Das Buch "'Ein Chefarzt klagt an"' ist ein in Ich-Form geschriebener Roman, der die Realität in einer Reha-Klinik beschreibt, die sich in privater Trägerschaft befindet. Die Thematik ist hochaktuell und wird vom Autor sehr nachvollziehbar und ohne Übertreibungen beschrieben. Deutlich wird gezeigt, dass ein Krankenhaus entgegen aller Menschlichkeit zu einem gewinnorientierten Betrieb wird und Medizin und Pflege zu Produkten mutieren, die in erster Linie Gewinne abwerfen müssen. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr die krankheitsbedingten und sozialen Bedürfnisse der Patienten, sondern die Gewinnerwartungen des privaten Krankenhausträgers.
Der Autor beschreibt seinen alltäglichen Kampf im Spannungsfeld von ärztlichem Selbstverständnis und finanziellen Rahmenbedingungen, die dogmatisch von einer Geschäftsführung gesetzt werden, die in ihrem Denken keinen Unterschied zwischen einem Krankenhaus und einer Schraubenfabrik macht. In dieser Klinik wird nicht nur an Diagnostik und Therapie für die Patienten gespart, sondern auch an Mitarbeitern. Der Klinikbetrieb muss mit permanentem Personalmangel aufrecht gehalten werden. Der Führungsstil der Geschäftsführung ist von Willkür und dem Verbreiten von Angst geprägt. Mitarbeiter, die sich ihrem beruflichen Gewissen (Ärzte und Krankenschwestern) verpflichtet fühlen, sind nicht erwünscht und Mitarbeiter, die sich kritisch äußern, werden gemobbt und schließlich gekündigt.
Neben vielen alltäglichen konkreten Ereignissen in einer solchen inhumanen Klinik behandelt das Buch eine gesellschaftliche Grundproblematik: Ist es ethisch und sozial überhaupt verantwortbar, dass mit Krankheit und Leiden Gewinne gemacht werden dürfen?
Fazit: Das Buch ist sehr empfehlenswert ' nicht nur für Ärzte und Krankenschwestern, sondern auch für Laien, die ja auch potentielle Patienten sind. Empfehlenswert ist es auch für die Krankenkassen, damit sie einen weiteren Eindruck davon bekommen, was mit den Geldern ihrer Versicherten passiert.