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Ein Freund der Erde.
 
 
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Ein Freund der Erde. [Gebundene Ausgabe]

Tom Coraghessan Boyle , Werner Richter
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser; Auflage: 6 (9. März 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446199756
  • ISBN-13: 978-3446199750
  • Größe und/oder Gewicht: 22,9 x 14,7 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 63.731 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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T. C. Boyle
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Oh je! Städtenamen wie Los Andiegoles und San José Francisco verheißen nichts Gutes. Wo sind wir hier hineingeraten? In T. C. Boyles bitterböse Endzeitgroteske, in der der Homo sapiens seine Erde endgültig zu einer Mischung aus Wüstenplanet und Müllkippe heruntergewirtschaftet hat. Unter ewigem Dauerregen siecht in Kalifornien eine hautverkrebste Bevölkerung dahin. Nahrung (sofern dies noch den Namen verdient) und Strom sind Mangelware. Die Atmosphäre: eine Giftküche, in der es selbst im einstigen Sonnenstaat mittags um drei schon stockfinster wird. Immerwährende Superorkane haben die Menschen gezwungen, in fest verankerten Betonquadern dahinzuvegetieren. Aus anderen Weltregionen hört man ähnlich Beruhigendes: Rhein und Loire sind inzwischen bevorzugte Reisanbaugebiete!

Wir schreiben das Jahr 2025. Tyrone O'Shaughnessy Tierwater, kurz Ty genannt, hat ein bewegtes Leben hinter sich. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehörten er, seine zweite Frau Andrea sowie Tochter Sierra zu der Sorte radikaler Umweltschützer, die sich schon mal mit den Füßen als lebende Straßenblockade einbetonierten, um einen tausendjährigen Mammutbaum vorm finalen Axthieb zu schützen (die Schilderung dieser Aktion, inklusive Windeleinsatz, ist eine einzige Slapstick-Orgie).

Inzwischen ist Ty fünfundsiebzig und reichlich desillusioniert. Frau und Tochter hat er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen, Umweltschutz hat sich mangels Umwelt auch erledigt. Sein Broterwerb wird durch die Marotte eines superreichen Popstars gesichert, die Pflege einer Privatmenagerie vom Aussterben bedrohter Viecher mit anheimelnden Namen wie Schabrackenhyäne, Patagonischer Fuchs und Warzenschwein. In diesem eher düsteren Lebensabschnitt taucht aus heiterem Himmel Andrea mit einem Spezialauftrag bei ihm auf. Schlagartig holt den armen Ty seine geheimnisvolle Vergangenheit wieder ein!

Mit seiner schrill-apokalyptischen Tierwater'schen Tier- und Pflanzenkunde haut uns T. C. Boyle in einer Mixtur aus giftigstem Galgenhumor, Endzeit-'Grunge' und Ökothriller unsere gesammelten Umweltsünden um die Ohren und entwirft gleichzeitig ein Schreckensszenario, welches durchaus nicht mehr unrealistisch scheint. Großartig! --Ravi Unger

Neue Zürcher Zeitung

Kalifornisches Katastrophenszenario

T. C. Boyle rechnet mit Umweltsündern und -schützern ab

Eine nette Lektüre bei gemischten Gefühlen? T. C. Boyles Ökoaktivisten-Epos «Ein Freund der Erde» ist wohl eher ein weniger gelungenes Buch, wenn man strenge literaturkritische Massstäbe anlegt, doch ohne Zweifel ist es auch ein äusserst aktuelles Werk. Wie lässt sich nun aber das eine – die etwas eindimensional geratene Auseinandersetzung mit den Bizarrerien radikalökologischer Sektierer – mit dem anderen – dem engagierten Auspinseln katastrophaler Klima- und Lebensbedingungen in naher Zukunft – verrechnen? Hat das eine mit dem anderen ursächlich zu tun? Und wenn ja, was ist dann wichtiger – der «Sitz im Leben» oder eine ästhetische Theorie?

