Aus der Amazon.de-Redaktion
Während der Boom-Phase der Sitcoms Mitte der 90er-Jahre versuchten sich auch deutsche Fernsehmacher an diesem der vielleicht typischsten angelsächsischen TV-Formate. Erinnern Sie sich noch an einen einzigen Titel dieser durch die Bank misslungenen Versuche? Wohl kaum. Dabei ist das Format der Sitcom dem Teutonen alles andere als unbekannt. In grauer Fernseh-Steinzeit, im Jahre 1973, eroberte eine vor Livepublikum aufgezeichnete Situationskomödie, um einmal den deutschen Begriff zu verwenden, die (westdeutschen) Wohnzimmer von Flensburg bis Oberammergau. "Ekel Alfred" wurde die Serie im Volksmund genannt, bezogen auf ihre Hauptfigur, Alfred Tetzlaf (Heinz Schubert).
Ein Herz und eine Seele hieß die Serie mit richtigem Titel. Dass die Idee zur Serie ursprünglich auf einer britischen Sitcom beruhte, sei als Fußnote erwähnt, sie ist in diesem Fall jedoch unerheblich. Nie wieder gelang es einer Sitcom, den deutschen Kleinbürgeralltag in einer solch liebenswürdigen, für deutsche Verhältnisse jedoch auch überraschend zynischen Art zu widerzuspiegel.
In der ersten Folge, "Der Fernseher", nimmt die Geschichte ihren Anfang in einer Diskussion zwischen Alfred Tetzlaf und seinem Schwiegersohn Michael (Diether Krebs). Michael will fernsehen, Alfred nicht. Aus diesem an sich simplen Disput entwickelt sich eine politische Diskussion, die den konservativen Alfred gleich zu seinem Lieblingsthema führt: Den Sozis, die uns alle fernsehen schauen lassen, damit wir impotent würden, auf dass sie sich ein neues Volk aus dem Osten ins Land holen können. Alfred, der Paranoiker! Zugegeben: Aktuell ist diese Diskussion heute nicht mehr, Alfreds paranoiden Wahnvorstellungen aber zu lauschen macht auch fast 30 Jahre nach der Erstausstrahlung der Pilotepisode Freude, denn wir alle kennen unsere Alfreds aus der Familie, dem Freundeskreis oder den Berufskollegen (vielleicht aber sind auch wir selbst heimliche Alfreds?). In der Realität fällt es schwer über sie zu lachen. Im Fernsehen aber ist dies erlaubt.
Die Situation eskaliert, als Michael seinen Willen bekommt und das Fernsehen anschalten darf -- dieses aber nicht mehr anspringt. Wer wohl Schuld haben mag? Michael, der schließlich gebürtig aus der DDR stammt und von Technik per se keine Ahnung hat? Seine Tochter, die den Schalter mit nackten Füßen betätigt hat? Oder seine Frau Else (Elisabeth Wiedemann), die eh an allem Schuld hat? Es ist keine Frage, dass Sitcoms heute weitaus rasanter inszeniert werden. Das 45-Minuten-Format der Serie wirkt heute etwas zu lang. Auch ist der 70er-Jahre-Kolorit in jeder Kulisse und jedem Kleidungsstück omnipräsent. Die Figur des "Ekel Alfreds" aber trägt die Serie bis zum heutigen Tag. Nie wieder war es so schön, über den Spießbürger, der wahrscheinlich in uns allen lebt, so lachen zu dürfen. --Christian Lukas
Video Jakob Kurzinhalt
Michael will fernsehen, aber Alfred will nicht. Dann will Rita fernsehen, aber sie darf ebenso wenig wie Else. Alfred ist eben der Herr im Hause, und daran darf keiner rütteln. Als schließlich Alfred selber fernsehen will, geht der Apperat kaputt - aber Alfred weiss sich mit Hammer und Zange zu helfen. Ausserdem enthüllt er in dieser Folge einige bisher unbekannte Tatsachen aus dem politischen Leben. Beispielsweise über die wahren Hintergründe bestimmter Affären, über die wahre Identität von Walter Ulbricht und andere, bisher streng geheim gehaltene Dinge.