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Ein Haus für Mr. Biswas.
 
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Ein Haus für Mr. Biswas. [Taschenbuch]

Vidiadhar Suraiprasad Naipaul , Karin Graf
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Taschenbuch, Dezember 2001 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 680 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch; Auflage: 2. (Dezember 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423120207
  • ISBN-13: 978-3423120203
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 145.223 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Vidiadhar S. Naipaul
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Produktbeschreibungen

FAZ, 12.10.2001

Seine lebenslange Suche nach den Mechanismen der modernen Welt hat V.S. Naipaul zum Literatur-Nobelpreis geführt. Als die Königlich Schwedische Akademie am Donnerstag bekannt gab, dass der 69-jährige britische Autor 2001 die begehrte Auszeichnung erhält, würdigte sie ihn als "literarischen Weltenumsegler", dessen Werke die "Gegenwart verdrängter Geschichte" sichtbar machten. Naipauls Novellen und Romane kreisen um Rassenfragen, postkoloniale Probleme und die Entwurzelung und Verlogenheit des Menschen.

Kurzbeschreibung

Besuchen Sie doch auch unser Special über V.S.Biswas, setzt Naipaul seinem Vater ein Denkmal. Der Familien- und Entwicklungsroman spielt in Trinidad, im indischen Milieu der Insel, dem Naipaul entstammt. Mr. Biswas ist von Geburt an Außenseiter: Er wird "falsch herum" geboren, mit sechs Fingern an einer Hand - Unglückszeichen, die ihm von vorneherein eine Sonderstellung innerhalb der Familie verschaffen. Als Abkömmling indischer Einwanderer und Sohn eines armen Landarbeiters bleibt er am Rand der Gesellschaft. Dies ist Fluch und Chance zugleich. Und sein größter Wunsch ist ein eigenes Haus ...