Denn dass die Menschheit den gesamten Globus in ein einziges grosses Reagenzglas verwandelt hat, ist nichts Neues – also ist es per se noch kein Verdienst, einmal mehr darauf hinzuweisen. Und dass der Weltuntergang, wenn er denn stattfinden wird, nicht nach ästhetischen Kriterien bewertet werden kann, ist daher auch keine Rechtfertigung für schwache Literatur – im Gegenzug aber auch kein Argument für krittelnde Schöngeisterei.

Probieren wir es also mit der Geschichte von Ty Tierwater, der in den achtziger Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts vom haltlosen Unternehmerssohn und -erben zum überkompensierenden Ökoterroristen mutiert; der sich um einer Frau willen einer Bewegung anschliesst, die «Earth Forever» heisst, und daraufhin dieser Idee sein Vermögen opfert. Er unternimmt eine stattliche Anzahl erstaunlich kontraproduktiver Aktionen gegen das Abholzen der Wälder, bei denen er nicht nur nichts bewirkt, sondern alles immer nur schlimmer macht: So fackelt er nicht nur den Maschinenpark von Waldarbeitern ab, sondern verursacht zugleich einen regelrechten Waldbrand; verliert das Sorgerecht für seine halbwüchsige Tochter, weil er sie juristisch gesehen zu kriminellen Handlungen verleitet; und landet im Gefängnis, während die Bewegung sich von ihm distanziert, weil er dem hehren Ziel in der Öffentlichkeit allzu viel Schaden zugefügt hat.

Mehr als dreissig Jahre später, im Kalifornien des Jahres 2025, hütet er als mittlerweile 75-jähriger verkrachter Altfreak den Privatzoo eines ältlichen Popstars. In dessen Käfigen und auf dessen Anwesen leben die letzten verbliebenen exotischen Tiere – Hyänen, Ameisenbären, Löwen und seltene Fuchsarten – während ringsumher die Wälder abgestorben sind, Kalifornien im Dauerregen versinkt und eine «Extremgrippe» jene 61 Millionen Menschen bedroht, die in dieser Ecke der USA ohne Krankenversicherung und ohne funktionsfähige Infrastruktur zusammengepfercht sind – ein Horrorszenario, phantasievoll ausgeschmückt, mit viel Sarkasmus angereichert und konsequent dem Untergang geweiht.

Dieses Kalifornien ist im Prinzip eine Fortschreibung der letzten Seiten von Boyles Roman «America» (1995, deutsch 1996), vielleicht auch die Bebilderung der spektakulären Thesen des Stadtsoziologen Mike Davis. Darin steckt wahrscheinlich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit – und dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, weil man vielleicht doch anderes erwartet haben dürfte als nur die Ausgestaltung populärer Phantasien und Ängste.

T. C. Boyle macht es sich diesmal wohl zu leicht. Auch «America» war ein Schmöker, aber einer, der ökologische und soziale Fragen von vielen Seiten her beleuchtete. «Ein Freund der Erde» ist dagegen eine relativ schlichte Farce über den Niedergang von ein paar gottverlassenen Spinnern, die – glaubt man diesem Roman – mit guten Absichten und schwachen Psychen das Wohl von «Mutter Erde» erkämpfen wollten. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier einer beim Erzählen abrechnet – umso mehr, wenn ganz am Ende die Rettung ins geradezu kleinbürgerlich Private steht und dem alten Ty inmitten umgestürzter Bäume und an der Seite seiner Ex-Frau endlich Ruhe zuteil wird. Da wächst ganz unverhofft sogar wieder ein frisches Grün zwischen den modernden Stämmen (so ähnlich wie auf dem Grab von Gottfried Kellers «Grünem Heinrich», erste Fassung) – Ty Tierwater lebt fort als romantisch gescheiterter Rentner, und die Natur richtet von allein, was Menschenhand noch nie in Ordnung halten konnte.

