Cleopatra Jones (Tamara Dobson) hat ihre Agentenlizenz vom Präsidenten persönlich und darf daher auch schon mal härter durchgreifen. Zu Beginn des Films fackelt sie ein Mohnblütenfeld ab, und zwar irgendwo in der Türkei (die genau dort aussieht wie eine Westernlandschaft). In den USA rückt ihr dann die Verbrecherorganisation von Mommy (Shelley Winters) auf die Pelle. Diese hat nämlich Mühe ihren Heroinhandel am Laufen zu halten und mag es nicht, wenn Superagenten wie Cleopatra Jones ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Beide Widersacherinnen haben Kontakte zur Polizei. Das macht den Fall für Cleo nicht leichter und sie muss jede Menge böser Buben ausschalten, aber solange der Afro, das Kopftuch, die Haute-Couture und die Karate-Kicks sitzen, muss sie sich nicht allzu fest aus der Ruhe bringen lassen.
Die frühen 1970er waren die goldenen Jahre der Blaxploitation-Filme. MGM hatte Shaft, AIP bot Pam Grier als Coffy oder als Foxy Brown auf und Warner zog mit Cleopatra Jones nach. Die Heldin gab dem Debut gleich den Namen: Ein Fall für Cleopatra Jones (OT: CLEOPATRA JONES, Warner Bros. 1973). Die Zutaten sind bekannt: Schiessereien, Kämpfe, Verfolgungsjagden, eingebildete Schurken, korrupte Polizisten, Gut und Böse dicht beisammen, dazu Klamotten und Frisuren aus einer Zeit, die den Begriff "Fremdschämen" noch nicht kannte. Das Ganze wird von einer überschaubaren Dramaturgie umhüllt. Mehr als in anderen Filmen des Genres haben hier die Frauen das Wort. Ausserdem haben sie eine umfangreiche Garderobe und sind auch technisch recht gut ausgerüstet. Das kommt gerade der Heldin pässlich, die mit ihrer Corvette auch halsbrecherische Verfolgungsjagden ohne Kratzer übersteht und nebenbei nach wenigen Handgriffen eine halbautomatische Waffe zücken kann, um die Schurken in die Schranken zu weisen. Das Ganze ist zwar nicht unbedingt feudal, aber doch zumindest flott inszeniert. Das ist sicher ein Blaxploitation-Film, der seinem Genre Ehre macht.
Zur DVD: das 85 Minuten lange Werk kann man in farblich guter Qualität geniessen. Das Format ist 2,40:1 (in 16:9). Bemerkenswert: trotz guter Bildbearbeitung sind die Rollenwechselzeichen noch enthalten, aber das stört nicht gross. Die Auswahl an Sprachen und Untertiteln ist in Ordnung. Gleiches lässt sich zum Bonusmaterial nicht sagen, denn es gibt schlicht keines. Das wäre ganz klar ausbaufähig gewesen. Deshalb gibt es insgesamt drei von fünf Reifenquietschen und eine fehlerfrei abgelesene Rechtsmittelbelehrung.