New York ... In seinem Überraschungserfolg
Der Junge, der Träume schenkte beschrieb Luca di Fulvio die Goldenen Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts aus Sicht eines italienischen Buben. In dieser Kurzgeschichte ist wieder New York der Schauplatz des Geschehens. Und wieder befinden wir uns in den Roaring Twenties. Diesmal allerdings sind es zwei junge jüdische Männer, die das Geschehen bestimmen. Ostjüdische junge Männer wohlgemerkt.
Ihre Väter hatten nach dem Pogrom von Tomsk, dem sie wie durch ein Wunder entkommen waren, die russische Heimat verlassen. Das Wüten der Menge, die Schreie. Wehrlose Männer, Frauen und Kinder, die zusammengeschlagen, verstümmelt und ermordet wurden. Amos und Asher wurden von diesen Ereignissen geprägt. Immerhin, sie konnten sich mit ihren Frauen retten und nach Amerika einschiffen. Dort werden ihre beiden Söhne geboren. Aber die Kinder entwickeln sich nicht so, wie von den Vätern erhofft. Beide wählen Wege, die unterschiedlicher nicht sein können. Beide werden sie für ihre Familie zur Schand.
Jakob Berkowitz, der Sohn von Amos, strebt nach dem schnellen Geld. Der amerikanische Traum? Jakob hält ihn für eine Lüge für die Dummen. Sein Motto: man nehme sich das, was man will! Und so verachtet Jakob seinen Vater, der mit seinem geringen Einkommen zufrieden ist. Mit dreizehn landet er zum ersten Mal in einer Besserungsanstalt. Später wird er Karriere als sogenannter Schlammer machen. Skrupellos schlägt er andere zusammen, verstümmelt sie, wenn nötig, und verdient so wesentlich mehr Geld als sein Erzeuger.
Sholem Lipsky hingegen, der Sohn von Asher, sieht Amerika als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Um seinen amerikanischen Traum zu verwirklichen, ist er aktives Mitglied der Gewerkschaft geworden. Bessere, gerechtere Arbeitsbedingungen für seine ostjüdischen Kameraden und Kollegen, das ist sein Ziel. Ein Ziel, das unerreichbar scheint, da die deutschstämmigen, jüdischen Fabrikbesitzer die Dienste der Schlammer nutzen, um Streikende und die Gewerkschaft auszuschalten. Eines Tages hat Sholem jedoch eine zündende Idee. Die Schlammer arbeiten für den, der am meisten zahlt, und so schlägt er seinen Kameraden vor, den Spieß umzudrehen, und einen Cent mehr zu bieten als die Fabrikbesitzer.
Die Folgen sind freilich unerwartet.
Luca di Fulvio beschreibt virtuos ein Dilemma, das nicht auf die damalige Zeit beschränkt ist. Die Frage, welche Ziele man verfolgt. Die Frage nach den Werten, die das eigene Handeln bestimmen. Die Schicksale der beiden Protagonisten Jakob (alias Kid Schlammer) und Sholem sind dabei gekonnt miteinander verknüpft. Und die befreundeten Väter? Die Traditionen und der Glaube, die ihnen das Überleben gesichert haben, gelten in dieser neuen Welt, in diesem Amerika, nichts. Die beiden alten Männer sind hilflose Zeugen eines Geschehens, das sie nicht beeinflussen können. Unaufhaltsam erfüllt sich die Bestimmung ihrer Söhne.
Großartiges Kopfkino!
Dramatische Ereignisse.
Tragische Ereignisse.
Schicksale, die bewegen.
Die unergründlichen Wege des Herrn ...
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"Veahavtà et Adonài elohécha, bechòl levavchà, uvechòl nafschechà, uvechòl meodécha."
Darum sollst du den Ewigen, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
(Position 243)
---> Keine Sorge, es ist keine religiöse Geschichte, aber der Glaube spielt natürlich eine Rolle.
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Nachtrag 27.2.2012:
Ein Zitat aus der Produktbeschreibung
"Dies ist die exklusive Kurzgeschichte ..."
Also bitte keinen Roman erwarten!
Zumindest für mich hat sich der Kauf dennoch gelohnt.
Wie oben gesagt: es geht um zutiefst menschliche Fragen. Die Frage, wer will ich sein? Und was bestimmt mein Handeln?