Bei dieser Wendung der Dinge stehen naturgemäss dem kritisch-theoretisch geschulten Rezensenten die Haare zu Berge – denn wenn es um etwas so Desaströses wie den ökologischen Kollaps geht, kann doch eigentlich nur die äusserste Adorno'sche Negativität dem Thema gerecht werden, oder? Will sagen: Man muss nur wollen, dann lässt sich dieses Buch zügig und routiniert erledigen. Die bekannten Bilder von den Massengräbern und den Scheiterhaufen für unsere Haustiere sind schliesslich noch viel schrecklicher – und stammen zudem direkt aus der sogenannten Wirklichkeit.

Mag sein – aber über kurz oder lang werden diese Zivilisationsopfer ihren Nachrichtenwert verlieren, und dann werden wir wohl auch bald wieder mit aller Sorglosigkeit die Fleischtruhen im Supermarkt inspizieren. Währenddessen aber werden die USA das Klimaprotokoll von Kyoto ausser acht gelassen haben, und auch andere Industriestaaten, etwa die Bundesrepublik, werden in absehbarer Zeit die dort definierten Umweltziele nicht verwirklichen. An den Folgen wird dann nicht nur die ästhetische Theorie irgendwann zu knabbern haben, und deshalb sollte man Ty Tierwater – und auch seinem Schöpfer T. C. Boyle – «trotz allem» eines zugute halten: Sie haben zumindest etwas riskiert.

Michael Schmitt


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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ... kann kein Menschenfreund sein, 9. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Ein Freund der Erde: Roman (Taschenbuch)
Der Roman berichtet vom Leben eines im Jahre 2025 75jährigen Mannes. Nordamerika, seine Heimat, wird zu dieser Zeit winters von flutartigen Regenfällen, sommers von Dürreperioden heimgesucht. Die uns heute bekannte Flora und Fauna ist so gut wie verschwunden, durch vormals in anderen Erdteilen ansässige Arten oder Mutanten ersetzt. Seuchen, Armut und das unbeherrschbare Klima machen den Menschen zu schaffen.

Ty Tierwater ist ein seit Jahrzehnten mehr oder weniger militanter Umweltschützer, der sich in früheren Jahren durch Sabotageakte und Zerstörungen mehrmals ins Gefängnis gebracht hat.
Zwischen den Zeitebenen der 80er/90er Jahre des vorigen Jahrhunderts und der fiktiven Jetzt-Zeit des Romans wechselnd, wird sein Leben erzählt. Der Leser erfährt in Rückblicken, wie Tierwater als schon nicht mehr ganz junger Mann in die Öko-Bewegung geriet und immer dogmatischer wurde, wie Lebensereignisse und Schicksalsschläge ihn und seine Familie beuteln und wie er schließlich als alter Mann mit nachvollziehbaren körperlichen und seelischen Erschöpfungs- und Abnutzungserscheinungen in einer uns völlig absurd erscheinenden Welt immer noch gegen die Windmühlen des "Fortschritts" ankämpft, wenn auch in niedrigerem Gang. Manche Menschen hat er im Laufe seines Lebens verloren, manche begegnen ihm unerwartet erneut, und auch spät im Leben gewinnt er noch neue Freunde.

