Wer sich wie Karl Dedecius nicht im Leben begnügt, nur dem täglichen Allerlei zu genügen, der hat bestimmt einen Schatz in petto, will sagen, der muß etwas spüren, was eigentlich wichtig ist und dem nachgehen.
Nun fragt man sich natürlich, was das nur sein mag und dann sollte man dieses Buch zur Hand nehem und darin lesen.
Gut, es enthält Passagen, die sich zu wiederholen scheinen und beim Lesen merkt man, daß dieser Mensch sich nicht nur dem Schreiben widmet, sondern mit Leib und Herz dem wirklichen Leben verhaftet ist. Dabei sollte man nicht unterscheiden, ob Tagtäglichkeit oder das Stöbern in Literatur sich gegeneinander ausschließen oder eben nicht. Man kann beides tun, ja manchmal wird es sogar lebenswichtig, sich musisch zu betätigen und irgendwo sind wir doch alle nicht nur praktisch interessiert.
Daß Bildung hilft, im Leben zu widerstehen, das wird hier deutlich, sehr deutlich erklärt. Und das Herumwieseln und Nicht- zur- Ruhe - kommen, das kann ebenfalls neben geerbter Gene eine Zeiterscheinung sein, deshalb soll der Eindruck der Unruhe hier nicht weiter verfolgt werden.
Es ist ein Verdienst dieses Mannes Karl Dedecius, verschlüsselte, wunderbare und geheimnisvolle wie auch verständliche Lyrik, polnische zuerst, den Lesern zugeeignet zu haben.
Das hört sich auf den ersten Eindruck hin einfach an, ist es aber nicht.
Mit seiner legendären Vorstellung polnischer Lyrik unter dem Namen: "Lektion der Stille", 1959 bei HANSER, später als "Polnische Lyrik der Gegenwart" bei Reclam erweitert und herausgebracht, hat er Türen aufgerissen, gewaltige Tore der Wahrheiten und der Verständigung.
Davon wurden viele berührt, so auch ich, und die Bestätigung des eigenen, mäßigen Schaffens erhielt eine Zufächelung sauerstoffhaltiger Luft, die ein verstärktes Ein- und Ausatmen ermöglichte.
Lyrik als Rückzug und Atemholen, als musikalischer Ausdruck, der Leben vermitteln vermag, auch in schrecklicher Zeit. Dies versuchend erreicht zu haben ist das große Verdienst von Karl Dedecius und seine Erinnerungen in diesem Buch sind zudem vielfältiger Art, außerdem politisch und menschlich interessant, da sich ein Zeitzeuge hier ehrlich bemüht.
So wird dieses Buch für viele eine Fundgrube sein und Lodz, die vielbesungene Stadt, wird Erinnerung und vielleicht zugleich ein Zukunftsmodell?