nicht sogar eitlen Rechtfertigung von Sándor Márai in seinem Vorwort mit dem bezeichnenden Titel 'Cave canem' ist nie die Perspektive des Hundes maßgeblich, sondern immer nur jene seines Herrn. Das Gefühl drängt sich auf, daß die Schilderung verschiedener Episoden im Leben des 'Hundes mit Charakter' dem 1989 im US-amerikanischen Exil durch Suizid verstorbenen Autoren nur als Vorwand zu tiefgründigen Charakterstudien innerhalb der kleinbürgerlichen Umgebung des Budapester Christinenviertels diente. So erhält der Leser interessanten Einblick in die vergangene Welt des verflossenen k.u.k. Reiches. Dieser Gewinn an historischer und gesellschaftlicher Einsicht muß mit einigen Passagen des Romans erkauft werden, während derer der Leser nichts Neues über das Schicksal von Tschutora erfährt. Treffender als Titel wäre also 'Bürgerlicher Herr mit Hund in Budapest' gewesen.
Wer die genannten Längen geduldig übersteht, wird dafür mit schönen und treffend formulierten Beobachtungen typischer Begebenheiten im Verhältnis von Mensch zu Hund belohnt. Auch wird einen das erschütternde Ende der Geschichte nicht unberührt lassen. Instruktiv ist zudem das einfühlsame Nachwort des Übersetzers Ernö Zeltner zu dem 249 Seiten langen Roman. Als Einstieg in das umfangreiche Werk des erst in den 90er Jahren wieder entdeckten großen ungarischen Erzählers Sándor Márai ist 'Ein Hund mit Charakter' gleichwohl nur bedingt geeignet.
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