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5.0 von 5 Sternen
Einblicke in intime Frauenwelten, 3. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Ein Geschenk des Vogels (Gebundene Ausgabe)
EUN Heekyung (*1959) gehört zu den jüngeren Autorinnen der zeitgenössischen koreanischen Literatur, die sich bewusst alltäglichen Themen zuwenden und sensibel unbemerkte weibliche Lebensgeschichten ins Bewusstsein rücken. Euns erster Roman '"Ein Geschenk des Vogels"' (1995) führt zurück in die späten 60er Jahre, in den intimen Kosmos eines Hofhauses, das die Bewohnerparteien dicht an dicht vereint und für Geheimnisse keinen Platz bietet.
Durch Tragödien und Skandale, durch eine Vielzahl von Lebensgeschichten und Lebensentwürfen starker Frauen führt die Ich-Erzählerin Jinhi. Aus dem Heute einer 38jährigen Frau blickt sie in die Zeit zurück, als sie 12 Jahre alt war. Ihr Blick auf die Welt ist nicht kindlich, sondern angenehm erwachsen. Das frühreife Mädchen befindet sich auf einer Höhe mit dem Leser, rational, abgeklärt und belehrend analysiert sie die Mitmenschen, denn unter der Maske des naiven Kindes verborgen erhält sie Zugang zu den intimsten Geheimnissen der Nachbarn: Liebe und Lust, Berechnung und Lügen, Misshandlung, Ehebruch, Abtreibung ' nichts bleibt ihrem allzeit wachen Auge verborgen.
Wahrend Jinhi die anderen seziert und mit ihnen Experimente durchführt, sucht sie die eigenen Gefühlsregungen zu unterdrücken. 'Ich halte Distanz zu meinem Leben, indem ich mich in ein sichtbares Ich und ein sehendes Ich teile.' Sie will sich innerlich abhärten, keine Schwäche aufkommen lassen. ' Ein typischer Selbstschutzmechanismus, um sich gegen Verluste zu wappnen, wie den der der Eltern, die mit sechs Jahren aus ihrem Leben verschwanden. Das Defizit an unerschütterlicher, unbedingter Mutterliebe konnte auch die wohlmeindende Großmutter nicht ersetzen.
Unter dem harten Verstandespanzer verbirgt Jinhi ein empfindsames Herz, das auch von den Qualen der ersten Liebe nicht verschont bleibt.
Ein melancholisches UND ironisches, wundervolles Buch, das viel Allgemeinmenschliches, aber auch viel koreanische Mentalität vermittelt ' ohne dass oft auf den Kommentar zurückgegriffen werden muss. Auf das in aller Kürze über Euns Stellung in der Literaturgeschichte orientierende Nachwort sollte jedoch kein Leser verzichten.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anfangs glaubt man "das kenne ich doch" und dann gibt sie Gas, 1. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Ein Geschenk des Vogels (Gebundene Ausgabe)
... Ja angfangs beim Lesen dauerte es nicht lange und ich dachte "moment mal, das kennst Du doch", ist hier Oskar Mazerat aus der Blechtrommel plötzlich zu einem Mädchen geworden: Das Kind, das sich nicht mehr weiterentwicklen muss und will, weil es die Erwachsenenwelt schon voll durchschaut. Also war meine Einstellung zu dem Buch erst mal ziemlich am Boden, angesichts der zu offensichtlichen Ähnlichkeit. Doch dann so langsam bekommt es seine eigene Dynamik, die Ähnlichkeit ist plötzlich weg und an ihre Stelle tritt eine sehr starke und kraftvoll präzise Charakteranalyse der Figuren durch die Protagonisten. Gleichzeitig kommen immer wieder urkomische oder erschreckend ernüchternde Szenen. Meine Meinung vom Leben zwischen Mann und Frau hat die Autorin jedenfalls mächtig auf den Boden (zurück)geholt, weswegen ich das Buch nur empfehlen kann. Dazu kommt, dass wir Europäer durch die Erzählweise mitten in eine sehr weit entfernte östliche Gesellschaft und Kultur geholt werden, ganz nah und unmittelbar.
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