Aus der Amazon.de-Redaktion
Der große britische Autor Joseph Conrad war durch und durch rassistisch. So sehr sein Blick geschärft war für die Auswirkungen der imperialistisch-kolonialen Politik seiner Landsleute, so trüb war er in Bezug auf die Kultur und die Bewohner Afrikas.
Der Nigger der Narzissus zeigt schon im Titel eine gewisse Affinität zum Schimpfwort, die grandiose Novelle
Das Herz der Finsternis bis in den Stil. Dies jedenfalls fand der nigerianische Autor Chinua Achebe, der 2002 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels zugesprochen bekam, und verfasste 1975 einen Artikel über
Rassismus in Conrads "Herz der Finsternis".
Neben dem Titel gebenden Aufsatz enthält Ein Bild von Afrika zudem Essays über Afrikanische Literatur als Wiedergeburt der Feier, Arbeit und Spiel in Tutuolas "Palmweintrinker" und Gewidmet Victoria, Königin von England: Letzterer wirft einen Blick auf Achebes eigene Jugend als Sohn eines konvertierten Missionars der Igbo-Ethnie. Dabei beleuchtet er nicht nur das Schwanken des Autors zwischen Tradition und christlicher "Neuorientierung", sondern berichtet auch von Achebes Hinwendung zur Literatur und zum Schreiben überhaupt, das wieder eng mit der Afrika-Vorstellung westlicher Dichter zusammenhängt: "Auf der Universität las ich einige entsetzliche Romane über Afrika und entschied, dass die Geschichte, die wir zu erzählen haben, nicht von irgendjemand anderem für uns erzählt werden kann, wie begabt und guter Absicht er auch sei".
Beizeiten sind die Belege, die Achebe zur Verdeutlichung von Conrads Rassismus heranzieht, etwas dürftig. Dennoch sensibilisiert sein Buch unbedingt das Bewusstsein dafür, dass man sich an zahlreiche Afrika-Stereotypen der Weltliteratur allzu schnell und allzu sehr gewöhnt zu haben scheint. --Thomas Köster
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Juni 2002
"In der Tat dürfte es keinen zweiten Autor geben, der seinen Lesern den Blick für die Verheerungen des Kolonialismus so geöffnet hat wie der 71-Jährige vom Volk der Ibo (...). Hellsichtig gemacht hat er zumindest den schwarzen Kontinent, wo man ihn als Vater des modernen englischsprachigen Romans in Afrika verehrt. In Deutschland ist er nahezu unbekannt, obwohl ein halbes Dutzend seiner Bücher (...) übersetzt vorliegt. (...) Um so erfreulicher ist es, dass Chinua Achebe am 13. Oktober für sein Werk und politisches Engagement in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält." Gregor Dotzauer, Tagesspiegel