Nun schnüffelt sie endlich wieder! Bella Block, Ex-Kriminalkommissarin, die sich mit der Interpretation des Pergamonaltars als Darstellung des brutalen Geschlechterkampfes abmüht, benötigt dringend eine Pause von ihrem zu ruhig gewordenen Leben. Also begibt sie sich auf die Suche nach der seit Monaten vermißten Tochter einer Nazisse, wie sie gern eine alte Nazi-Anhängerin nennt. Die Suche führt Block an die Ostsee in die Ex-DDR. Da sie überzeugt ist, daß der Urgrund für die Fehlentwicklung der Welt in der Übernahme der Macht durch das männliche Geschlecht zu suchen ist und daß die Frauen sich immer noch nicht von der "erbärmlichen Rolle" als Fitmacherin der Männer gelöst haben, fällt es ihr nicht schwer, bald den Schlüssel zur Auflösung des Rätsels zu finden. Die Vermißte? Ermordet. Der Täter? Ein Mann. Warum? Das hat was mit der Vergangenheit zu tun, die bedrohlich in die Gegenwart hineinragt.
Doris Gerckes Stärken und Schwächen als Kriminalautorin werden auch in "Ein Fall mit Liebe" deutlich. Der Plot ist beinahe nachlässig-langweilig ausgedacht. Offenbar interessiert es die Autorin nicht weiter. Gelungen dagegen das Einfangen der profitveresessenen Aufbruchstimmung in den neuen Bundesländern, in denen der frische Wind allerdings noch längst nicht den Mief aus allen Stuben und Gehirnen weggeblasen hat. Klar, daß die Anständigen von den ewig Cleveren übers Ohr gehauen werden. Großartig gelungen sind die Zeichnungen einzelner Frauenfiguren wie Bella Block, Wodkatrinkerin mit altem Kult-Porsche und dem Drang, mit Männern zu schlafen, die nichts von ihr wollen; wie Mutter Olga, hoch in den 80ern, auf den Nerv trampelnde Alt-Kommunistin, die es versteht, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, ohne die eigenen Prinzipien zu verraten; oder die alte Rentnerin, die sich im Hotel als Garderobiere ein paar Mark hinzuverdient und die das Geheimnis des Zeitbegriffs kennt. Und wo bleiben die Männer? Können vernachlässigt werden, allenfalls Staffage.
Doris Gercke vesteht es, dichte Atmosphäre zu erzeugen. Und doch hat sie einen merkwürdig "ruhigen" Krimi vorgelegt, der zu einer eher bedächtigen Lektüre einlädt.