Wahrscheinlich bin ich durch Bücher wie "Hyperion" von Dan Simmons und Iain Banks' Universum bereits völlig verdorben. Ich habe mir das Buch aufgrund der Rezensionen mit in etwa denselben Erwartungen gekauft, die ich auch an Dan Simmons gestellt hätte, und wurde etwas enttäuscht. Das "Hyperion"-Universum war, obwohl es praktisch nur von Menschen bevölkert wurde, komplexer, mutiger und vielfältiger als dieser Weltentwurf. Der Einfall, Kommunikation wie Emails oder Usenet aussehen zu lassen, wird auch in Banks' Culture-Romanen verwendet und kommt in "Ein Feuer auf der Tiefe" nicht gegen die in Banks' Büchern oft sehr geistreiche Kommunikation an. Bei Banks charakterisiert die Kommunikation z.B. die Minds sehr gut, schon die Absender sind interessant und tragen zur Geschichte bei, wie etwa in "Excession". Aber wahrscheinlich ist so ein Vergleich auch einfach unfair. Deshalb kurz zum Buch selbst:
Was mir gefällt, ist die Vielfalt und die großen Maßstäbe, in denen das Buch spielt. Das Buch ist wirklich Space Opera, und das mag ich sehr. Es ist ein ganz großer Entwurf, und ich würde mich freuen, mehr von diesem Universum zu lesen. Mir gefällt der Charakter Pham, er ist interessant genug, um einen allein ans Buch zu fesseln. Die Geschichte von der Macht, die aufgehalten werden muss, ist zwar schon tausendmal dagewesen, aber was soll's - es ist ja auch spannend. Ich lese das gern noch tausendmal, wenn's gut gemacht ist.
Was mir gar nicht gefällt, ist die Übersetzung. Ich kann gar nicht glauben, dass jemand dafür einen Preis bekommt, denn, wie schon weiter unten jemand gesagt hat, ist das Deutsch häufig einfach schlecht. Teilweise sind Wendungen wörtlich übersetzt anstatt in die entsprechende deutsche Redewendung, teilweise hat der Übersetzer Worte einfach falsch eingedeutscht. Rechtschreibfehler sind auch drin - das muss wirklich nicht sein. Das alles kann man übergehen, wenn es nicht der Geschichte schadet, aber mich stört wirklich, dass es oft den Schwung aus der Geschichte nimmt: Die Dialoge sind gestelzter, als sie sein müssten (vor allem die außerhalb der "mittelalterlichen" Kultur), die Beschreibungen unnötig lang und gewunden. Das Original ist deutlich flotter und dadurch spannender.
Ich muss mich auch der Rezension weiter unten anschließen, in der steht, dass die Intentionen der Personen zu sehr ausgewalzt werden. Finde ich auch. Das wirkt manchmal regelrecht betulich. Streckenweise, vor allem durch die jugendlichen Hauptdarsteller und die putzigen Außerirdischen (die "Topfpflanzen" etwa), hatte ich den Eindruck, ein Kinderbuch zu lesen, aber dazu ist es dann stellenweise wieder zu kompliziert und zu brutal.
Ich denke, mein Hauptkritikpunkt ist, dass das Buch nicht weit genug geht. Es wirkt auf mich nicht mutig genug. Da hat er schon so einen großen Weltentwurf, allmächtige Kreaturen, böse Götter und uralte Kulturen, und alles, worum er sich kümmert, ist das Seelenleben seiner Protagonisten in sämtlichen Details. Raumstationen sind Strände mit Außerirdischen, die in einem früheren Leben Schrotthändler in Dortmund waren, und Bars sind direkt aus Star Wars importiert. Was die Perversion so pervers macht, wird allerhöchstens angedeutet, und das zu diskret, um Angst zu erzeugen. Flensers Experimente, das Wettrüsten, alles wirkt etwas zu brav - wie ein Buch für Zwölfjährige eben.
Alles in allem mag ich das Buch - es ist eine große Geschichte, interessant, mit genug guten Charakteren und Ideen, um einen auf einer sehr langen Zugfahrt und noch einen Abend im Hotel zu fesseln. Wer Dan Simmons nicht liebt und wem Iain Banks zu böse ist, wird dieses Buch sehr mögen, alle anderen werden es wahrscheinlich ganz gern lesen. Weil ich zur letzteren Kategorie gehöre, bekommt das Buch nur drei Sterne.