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lehrreich und interessant, 6. Februar 2005
Von 
deathdealer92618 (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ein Haus für Mr. Biswas (Taschenbuch)
In diesem Buch begleitet man den "Anti-Helden" Mr. Biswas auf seiner Lebensreise, seinem Kampf im indischen Milieu von Trinidad gegen Armut und überholte Glaubensvorstellungen, für seine Freiheit, in diesem Fall für ein eigenes Haus, und seinen Frieden. Schon von Geburt an ein Aussenseiter, hat er es nie wirklich leicht. Erst ist er nicht ganz unschuldig an dem Tod seines Vaters, danach heiratet er in eine Großfamilie ein, mit der er sich bis zu seinem Tod nicht versteht. Jedes Gespräch egal mit welchem Familienmitglied seiner Frau ist von gegenseitigen Sticheleien und Beleidigungen geprägt. Dabei weiss man eigentlich nie, ob einem Mr. Biswas sympathisch sein soll oder nicht, fängt er doch auch oft mit dem Streit an. Doch so langsam wird dem Leser eine Welt, ein Familienleben vorgestellt (die ganze Familie wohnt ja unter einem Dach!), was geprägt ist von Gewalt gegen Frauen, von Missgunst, von Lästereien hinter vorgehaltener Hand. Und anfangs ist meist er die Zielscheibe. Kinder, Berufe, selbst die Gewalt gegen die Frauen wird von den Frauen selbst benutzt um sich gegen den Rest der Familie hervorzutun.
Und auch wenn Mr. Biswas es doch das ein oder andere Mal schafft von dieser Familie wegzukommen, durch den Versuch ein eigenes Haus zu bauen oder auch durch die Übernahme eines Ladens mit Wohnung, führen ihn diverse Schicksalsschläge immer wieder zurück zu der so verhassten Verwandtschaft.
Er schafft es nie unabhängig zu sein, was ihn schon zu einer tragischen, aber nicht minder interessanten Figur macht. Über die man aber, das ein oder andere Mal, auf Grund ihres stark ausgeprägten Zynismus, auch schmunzeln kann. Hier geht es aber nicht um einen vom Schicksal gebeutelten Mann, nein, Mr. Biswas ist oft genug selbst schuld an seiner Misere und teilt, z.B. auch gern von seiner Seite mal gegen die Familie aus.
V.S. Naipaul hat einen grossartigen Familien- und Entwicklungsroman geschrieben, der den Leser in eine, für mich zumindest, unbekannte Welt führt. Man erfährt hier viel über das Leben auf Trinidad mit seiner ethnisch vielfältigen Bevölkerung, über den Hinduismus und was es bedeuten kann in einer immer mehr technisierten Welt, an seinem Glauben zu stark festzuhalten. Über den, seit dem 2. WK, wachsenden Einfluss der Amerikaner uvm.
Für mich eines der besten Bücher seit langem, habe ich mir doch immerhin gewünscht das dieses Werk nie endet, dass nach den 732 Seiten nochmal mindesten genausoviele folgen. Was kann man sich von einem Buch mehr wünschen, als durch eine spannende und fast durchweg tragikomisch Geschichte belehrt (!) und auch gleichzeitig unterhalten zu werden? Ich weiss es nicht und deswegen empfehle ich jedem dieses Buch!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Biswas, der Loser, 15. November 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ein Haus für Mr. Biswas. (Taschenbuch)
"Ein Haus für Mr. Biswas" ist, neben "An der Biegung des großen Flusses", einer der bekanntesten Romane des Autors V.S. Naipaul. Naipaul stammt wie seine Romanfigur Mr. Biswas aus Trinidad und hat indische Vorfahren - und eben diese Welt der Nachfahren indischer Einwanderer Trinidads wird hier beschrieben. Biswas ist eine Art tragikomischer Anti-Held, ein ewiger "Loser" voller Selbstzweifel und Träume, welcher sich ständig mit den zentralen Themen des Romans auseinandersetzt: Armut und der Wunsch nach Reichtum, Macht und Selbstbestimmung, Familienbande und Anerkennung. Die Figur Mr. Biswas' ist an Naipauls Vater angelehnt. Das Werk ist sehr gut geschrieben, doch, wie viele Werke Naipauls, zieht es sich sehr in die Länge. Die Gestalt des Mr. Biswas ist genau dargestellt, doch andere Charaktere lassen an Tiefe vermissen - und Biswas entwickelt sich nicht im Geringsten weiter, obwohl ihm etwas mehr Reife sehr zu wünschen wäre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Indische Melankomie in der Karibik, 12. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Ein Haus für Mr. Biswas (Taschenbuch)
Mr. Biswas ist ein armer Tropf. Ein Indischstämmiger auf Trinidad in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, meist knapp bei Kasse, er schlägt sich so durch. Mal hilft er einem Prediger, mal verdingt er sich als Schildermaler, beaufsichtigt Feldarbeiter, schreibt Schmierenartikel oder führt einen Kramladen und lässt alle anschreiben. Irgendwie kommt Mr. Biswas zu einer Frau und einer ganzen Kinderschar, aber das passiert eher zufällig. Sein erstes Haus vergammelt vor der Fertigstellung, dann brennt es auch noch ab. Will er tatsächlich mal Laub verbrennen, springt das Feuer nicht an - doch in der Nacht geht der ganze Hang in Flammen auf. Die Verwandtschaft plagt und verspottet ihn. Seine Grundstimmung ist melancholisch, sein gelegentlicher Zorn lächerlich, das Buch lakonisch ironisch und entschieden unglamourös:

Trinidads Karibikstrände bleiben lange unsichtbar. Der Hafen debütiert auf Seite 385, auf Seite 415 gibt es mal ein Bad im Meer - im schlammigen Hafenbecken, und natürlich fast mit tragischem Ende; erst auf Seite 620 - Mr. Biswas geht es materiell geringfügig besser - folgt ein richtiger Strandausflug, der jedoch von seiner Chefin gesponsert ist. Viel hört man dagegen von moskitoverseuchten Sümpfen, staubigen Straßen, dreckigen Lehmfußböden, fettigem Essen, lästigen Flugameisen, überfüllten Bussen, hochnäsigen Nachbarn, anstrengenden Verwandten und unbequem weit entfernten Latrinen. Man riecht, hört, schmeckt das Leben armer Inder auf Trinidad, schwitzt in der Hitze, flüchtet vor den monströsen Schlagregen, rümpft die Nase über einen Haushof voller Ziegendreck. So plastisch schreibt Naipaul. Schön auch, wie er Nebenaspekte aus viel früheren Kapiteln hier und da wieder aufgreift und fortwebt; so bekommt die Erzählung Glaubwürdigkeit und Authentizität.

In "Mr. Biswas" treffen gläubige Hindus, weniger gläubige Hindus, Christen und gelegentlich Moslems aufeinander, und das in drei Grundhautfarben plus Mischungen. Vieler Protagonisten stammen ursprünglich nicht vom Schauplatz Trinidad. Der tropische Multikulti-Mix, die unmittelbare, halb-dokumentarische Lebensechtheit, der heiter gezeichnete Kampf um ein besseres Leben und die sympathisierende Erzählhaltung rufen nach einer Verfilmung durch die jüngere Mira Nair. Ich konnte das Buch über 730 Seiten hin kaum weglegen, obwohl nicht sonderlich viel passiert und das Ende aus dem Prolog bekannt ist.