Dieses Buch ist voller Witz, Gefühl und Lebenserfahrung. Dem Leser bleibt überlassen, wie tief er auf die zum Teil auch bitteren, manchmal zwischen den Zeilen versteckten, Betrachtungen einsteigt. Beim Lesen so mancher Passage blieb mir sozusagen das laute Lachen im Halso stecken, so treffend schildert Boyle z.B. die widerstreitenden Gefühle bei der Durchführung verschiedener "Aktionen" zur Rettung der Wälder. Andere, die Familie betreffende Ereignisse und Emotionen, werden mit großer Zärtlichkeit und Einfühlungsvermögen beschrieben. Zukunftsängste und mehr oder weniger abgeklärte Vergangenheitsbetrachtungen sowie körperliche Beschwerden des 75jährigen haben ebenso ihren Platz. Zum Schreien komisch und zugleich schrecklich sind teilweise die Schilderungen der Lebensumstände im Jahre 2025.
Für alle diese verschiedenen Ebenen findet Boyle in diesem zudem noch spannenden Buch den richtigen Ton.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Clevere Story, 2. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Ein Freund der Erde. (Gebundene Ausgabe)
Dies ist die Geschichte von Ty Tierwater, einem Freund der Erde(?). T.C. Boyle spielt geschickt mit dem Wechsel von Zeitebenen. Das Jetzt ist 2025; ein Leben auf einem geschundenen Planeten Erde; vieles,was uns heute als natürlich erscheint, ist verschwunden. Es gibt Katastrophen, Seuchen und immer weniger Lebensraum. Die meisten Tierarten sind verschwunden. Die Geschichte im Jahre 2025 wird immer wieder unterbrochen durch Rückblicke in die letzten 20 Jahre des 20.Jahrhunderts als Ty Tierwater in die Rolle des Umweltschützers stolpert. Stück für Stück entblättert Boyle die Zusammenhänge des Lebens Tierwaters mit der "Entwicklung" der Erde. Die Umweltschutzbewegung wird genauso kritisch und ironisch durchleuchtet wie ihre Gegner in den Großkonzernen. Im Jetzt, 2025, kommt es zum Zusammentreffen Tierwaters mit Schlüsselfiguren seiner Vergangenheit, so daß im übertragenen Sinne seine Vergangenheit auch seine Zukunft ist. Die einzelnen Ebenen sind geschickt mit einander verwoben und T.C. Boyle besticht wie immer durch seine Art von Humor und Ironie.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Freund der Erde - Feind des Menschen - T.C. Boyles Ökosatire, 11. Oktober 2001
Von 
Dieter Boehm (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein Freund der Erde. (Gebundene Ausgabe)
Wir schreiben das Jahr 2025, und über das Wetter zu reden ist kein Small Talk mehr, sondern hat nach globaler Erwärmung und totaler Klimakatastrophe eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Tyrone O'Shaughnessy Tierwater, kurz Ty, der alles andere als beneidenswerte Held des neuen Romans von T. Coraghessan Boyle, fristet sein Leben als rüstiger Mittsiebziger und Hüter der skurrilen Menagerie von Maclovio Pulchris, einem ehemaligen Rockstar, der es sich in den Kopf gesetzt hat, „die Tiere zu retten".

Die Geschichte des Ty Tierwater ist eine weitere in der Serie zynisch-kritischer Lebensreisen durch den American Way of Life, mit denen T.C. Boyle bekannt geworden ist. Neben einem klassischen historischen Roman über die Reisen Mungo Parks nach Afrika („Water Music", 1981, dt. „Wassermusik") hat der 53jährige Amerikaner in seinen Romanen und Erzählungen nämlich unter anderem bereits den illegalen Drogenanbau („Budding Prospects", 1984, dt. „Grün ist die Hoffnung"), die Abenteuer eines japanischen Marinedeserteurs, der in einer Künstlerkolonie in Georgia unterschlüpft („East is East", 1990, dt. „Der Samurai von Savannah") und die Geschichte John Harvey Kelloggs, des Erfinders der Cornflakes und Betreiber der ersten großangelegten Gesundheitsfarm („The Road to Wellville", 1993, dt. „Die Straße nach Wellville") behandelt und begibt sich mit seinem neuesten Roman unter die Umweltschützer.

