Ein außergewöhnliches Buch ist hier zu besprechen, ein Buch aus der Mitte eines der längsten und historisch tief reichendsten Konflikte dieser Welt. Ein Buch, dessen Hauptfigur lebt in einem Ort, der vor 2000 Jahren Geschichte schrieb, als dort der Überlieferung des Lukasevangeliums zufolge Jesus von Nazareth in einem Stall geboren wurde. Jenes von einem kleinen Teil der Juden damals als Messias verehrten Menschen, den sie bald als Gottessohn verehrten und der zur Gründungsfigur einer Weltreligion wurde.
Bethlehem ist aber auch ein Ort, der von den Muslimen hochgeschätzt wird und liegt heute mitten in palästinensischem Gebiet.
Matt Beynon Rees, der Autor dieses außergewöhnlichen Kriminalromans, ist in Wales geboren und lebt seit langem in Jerusalem, wo er bis vor kurzen als Bürochef der "Time" gearbeitet hat. Er kennt sich also nicht nur mit der Geschichte des Konfliktes aus , der sich dort abspielt, sondern auch mit seinen aktuellen Ausformungen, Höhepunkten und all seinen Irrationalitäten.
Mit Omar Jussuf hat er einen Protagonisten erfunden, der auf mutige und sympathische Weise versucht, mitten in einem Strudel von Gewalt, Ideologie, Fanatismus und Korruption als Lehrer einer von den UNO unterhaltenen Schule seinen palästinensischen Schülern etwas beizubringen von der Geschichte des Konflikts, in dem sie aufgewachsen sind, wobei er immer bestrebt ist, die platten Freund-Feind-Bilder aufzubrechen und sich vehement gegen die Parole zur Wehr setzt, die Juden einfach ins Meer zu treiben.
In seinem neuen Buch führt Matt Beynon Rees seinen sympathischen Protagonisten nach Gaza. Zusammen mit seinem Chef, dem Schweden Magnus Wallender, soll er dort UNO-Schulen inspizieren. Kaum dort angekommen, erfahren sie, dass einer der UNO-Lehrer verhaftet worden ist. Der Vorwurf, der gegen ihn erhoben wird, lautet, er sei ein Agent der CIA, was seine Frau heftig bestreitet. Der verhaftete Lehrer hat lediglich die in Gaza allmächtige Korruption beim Namen genannt, ein Todesurteil in einem durch und durch korrupten Gemeinwesen, das seit Jahrzehnten nur von Alimenten lebt und dessen Führer nur an ihrem eigenen Profit und dem Erhalt ihrer Macht interessiert sind, und nicht an der Entwicklung ihres Landes, das sie dennoch der Welt immer wieder als Opfer zionistischer und jüdischer Gewalt mit nicht geringem Erfolg verkaufen.
Matt Beynon Rees nimmt bei der Beschreibung der Zustände auf die sein Ermittler wider Willen dort in Gaza trifft, genauso wenig ein Blatt vor den Mund, wie bei der Schilderung der Zustände im Westjordanland und in Bethlehem in seinem ersten Buch.
Das spannend erzählte Buch ist ein Dokument des verzweifelten Kampfes Einzelner um Gerechtigkeit in einer von Gewalt und Korruption verseuchten Umwelt. Es sind literarische Zeugnisse wie das vorliegende, die mich neben den aktuellen Nachrichten erheblich zweifeln lassen, ob es für dieses Gebiet und für den Konflikt dort überhaupt jemals eine Lösung geben wird.