Naipaul verarbeitet lose seine eigene Jugend auf Trinidad. Mr. Biswas trägt Züge von Naipauls Vater Seepersad Naipaul; Anand aus dem Roman erinnert an V.S. Naipaul selbst. Doch wichtige Momente, Demütigungen, Hindu-Kult, aus dem tatsächlichen Leben fehlen im Roman, der dafür heiterer und leichter genießbar daherkommt. Ich habe auch "Briefe zwischen Vater und Sohn" gelesen, also zwischen dem in Oxford studierenden V.S. Naipaul und seinem Vater in Trinidad, wieder vorzüglich übersetzt: die Ereignisse und Persönlichkeiten zeigen Parallelen, aber auch viele Unterschiede zum Romangeschehen. Verblüffend aber, dass Vater Naipaul - selbst neben dem Zeitungsjob Dichter und Denker - seinem Sohn vorschlägt, doch den Vater zum Mittelpunkt eines heiteren Romans zu machen. Eine alternative Version der "Biswas"-Handlung liefert überdies der Roman "Fireflies" des jüngeren Bruders Shiva Naipaul, die "Wahrheit" schildert sehr lesbar die Naipaul-Biografie "The World Is what It is" von Patrick French.

Formal überzeugt "Mr. Biswas". Der Fokus liegt mal auf Mr. Biswas, dann auf seinem Sohn Anand oder aber Naipaul schildert die Geschehnisse in der angeheirateten Großfamilie. Mal werden Abläufe nur kursorisch geschildert, dann wieder blickt der Autor ganz genau hin. Am besten gefallen mir die Dialoge. Allerdings: nicht ganz verstehe ich den Prolog (den ich nach Ende der Lektüre noch einmal gelesen habe, schon weil ich mich von "Mr. Biswas" nicht losreißen konnte). Der Prolog wiederholt teils wörtlich Sätze des Buchendes. Im Prolog bekommen unwichtige Nebendarsteller einigen Raum, so dass man sie exponiert auch in der Gesamthandlung erwartet - dort spielen sie jedoch keine Rolle. So oder so verdient "Mr. Biswas" aber fünf strahlende Sterne.

Sabine Roth hat ordentlich übersetzt. Ich hatte auch einen englischen "Mr. Biswas" daliegen und habe öfter verglichen - nicht, weil mir Roths Eindeutschung nicht behagte, sondern aus reinem Interesse, vor welchen Herausforderungen sie stand. Klar wurde bei meinen Stichproben, dass Roth recht frei übersetzt und teils fast eher nacherzählt als übersetzt. Aber nur so entsteht auch schlüssiges, glaubhaftes Deutsch, das mehr ist als ein englisches Skelett in deutscher Kutte. Wer aber ganz nah an Naipaul sein will, muss wohl das englische Original lesen.

Allerdings reden die meisten Inder im englischen Original fast schon Pidgin-Englisch (angedeutetes Patois?), lassen Hilfsverben, Plural- und Imperfektendungen weg. Von dieser Sprachverflachung zeigt die deutsche Übersetzung mit ihrem schlichten Normalsprech nichts. Vermutlich ist das auch besser so, vermutlich hätte jedes Pidgin-Deutsch, jeder Akzent nur falsch gewirkt. Naipauls "Mystischem Masseur" will Graf dagegen mit Dialekt übersetzen, das geht in die Hose.

Die knappen, aber gesalzenen Wortwechsel zwischen Mister Biswas und seiner Frau klingen vordergründig giftig. Beim zweiten Lesen auch noch. Nur ganz in den Obertönen schwingen Zuneigung und ein Ohne-dich-geht's-auch-nicht mit - da gefällt mir die Übersetzung sehr. Allerdings:

In der englischen Fassung reden sich die Leute öfter mit "man" an, unter anderem sagt auch Shama zu ihrem Mister Biswas häufig "man". Das war wohl üblich in Trinidad, es erscheint in allen Romanen aus der Zeit. Sabine Roth übersetzt das ganz wörtlich mit "Mann" - es klingt aber im Deutschen bei den Sätzen der Frau wie ein zorniger Ausruf; so war es im Englischen wohl weniger gemeint.
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