Ich hatte sehr lange auf neue Texte von Goldt gewartet, und meine grosse Vorfreude wurde von um so grösserer Begeisterung nach der Lektüre der 24 Texte abgelöst. Mit 197 Seiten ist "Zimbo" nicht nur etwas dicker als seine Vorgänger "Zauber" und "QQ", sondern auch wieder durchgängig gelungen und es gibt wieder mehr Passagen, über die ich laut gelacht habe. Trotzdem gilt, hier wie auch allgemein für Goldts Texte, das Zitat von Karlo Tobler auf der Buchrückseite: "Zitiere nie Max Goldt zum Scherz, denn er fühlt wie du den Schmerz". Die 23 Titanic-Essays und die Dankesrede für den Kleist-Preis sind mal klug, mal albern (King Kong in Flip-Flops), ernst und lustig, eben wie die typischen Goldt-Aufsätze.
Nicht immer schafft es der Autor, trotz vieler wirksamer Aufrufe zum Nach- und Umdenken, überzeugend zu argumentieren. Wenn er etwa keinerlei positiven Gründe für das Rauchen von Zigaretten findet, dann mag das reichen, um einen unterhaltsamen Text zu schreiben, für eine tiefgreifende Beschäftigung mit dem Thema ist seine Argumentation zu einseitig und oberflächlich. Nikotin wirkt z.B. anti-depressiv. Depressionen sind ein auffällig oft behandeltes Thema in diesem Buch. Für einen Autor, der sich so leidenschaftlich mit Popmusik und Themen junger Erwachsener beschäftigt wie Goldt, ist das Altern immer öfter Thema. Trotz mitunter leicht gedämpfter Lebensfreude sind Goldts Texte immer noch sehr tröstlich, inspirierend, amüsant und sehr empfehlenswert! Nicht nur sprachlich ist Max Goldt in einer ganz anderen, nahezu unerreichbar hohen, Liga als die gehetzt wirkenden Menschen, die in Deutschland als lustig präsentiert werden. Wäre dieses Buch eine CD, dann würde ich auf Rick Rubin als Produzenten tippen, hier wird Max Goldt mit dem präsentiert, was er am besten kann und was am typischsten für ihn ist. Nicht innovativ, aber sehr gelungen!
5 Sterne gibt es dann, wenn Max Goldt sich öfter auf noch nicht so oft, von ihm, beackerte Felder begibt, ein Roman wäre trotz Konzentrationsschwäche des Autors wünschenswert.