Kurzbeschreibung
Autorenportrait
Auszug
Das Schiff durchquerte ein Gewässer von. lauernder Ruhe. Hier war Schlimmes passiert, und vielleicht kehrte es wieder. Es war kalt. Noch zwei Tage bis zum griechischen Osterfest.
Außer der jungen Frau war niemand an Deck. Das Ausflugsschiff näherte sich der Engstelle zwischen zwei Inseln von melancholischem Aussehen. An der einen ragte, wo sie der anderen am nächsten war, eine Stellwand aus schwarzem Fels auf, senkrecht fast, hoch wie eine Festung. Nicht die kleinste Pflanze schien dort zu gedeihen. Von weitem sah es aus wie eine Narbe, verhornt und verwachsen, beim Näherkommen bekam die Nacktheit des Gesteins einen metallischen Glanz. Von der Gegend ging Gewalt aus. Da stand etwas und drohte, überall zwischen Himmel und Wasser, vibrierend und unsichtbar. Eine Kraft vor dem Sprung, ein Blitz, noch lichtlos, kurz vor dem Aufzucken und Zuschlagen.
Sie nahm den Schal enger um den Hals und zog die Schultern hoch, denn sie fror. Sie versuchte in der schwarzen Wand zu lesen wie in einem Buch. Es gab dort durchaus Vorsprünge, Risse und Höhlen, Mulden und Nasen, Verfärbungen ins Rötliche oder Fahle, und je näher das Boot herankam, desto zerklüfteter und. vielfältiger wirkte das Gestein. Aber in sich lesen ließ es nicht.