Wie alle Helden Boyles ist auch Ty eine tragikomische Figur. Denn berüchtigter Umweltaktivist und geradezu Öko-Terrorist, der er ist, zählt Ty doch zu den Spätbekehrten, da er erst in seinen Vierzigern und auch da nur durch die Anziehungskraft einer (später seiner) schönen Frau ins Zentrum einer erfolgreichen Gruppe von Umweltaktivisten gerät. Und so bleibt sein Verhältnis zur Umwelt und den menschlichen Bewegungen zu ihrem Schutz stets ein gespaltenes und der überzeugte Steak-Esser und Echtholzkaminromantiker rafft sich nur von Zeit zu Zeit zu Aktionen für Tiere und Wälder auf. Dann aber schafft er es, diese stets spektakulärer werdenden Einsätze durch den Übereifer des Spätkonvertierten regelmäßig in Katastrophen enden zu lassen. In der Gewissheit, zum Feind der Menschen werden zu müssen, um ein Freund der Erde zu sein, tut er zwar Gutes, aber davon immer gleich viel zu viel. Und so bleibt sein Leben eine Reihe von Misserfolgen, die ihn nicht nur ins Gefängnis bringen, sondern auch zusehends von Frau und Tochter entfernen.

Die Beziehung Tys zu seiner Tochter Sierra ist für mich der interessanteste Teil der verzweigten Story, die der nur stellenweise ein wenig zum Fabulieren neigende Boyle in rasanten Zeitsprüngen zwischen dem Ende des 20. Jahrhunderts und 2026 anlegt. Nach einer medienwirksamen Aktion, bei der er mit seiner Frau 30 Tage nackt im Wald gelebt hat (die wenig angenehmen Erlebnisse der beiden schildert Boyle mit merklichem Gusto) muss Ty eine einjährige Haftstrafe für ein früheres Vergehen im Dienste der Natur verbüssen. Kaum hat er resümierend festgestellt, dass bei ihm Besserung nicht eingetreten ist und die einzige Reue, die er empfunden hatte, die war, geschnappt worden zu sein, steigt seine Tochter, die einzig wahrhafte Naturliebhaberin in der Familie, auf einen Baum, um dessen Fällung durch ein Großunternehmen zu verhindern. Da muss Ty erkennen, dass er es endgültig geschafft hat, seine Tochter zu verlieren. Ein Vorbild für die Figur Sierras war hierbei möglicherweise die Amerikanerin Julia Butterfly Hill, die 1997 einen Redwoodbaum in Kalifornien bestiegen und diesen erst zwei Jahre und eine Woche später wieder verlassen und ihre Erlebnisse in einem Buch („Die Botschaft der Baumfrau") geschildert hat. Die berührende Einfachheit bei gleichzeitig bestechender Wirksamkeit dieser Aktion scheint Boyle zwar dadurch anzuerkennen, dass Sierra die mit Abstand sympathischste Figur des Buches ist, doch lässt das unspektakuläre Ende der Aktion und Sierras wieder die vom Autor stets aufrechterhaltene Distanz zu seinen Figuren und deren Unternehmungen aufkommen.

„Ein Freund der Erde" ist ein tragikomischer moderner Abenteuerroman, der die Beziehung des Menschen zur Natur auf mehreren Ebenen beleuchtet. Denn der bemitleidenswerte Held Ty schlägt sich nicht nur mit den Gegnern der Natur und deren Abordnungen von Sheriffs und Privatdetektiven herum, sondern auch mit harmlosen und weniger harmlosen Unbilden der Natur von stacheligem Boden bis zu hungrigen ausgebrochenen Löwen. Der Spannungsbogen wird dabei durch bisweilen sehr komische Elemente aufrechterhalten, am schönsten aber ist dieser Roman dort, wo Boyles Sprache in der Schilderung zutiefst menschlicher Ereignisse berührend wird, etwa dem Tod von Tys erster Frau oder seiner Beziehung zu Sierra. Allen Freunden unterhaltsamer Literatur mit Tiefgang sei jedes Werk von Boyle und also auch „Ein Freund der Erde" wärmstens empfohlen.

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