Endlich mal ein Film, in dem die Protagonisten nicht reich, heldenhaft oder mindestens Künstler sind. Hier ist alles normal, every day life, und dass es hier um die aktuelle, deutsche Wirklichkeit geht, verraten auch die Bilder. Kalte, blaue Farben, sterile Flughäfen, Funktionsgebäude ohne jeden Charme, Wohnungen mit schwedischen Billigmöbeln, aber wenig Heimat. Es regnet. Die einzige Geborgenheit findet sich in einem Auto, halb Schrott und ohne Dach.
Aber geborgen fühlt man sich ja eigentlich mit anderen Menschen, nicht in Umgebungen, und so fühlt sich der von Daniel Brühl gespielte Versicherungsmathematiker Karl schnell an der Seite von Hans (Jürgen Vogel) und dessen Freundin Stelle (Sabine Timoteo) geborgen und tut plötzlich Dinge, die er zuvor nie gewagt hat. Zum Beispiel Kommunizieren. Zum Beispiel sich verlieben. So zum Beispiel leben. Die Entdeckung der Realität hinter den Fassaden von Karriere und Konsum.
Welche Geschichte wird nun erzählt durch die herausragenden Bilder und Darstellerleistungen? Eigentlich eine Kurzgeschichte. Karl wird von seinem Manager in der Versicherung hinaus in die harte Wirklichkeit der 400 EUR Jobs in eine Autovermietung am Flughafen geschickt. Sein Chef will ihn provozieren, endlich etwas von seinem wahren Ich freizugeben. Und das klappt auch irgendwie. In der Vermietung stößt Karl auf Hans, der in den Tag hinein lebt, kaum Geld zum Überleben braucht, und eigentlich nichts ernst nimmt - außer der gerade gewonnenen Freundschaft zu dem introvertierten Karl, der ihm gerade ein paar Tips gegeben hat, um das Einstellungsgespräch erfolgreich zu meistern. Und so weicht Hans dem merkwürdigen, etwas verklemmten Karl nicht mehr von der Seite und bringt ihm bei, Spass zu haben. Und das so richtig. Und als Karl selbst anfängt, kreativen Unsinn zu bauen, ist es das Paradies für beide. Dass Karl jetzt nicht mehr wirklich Versicherungsmathematiker sein will, versteht sich wohl von selbst.
Aber es geht noch weiter. Hans liebt Stelle. Liebt Stelle Hans? Jedenfalls liebt Karl Stelle und als er in einem rührenden Dialog Stelle seine Liebe gesteht, entsteht eine Dreiecksbeziehung mit allen Fragen, die solche Beziehungen den Beteiligten aufbürden können. Wie wird Hans reagieren? Was wird aus der Beziehung, wenn es Stelle, die Stewardess, in ferne Länder zieht? Wie wichtig ist das titelgebende Thema Freundschaft wirklich, wenn es einer Krise ausgesetzt wird? Und was passiert, wenn Karl seinem Freund Hans endlich gesteht, dass er ja eigentlich ein Leben außerhalb der Autovermietung hat. Fragen über Fragen.
Ja, der Film lohnt das Sehen wirklich, denn man erhält einen anderen Blick auf die Wirklichkeit, die uns so oft Grenzen zu setzen scheint. Und der Film zeigt, wie wir diese Grenzen möglicherweise überwinden können (zum Beispiel durch Großzügigkeit). Und er hat für mich die schönste Schlussszene, die ich in den letzten Jahren in einem Film gesehen habe.
Klein, still und herausragend, dieser Film.