Einmal mehr legt hier ein Autor durch seine Geschichte Zeugnis ab über die Zeit der Judenverfolgung unter der Naziherrschaft Hitlerdeutschlands, die schließlich auch andere Länder erfasste.
In Frankreich ist es die Familie Grimbert, die zu den Betroffenen gehörte.
Philippe Grimbert, 1948 in Paris geboren, kommt erst als heranwachsender Jugendlicher hinter das subtile Geheimnis seiner Familiengeschichte.
Louise, eine Freundin seiner Eltern, ist ihm wunderbare Zuhörerin und Freundin zugleich, die ihm eines Tages eröffnet, dass sie Juden sind. Sie weiht ihn nach und nach in die Geheimnisse der Familie ein.
Philippe war ein sensibler und wacher Junge, der immer gespürt hat, dass er den Anforderungen und Erwartungen seines Vaters nicht genügen konnte. Die Eltern waren beide schön und sportlich, er dagegen war ein schwacher und kränklicher Junge. Insgeheim phantasierte er sich einen großen Bruder, mit dem er Gedankenaustausch hielt. Dass es diesen Bruder wirklich gab, stellt sich erst später als schauerliche Wahrheit heraus.
Als Kind hat er sich eine ideale Familie zusammengeträumt. Auch die Liebesgeschichte seiner Eltern gehörte dazu.
Spät erst lernt er die tragische, geheimnisvolle und traurige Wahrheit kennen, in die sein Vater und seine Mutter verstrickt waren.
Sein Vater war in seiner Jugend ein Frauenheld, der schönen Frauen nicht widerstehen konnte.
So verliebte er sich schon bei seiner Hochzeit mit Hannah unsterblich in seine Schwägerin Tania. Tania aber ist die Frau von Hannahs Bruder, der im Krieg fällt. Hannah ahnt die Liebe ihres Mannes zu Tania. Als die Juden vor den Häschern der Nazis fliehen, entscheidet Hanna sich in schicksalhafter Ergebenheit dazu, ihr Judentum nicht zu verleugnen, den Fluchtweg zum Versteck ihres Mannes nicht anzutreten und so mit Simon, ihrem gemeinsamen Sohn, dem Todeslager entgegen zu gehen. So ist der Weg frei für Maxime, Grimberts Vater, und Tania, eine neue Familie zu gründen, aus der Philippe hervorgeht.
Er wird später Psychoanalytiker. Dieser Beruf erleichtert ihm den Weg zu seiner eigenen Vergangenheit und zu seinen Eltern.
Es ist ein Weg, der über das Verstehen die Bewältigung so vieler Ungereimtheiten in seiner Familiengeschichte möglich erscheinen lässt.
Die Geschichte ist wunderbar einfühlsam geschrieben. Sie ist zugleich ernst und traurig, realistisch, begreifend und mit genügend Distanz versehen, um einen Eindruck davon zu bekommen, dass menschliche Verstrickungen mit besonderer Schuld behaftet waren, wenn sie in diesen schrecklichen Zeiten und unter so unmenschlichen Bedingungen stattfanden.
Die vielen Berichte aus der nahen Vergangenheit runden das Bild der Geschichte immer wieder neu ab, denn jede Geschichte ist auf ihre Weise einmalig, so auch diese.
Ich empfehle das Buch sehr!